Infrarotlicht: Mehr als nur Wärme?

Gegen Muskelverspannungen und Schmerzen des Bewegungsapparates helfen nicht nur Bewegung und gegebenenfalls eine medikamentöse Therapie. In manchen Fällen lassen sich die Verspannungen auch durch Wärme lösen. Wärmepackungen oder Saunagänge, aber auch Infrarotanwendungen können Linderung verschaffen.

Während man Infrarotlampen früher in vielen Haushalten gefunden hat, sieht man sie heute meist nur noch an Wickeltischen, an denen Neugeborene versorgt werden. Hier haben die sogenannten Wärmelampen mit Infrarotlicht die Aufgabe, die Körperwärme der Säuglinge aufrechtzuerhalten, denn Babys haben eine dünne Haut und nur wenig Fettgewebe, das sie vor Kälte schützen könnte, daher kühlen sie schnell aus. Doch auch Erwachsene können von dem Licht profitieren, wenn sie beispielsweise an akuten oder chronischen Muskelschmerzen, Durchblutungsstörungen, tiefsitzenden Beschwerden der Lendenwirbelsäule oder chronischen Entzündungen wie einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung leiden. "Der Einsatz von Infrarotlicht kann, neben dem Wohlfühl-Effekt, der durch Wärme oft eintritt, auch körpereigene Prozesse anstoßen, die die Beschwerden verbessern", erklärt Dr. Utta Petzold, Medizinerin bei der Barmer GEK.

Wirkungsweise von Infrarot

Infrarot ist ein natürlicher Bestandteil des Sonnenlichts. Je nach Wellenlänge unterscheidet man zwischen Infrarot A, B oder C. Therapeutisch genutzt wird beim Menschen nur Infrarot A, das fünf bis sechs Millimeter tief in die Haut eindringt und auf diese Weise die durchbluteten Bereiche der Haut erreichen kann. Durch die Wärme des Infrarot A wird im Gewebe die Durchblutung erhöht, eigentlich, um den überwärmten Bereich abzukühlen. "Die verstärkte Durchblutung hat aber den positiven Effekt, dass unter anderem mehr Sauerstoff in die betroffene Region transportiert wird und gleichzeitig Stoffwechselprodukte besser abtransportiert werden können. Das reduziert Schmerzen. Außerdem wirkt die Kombination aus Muskelentspannung und erhöhter Durchblutung leicht entzündungshemmend", so Petzold. Doch wie für alles gilt auch hier: Die Anwendung ist nicht immer sinnvoll und in manchen Fällen hat sie sogar einen gegenteiligen Effekt, beispielsweise, wenn eine akute Entzündung vorliegt. Auch bei schweren Herzerkrankungen, Thrombosen oder schwerem Diabetes mellitus sollte man der Expertin zufolge vor dem Einsatz von Infrarotlicht unbedingt Rücksprache mit dem behandelnden Arzt halten.

Infrarotlicht für den Hausgebrauch

Moderne Infrarotlampen weisen ein spezielles, definiertes Spektrum an Infrarot-A-Strahlung auf und sind aufgrund ihres hohen Sicherheitsstandards mittlerweile auch zum täglichen Gebrauch in den eigenen vier Wänden geeignet. Je nach Herstellerangabe sollte man etwa 30 bis 50 Zentimeter Abstand zur Infrarotlampe einhalten und täglich nicht länger als etwa 15 Minuten bestrahlen. Dabei rät Petzold, nicht in die Strahlenquelle zu schauen, um Schäden an den Augen zu vermeiden. Treten während der Behandlung Schmerzen auf oder verstärken sich bereits vorhandene Schmerzen, sollte die Bestrahlung sofort abgebrochen werden. Ansonsten gilt: Augen zu und entspannen

Webcode dieser Seite: p007000 Autor: Barmer Erstellt am: 21.12.2016 Letzte Aktualisierung am: 21.12.2016
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