Ältere Damen sitzen am Tisch in einem Pflegeheim
Pressemitteilung der Barmer Thüringen

Pflegebedürftige im Krankenhaus ...und dann?

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Erfurt, 4. Januar 2024 – Die Barmer Thüringen fordert ein landeseigenes Online-Portal zum Suchen und Finden freier Pflegeplätze sowie einen Ausbau der Kurzzeitpflege. „Die fehlende Übersicht bezüglich freier Plätze in Pflegeheimen und bei der Kurzzeitpflege belastet Pflegebedürftige und Angehörige zusätzlich. Angebot und Nachfrage finden in Thüringen nicht effektiv zusammen“, sagt Birgit Dziuk, Landesgeschäftsführerin der Barmer Thüringen. Das strukturierte Zusammenführen in einer Online-Plattform entlaste auch die Pflegeheime, da weniger Menschen direkt anfragen und der Verwaltungsaufwand bei Aufnahmen verringert würden. 

Birgit Dziuk, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Thüringen. Foto: Michael Reichel

Birgit Dziuk, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Thüringen. Foto: Michael Reichel

„Hinzu kommt, dass jedes Jahr rund 10.000 Menschen im Freistaat unnötig lange im Krankenhaus liegen, weil zunächst die Pflege danach geklärt werden muss, verbunden mit oft langwieriger Suche nach freien Plätzen“, so die Landesgeschäftsführerin weiter. Die lange Verweildauer von Menschen, die neu pflegebedürftig werden, sei auch ein Indiz für Versorgungslücken und nicht bedarfsgerechte Angebote. Um dem zu begegnen, müsse das Land den Ausbau der Kurzzeitpflege stärker fördern. Andere Bundesländer, beispielsweise Sachsen und Bayern, seien hierbei schon wesentlich weiter.

Vom Krankenhaus- zum Pflegefall

Mehr als Jeder vierte Pflegefall in Thüringen beginnt mit einem Krankenhausaufenthalt. Das stellt der aktuelle Pflegereport der Barmer fest. Monatlich gebe es rund 800 solcher Fälle. „Für einen Großteil dieser Menschen muss zunächst geklärt werden, wie es weitergeht. An der Stelle hakt es jedoch in vielerlei Hinsicht“, kritisiert Barmer-Landeschefin Dziuk. Einerseits mangele es an Transparenz zu freien Pflegekapazitäten. Andererseits müsse die Kommunikation zwischen Kliniken und Pflegekassen besser werden, damit eine reibungslose Versorgung der Betroffenen besser und schneller gelingen kann. Nach Ansicht der Barmer sollten Krankenhäuser die Pflegekassen per digitalem Datenaustausch möglichst frühzeitig informieren, sobald für Patienten ein Entlassdatum feststeht. „So wäre gewährleistet, dass auch die Versorgung mit Hilfsmitteln wie beispielsweise Gehhilfen ohne Zeitverzögerung gelingt“, so Dziuk weiter.

Unnötig lange Klinikaufenthalte

Ein Krankenhausaufenthalt von Menschen, die im Monat der Krankenhausaufnahme pflegebedürftig werden, dauert in Thüringen laut Barmer Pflegereport im Schnitt 13 Tage. Bei nicht Pflegebedürftigen sind es demnach hingegen lediglich acht Tage. Jene, die bereits pflegebedürftig ins Krankenhaus kommen, verbringen dort durchschnittlich zehn Tage. „Die unterschiedlichen Verweildauern haben ihre Ursachen auch, aber eben nicht ausschließlich, in der Schwere der Grunderkrankungen“, so Birgit Dziuk. Denn selbst unter Annahme gleicher Vorerkrankungen, gleicher Aufnahmediagnose sowie gleichen Alters und Geschlechts dauern laut Report jene Krankenhausaufenthalte besonders lange, bei denen die Betroffenen anschließend pflegebedürftig werden. Im Vergleich zu Fällen, aus denen keine Pflegebedürftigkeit entsteht, ist die Verweildauer um 3,4 Tage länger.

Nur acht Anbieter für Kurzzeitpflege in Thüringen

„Wenn Menschen pflegebedürftig werden, ist das eine riesige Herausforderung für sie selbst und insbesondere die Angehörigen. Sie müssen sich in dieser oft vollkommen neuen Situation darauf verlassen können, dass die Versorgung bestmöglich funktioniert und benötigen Unterstützung“, sagt die Barmer-Landesgeschäftsführerin. Derzeit sei der Aufwand, freie Pflegeplätze ausfindig zu machen, unnötig hoch. Lediglich acht Anbieter für reine Kurzzeitpflege in Thüringen seien zu wenig, zumal die Kurzzeitpflege auch als Möglichkeit verstanden werden müsse, eine Rückkehr in die Häuslichkeit zu realisieren. Dass es über die Kapazitäten in Form eingestreuter freier Plätze in Pflegeheimen keinerlei Transparenz gibt, sei inakzeptabel.

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