Immer mehr Psychotherapie für Kinder und Jugendliche - Corona-Pandemie verschärft die Situation

Hamburg, 18. Mai 2021 – Immer mehr Kinder und Jugendliche in Hamburg sind in psychotherapeutischer Behandlung. Innerhalb von elf Jahren hat sich die Zahl der jungen Patientinnen und Patienten mehr als verdoppelt. Das geht aus dem aktuellen Arztreport der Barmer hervor. „Psychische Probleme können für Kinder und Jugendliche ernste Folgen haben. So werden aus kranken Kindern nicht selten kranke Erwachsene. Es ist wichtig, frühzeitig auf die Alarmsignale zu achten. Dessen werden sich offenbar immer mehr Menschen in Hamburg bewusst und suchen professionelle Hilfe“, sagt Frank Liedtke, Landesgeschäftsführer der Barmer in Hamburg.

Vergleichsweise hoher Anteil in Psychotherapie

Den Auswertungen des Arztreports zufolge seien im Jahr 2019 in Hamburg 4,4 Prozent der unter 25-Jährigen psychotherapeutisch behandelt worden. Das entspreche rund 20.000 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Hamburg habe wie auch die Stadtstaaten Berlin mit 5,2 Prozent und Bremen mit 4,4 einen vergleichsweise hohen Anteil junger Menschen in psychotherapeutischer Behandlung.

Corona-Pandemie hinterlässt bei jungen Menschen Spuren

Die Corona-Pandemie samt strikter Kontaktbeschränkungen dürfte dabei die Situation noch ein Stück weit verschärfen. Allein im ersten Halbjahr 2020 seien für Heranwachsende die Zahlen für die Akutbehandlung sowie die Anträge etwa für die erstmalige Therapie und deren mögliche Verlängerung bundesweit um sechs Prozent auf mehr als 44.000 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. „Die Corona-Pandemie hinterlässt besonders bei den jungen Menschen Spuren, die ohnehin psychisch angeschlagen sind“, sagt Liedtke. „Eltern, Bezugspersonen, Kinder- und Jugendärzte sowie ärztliche und psychologische Psychotherapeuten müssen im Sinne der betroffenen Kinder und Jugendlichen möglichst eng zusammenarbeiten, um zeitnah zu helfen. Eine enge Kooperation ist während der Corona-Pandemie wichtiger denn je“, so Liedtke weiter.

Psychotherapie geht häufig jahrelange Leidensgeschichte voraus

Psychische Probleme hätten heute zwar einen höheren Stellenwert als früher, dennoch dauere es oft noch zu lange, bis Betroffene professionelle Hilfe erhalten. Viele junge Menschen litten den Ergebnissen des Reports zufolge über Jahre an psychischen Störungen. Dies belege eine Langzeitbetrachtung von Kindern und Jugendlichen, die im Jahr 2014 erstmals eine Psychotherapie erhalten haben. So würden bei mehr als jedem bzw. jeder dritten Betroffenen bereits fünf Jahre vor dem Start einer klassischen Psychotherapie zumindest eine psychische Störung dokumentiert. Bei 40,7 Prozent beschränkten sich die Psychotherapiesitzungen auf maximal ein Jahr. 36,4 Prozent erhielten auch mehr als zwei Jahre nach Start der Behandlung noch Psychotherapien. „Haben sich psychische Probleme erst einmal chronifiziert, wird die Behandlung oft schwieriger und langwieriger“, sagt Liedtke. So seien laut Arztreport zum Beispiel bei 62,5 Prozent aller Betroffenen auch noch fünf Jahre nach dem Start der Psychotherapie psychische Störungen diagnostiziert worden.

Jugendliche auf digitalem Weg erreichen

Um die Probleme von Kindern und Jugendlichen nicht aus den Augen zu verlieren, müssten laut Liedtke auch neue Wege gegangen werden. „Hier müssen wir insbesondere die digitale Affinität von Jugendlichen nutzen“, so der Landeschef der Barmer. Ein Mittel könnten professionelle Chat-Angebote für Jugendliche sein. Die Barmer kooperiere mit dem Portal www.krisenchat.de. Dabei handele es sich um ein gemeinnütziges Unternehmen, das sich in der Phase des ersten Lockdowns gegründet hat. Bei psychischen Problemen, etwa durch Cybermobbing, könnten sich junge Menschen unkompliziert, kostenfrei und anonym via Chat an geschulte Psychologinnen und Psychologen wenden. „Viele Betroffene haben zum Beispiel Angst, sich den Eltern oder Freunden anzuvertrauen. Deshalb unterstützen wir krisenchat.de als ein niedrigschwelliges und für die Betroffenen anonymes Angebot“, sagt Liedtke.

Webcode dieser Seite: p016851 Autor: Barmer InternetredaktionLetzte Aktualisierung: 18.05.2021
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