Frau sitzt nach vorne gebeugt mit Bauchschmerzen auf Sofa
Pressemitteilungen 2026

Deutlicher Anstieg von Endometriose-Diagnosen in Hamburg

Lesedauer weniger als 5 Min
  • Endometriose-Diagnosen in Hamburg seit 2005 um 421 Prozent gestiegen, höchster Wert in Deutschland
  • Diagnosen werden deutlich früher gestellt: Durchschnittsalter der Erstdiagnose bundesweit um 3,8 Jahre gesunken
  • „Der starke Anstieg der Diagnosen bedeutet nicht unbedingt, dass plötzlich mehr Frauen erkrankt sind, sondern dass Endometriose heute häufiger erkannt wird. Bessere Wahrnehmung führt zu früherer Hilfe“, sagt Dr. Susanne Klein, Landesgeschäftsführerin der BARMER Hamburg.

Hamburg, 13. März 2026 – Rund um den 14. März wird weltweit der Internationale Tag der Endometriose begangen, der auf die Erkrankung aufmerksam macht und Verbesserungen in Forschung, Versorgung und gesellschaftlicher Wahrnehmung einfordert. In Hamburg hat sich die Zahl der Frauen mit einer gesicherten Endometriose-Diagnose in den vergangenen 20 Jahren mehr als verfünffacht. Gab es im Jahr 2005 noch rund 2.500 Betroffene, waren es 2024 bereits über 13.800. Damit verzeichnet Hamburg bundesweit den stärksten Anstieg seit 2005 mit einer Zunahme von 421 Prozent. Das geht aus dem aktuellen Arztreport des BARMER Instituts für Gesundheitssystemforschung (bifg) hervor.

Demzufolge lebten im Jahr 2024 1.463 von 100.000 Frauen in Hamburg mit der Diagnose Endometriose. Höhere Werte wurden nur in Berlin registriert (1.618 pro 100.000 Frauen). Zugleich werden Endometriose-Diagnosen zunehmend früher gestellt. So zeigt der Arztreport, dass das Durchschnittsalter bei der Erstdiagnose bundesweit zwischen 2015 und 2024 um 3,8 Jahre auf 37,4 Jahre sank. Auch in Hamburg ist diese Entwicklung sichtbar: Während 2015 die meisten Erstdiagnosen noch bei Frauen zwischen 40 und 44 Jahren gestellt wurden (knapp 1.350 Fälle), lag der Höchstwert 2024 mit nahezu 2.500 Diagnosen bereits in der Altersgruppe der 30- bis 34-Jährigen. Endometriose ist eine chronische, meist schmerzhafte Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutterhöhle wächst.

„Die Analysen zeigen, dass Endometriose offenbar stärker im gesellschaftlichen Bewusstsein angekommen ist. Die Erkrankung wird heute wesentlich früher diagnostiziert und Frauen erhalten schneller Klarheit über ihre Beschwerden“, sagt Dr. Susanne Klein, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Hamburg. „Der starke Anstieg der Diagnosen bedeutet nicht unbedingt, dass plötzlich mehr Frauen erkrankt sind, sondern dass Endometriose heute häufiger erkannt wird. Bessere Wahrnehmung, bessere Diagnostik und weniger Tabus führen dazu, dass Betroffene früher Hilfe bekommen.“ Eine frühe Diagnose allein reiche jedoch nicht aus, betont Klein. Entscheidend sei eine Therapie, die die vielfältigen Lebenssituationen der Betroffenen berücksichtigt. „Endometriose kann viele Bereiche des Lebens beeinflussen: Familienplanung, Mobilität, psychische Gesundheit. Ziel ist es, die Lebensqualität der Patientinnen zu verbessern“, so die Landeschefin der BARMER in Hamburg. Das sehe auch die im vergangenen Jahr aktualisierte Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung der Erkrankung vor. 

Begleiterkrankungen stark verbreitet

Laut Arztreport leiden Frauen mit der Diagnose Endometriose deutlich häufiger unter Begleiterkrankungen, als es ihrem Alter entsprechend zu erwarten wäre. Besonders ausgeprägt zeigt sich dies bei Schmerzdiagnosen: Bauch- und Beckenschmerzen wurden mehr als doppelt so häufig dokumentiert. Auch Diagnosen wie Migräne sowie Muskel-Skelett-Erkrankungen treten überdurchschnittlich oft auf. Zudem treten bei betroffenen Frauen häufiger depressive Episoden und Angststörungen auf. „Die Ergebnisse des Arztreports zeigen zwar, dass Endometriose nicht mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden ist. Dennoch tragen betroffene Frauen eine hohe Krankheitslast. Deshalb ist eine ganzheitliche Therapie erforderlich, zu der auch eine engere Kooperation zwischen Schmerz- und Endometriosezentren gehört“, betont Klein. Eine passgenaue Therapie könne dazu beitragen, dass sich die Erkrankung nicht unnötig verschlimmert und ihre Folgen besser bewältigt werden. 

Regionale Unterschiede zeigen Bedarf an weiterer Aufklärung

Der Report zeigt zudem deutliche regionale Unterschiede. Bundesweit liegt Thüringen bei den Erstdiagnosen rund 20 Prozent unter dem Durchschnitt, während das Saarland etwa 20 Prozent darüber liegt. Hamburg befindet sich im Mittelfeld und liegt rund fünf Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Endometriose wird außerdem häufiger in dicht besiedelten als in ländlichen Regionen diagnostiziert. „Wir gehen davon aus, dass viele Frauen ihre Beschwerden zunächst für starke Regelschmerzen halten und deshalb nicht frühzeitig ärztliche Hilfe suchen. Die regionalen Unterschiede zeigen, dass weiterhin Aufklärungsarbeit notwendig ist“, so Klein.

Download Barmer-Arztreport 2026

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