Pressemitteilungen 2025

Handysucht: Welche Anzeichen gibt es?

Lesedauer weniger als 3 Min

Hamburg, 22. Dezember 2025 – Wenn an den Weihnachtstagen Familien zusammenkommen, Kerzen brennen und der Duft von Plätzchen in der Luft liegt, liegt ein Gegenstand oft griffbereit neben dem Teller: das Smartphone. Noch schnell eine Nachricht beantworten, durch soziale Netzwerke scrollen oder Fotos vom Essen posten – kaum eine andere Zeit macht unseren Umgang mit dem Handy so sichtbar wie die Tage rund um Weihnachten. Und sie werfen eine Frage auf, die viele beschäftigt: Wann wird aus Gewohnheit eigentlich eine Sucht?

Wann aus Gewohnheit ein Problem wird

„Hellhörig sollten wir werden, wenn wir die Kontrolle verlieren“, sagt Dr. Susanne Klein, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Hamburg. Gemeint ist damit nicht die bloße Nutzungsdauer, sondern ein ganzes Bündel an Warnzeichen. „Wenn wir mehr Zeit am Handy verbringen, als uns lieb ist, und andere Aktivitäten zunehmend auf der Strecke bleiben, dann verschieben sich eindeutig die Prioritäten.“ Spürbare Beeinträchtigungen im Alltag – etwa schlechtere Leistungen in Schule oder Beruf, Konflikte in Beziehungen oder wiederholte Kritik im Job – seien weitere Alarmsignale. Von einer echten Verhaltenssucht sprechen Fachleute allerdings erst, wenn mehrere dieser Symptome gemeinsam und über längere Zeit auftreten. „Das betrifft etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung“, so Klein. Wichtig sei dabei eine klare Abgrenzung: „Die reine Nutzungsdauer ist kein Maßstab für eine Sucht. Die Managerin eines Unternehmens, die ihr Smartphone beruflich ständig nutzt, ist nicht automatisch abhängig.“

Gibt es also eine „gesunde“ Bildschirmzeit? Für Erwachsene existieren keine Grenzwerte. „Im Schnitt nutzen wir das Smartphone etwa zwei Stunden täglich, bei jungen Erwachsenen oft vier Stunden und mehr“, erklärt Klein. Für Kinder und Jugendliche gilt die Faustregel: das Alter in Jahren sollte den maximalen Wochenstunden entsprechen. Doch entscheidend sei weniger die Uhr, sondern die Wirkung. „Schlafen wir schlechter? Leidet unsere Beziehung unter der Nutzung? Oder können wir bewusst Pausen einlegen?“ Wer beim Weihnachtsessen nervös wird, weil das Handy stummgeschaltet ist, oder selbst im Urlaub nicht abschalten kann, sollte genauer hinschauen. Zu den Warnsignalen zählen auch körperliche Beschwerden. „Unruhe, sobald wir offline sind, oder das Weitermachen trotz offensichtlicher Probleme sind ernst zu nehmen“, sagt Klein. Kopfschmerzen, Nacken- oder Rückenschmerzen sowie Schlafstörungen könnten ebenfalls Hinweise darauf sein, dass der digitale Konsum aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Weniger Scrollen, mehr Festtage

Was also tun, wenn man gerade zwischen den Jahren merkt, dass der Griff zum Handy zur Gewohnheit geworden ist? Die BARMER-Landeschefin rät zu klaren Regeln: „Klare Zeitgrenzen setzen – idealerweise weniger als zwei Stunden pro Tag. Push-Nachrichten ausschalten.“ Auch kleine Veränderungen im Alltag könnten helfen: einen klassischen Wecker statt des Smartphones nutzen, wieder eine Armbanduhr tragen oder das Handy bewusst aus dem Raum legen – nicht nur vom Tisch. Besonders wirkungsvoll sei der bewusste Verzicht in bestimmten Momenten. „In Bus oder Bahn einfach mal aus dem Fenster schauen. Und nicht sofort auf jede Nachricht antworten – das gibt Freiheit und reduziert Stress“, so Klein.

Vielleicht sind die Weihnachtstage deshalb sogar ein guter Zeitpunkt für eine kleine digitale Inventur. Zwischen Festessen und Spaziergang lässt sich ausprobieren, wie es sich anfühlt, das Handy einmal beiseitezulegen – und stattdessen dem Leuchten der Kerzen oder dem Gespräch am Tisch mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Denn, wie Dr. Susanne Klein es formuliert: „Wichtig ist, dass wir bestimmen, wann und wofür wir das Smartphone nutzen – und nicht umgekehrt.“

Weitere Informationen: https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/psyche/sucht/handysucht-1058200

Pressekontakt:

Sebastian Finger
Pressesprecher Barmer Hamburg
Telefon: 0800 333 004 651 131

E-Mailpresse.hh@barmer.de
X: x.com/BARMER_HH
STANDORTinfo Hamburg: barmer.de/p006174