Zu sehen ist eine dünne Frau, die sich mit einem Maßband die Taille misst
Pressemitteilungen 2026

Starker Anstieg von Essstörungen bei jungen Hamburgerinnen

Lesedauer weniger als 4 Min

Hamburg, 20. Januar 2026 – Insbesondere zu Jahresbeginn nehmen sich viele Menschen vor, ihre überschüssigen Pfunde loszuwerden. Was als guter Vorsatz beginnt, kann oft ins Extreme kippen. Darauf weist die BARMER hin und warnt vor einem Trend, der insbesondere junge Frauen unter Druck setzt. Auf Social-Media-Plattformen verbreiten sich Formate wie „SkinnyTok“, die ein extrem schlankes Körperbild propagieren. Zwar lässt sich ein direkter Zusammenhang mit Krankenkassendaten nicht eindeutig belegen – die Auswertungen der BARMER zeigen jedoch eine alarmierende Entwicklung. So ist die Zahl der diagnostizierten Essstörungen bei 12- bis 29‑jährigen Mädchen und jungen Frauen in Hamburg in den vergangenen fünf Jahren um fast 30 Prozent gestiegen. 

Im Jahr 2018 wurden durchschnittlich 14,1 von 1.000 jungen Hamburgerinnen wegen einer Essstörung behandelt, 2023 lag die Rate bereits bei 18,1 je 1.000. „Der Jahreswechsel bietet die Gelegenheit, alte Gewohnheiten zu überdenken und neue, gesunde Routinen zu etablieren. Er sollte jedoch kein Startschuss für eine riskante Selbstoptimierung sein, denn Diät‑Trends bergen die Gefahr einseitiger Ernährung und gesundheitlicher Nachteile“, sagt Dr. Susanne Klein, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Hamburg. Familien sollten daher aufmerksam auf Warnsignale achten und im Zweifel frühzeitig professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Mögliche Warnsignale können sein:

  • auffällige Gewichtsveränderungen in kurzer Zeit,
  • häufiges Reden über Kalorien, Diäten oder „Schlankheitsziele“,
  • das Vermeiden gemeinsamer Mahlzeiten oder heimliches Essen.

Wohlbefinden steigern durch Digital Detox

„Die auf Netzwerken wie Instagram und TikTok ausgespielten Inhalte vermeintlich ‚schöner‘, dünner Models und Influencerinnen müssen sehr kritisch betrachtet werden, da sie erheblichen sozialen Druck ausüben können“, so Dr. Susanne Klein weiter. Ein verantwortungsvoller und reflektierter Umgang mit solchen Inhalten sei wichtig, um der Entwicklung krankhafter Selbstbilder und psychischer Belastungen vorzubeugen. Wenn die Beschäftigung mit bestimmten Accounts belaste, könne es sinnvoll sein, diesen konsequent zu entfolgen. Auch ein zumindest zeitweiliger Verzicht auf soziale Medien – ein sogenannter Digital Detox – könne dazu beitragen, das Wohlbefinden zu steigern.

Hohe Betroffenheit bei jungen Frauen in Hamburg

Die aktuellen Daten des BARMER Instituts für Gesundheitssystemforschung (bifg) zeigen zudem, dass Essstörungen bei Frauen und Mädchen in Hamburg überdurchschnittlich häufig auftreten. Laut Morbiditäts- und Sozialatlas liegt die Betroffenenrate über alle Altersgruppen hinweg bei 11,7 Fällen je 1.000 Frauen und Mädchen. Damit liegt Hamburg rund 50 Prozent über dem bundesweiten Durchschnitt von 7,7 je 1.000 Mädchen und Frauen. Besonders stark betroffen sind junge Frauen: In der Altersgruppe der 18‑ bis 29‑Jährigen beträgt die Rate 19,9 je 1.000, gefolgt von den 30‑ bis 39‑Jährigen mit 16,2 je 1.000. Auch bei den 12‑ bis 17‑jährigen Mädchen in Hamburg liegt der Wert mit 12,2 je 1.000 auf einem sehr hohen Niveau.

Verschiedene Arten von Essstörungen

Grundsätzlich unterscheiden Fachleute drei Hauptformen von Essstörungen. Bei der Anorexia nervosa handelt es sich meist um untergewichtige Patientinnen und Patienten, deren Gewichtsverlust bewusst herbeigeführt oder aufrechterhalten wird. Betroffene beschäftigen sich häufig intensiv mit dem Thema Ernährung und weisen nicht selten ein erhöhtes Aktivitätsniveau bis hin zum Sportzwang auf. Die Bulimia nervosa ist durch wiederkehrende Essanfälle gekennzeichnet, auf die kompensatorische Maßnahmen wie Erbrechen, Abführen oder intensive sportliche Aktivität folgen, um die aufgenommenen Kalorien auszugleichen. Häufig geht einer Bulimie eine Anorexie voraus. Eine weitere Form ist die Binge‑Eating‑Störung. Auch hier treten Essanfälle auf, allerdings ohne anschließende Kompensation, was im Krankheitsverlauf oft zu Übergewicht führt.

Hintergrund

Im Sommer 2025 sperrte TikTok den Hashtag #SkinnyTok und leitete Nutzerinnen und Nutzer bei entsprechenden Suchanfragen auf Hilfsangebote für Körperwahrnehmungsstörungen weiter. Dennoch sind Inhalte, die extremes Dünnsein idealisieren, weiterhin unter neuen Begriffen auf der Plattform zu finden.

Mehr zum Thema

Um gefährliche Trends in sozialen Netzwerken frühzeitig zu erkennen und Gesundheitsinformationen sicherer zu bewerten, bietet die BARMER das Präventionsprogramm „Durchblickt!“ an. Dieses richtet sich an Schulen und Eltern und stärkt die digitale Kompetenz von Lehrkräften, Familien sowie Schülerinnen und Schülern. Weitere Infos: www.durch-blickt.de

Zur Unterstützung von Kindern und Familien beim gesunden Umgang mit Ernährung und Körperbild haben die Sarah Wiener Stiftung und die BARMER die digitale Plattform „Familienküche“ ins Leben gerufen. Das kostenlose Angebot fördert die aktive Einbindung von Kindern in den Essalltag und macht das gemeinsame Kochen gesunder Mahlzeiten zu einem Erlebnis. Weitere Infos: www.familienkueche.de

Datenquelle

Alle Angaben stammen aus dem BARMER‑Morbiditäts‑ und Sozialatlas und sind abrufbar unter: www.bifg.de/atlas/essstoerungen. Für den Morbiditäts- und Sozialatlas wurden Routinedaten der BARMER anonymisiert durch das BARMER Institut für Gesundheitssystemforschung (bifg) unter Einbeziehung soziodemografischer Faktoren, regionaler Unterschiede und der Morbidität auf die Gesamtbevölkerung Deutschlands hochgerechnet. Die BARMER versichert bundesweit rund 8,3 Millionen Menschen, davon etwa 170.000 in Hamburg.

Pressekontakt:

Sebastian Finger
Pressesprecher Barmer Hamburg
Telefon: 0800 333 004 651 131

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