STANDORTinfo für Schleswig-Holstein

Mit Ultraschall gegen das Zittern - Als erste Krankenkasse bietet die Barmer ihren Versicherten eine innovative Therapie für Tremor-Patienten am UKSH an

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Aus einem Glas trinken oder einen Schlüssel in einem Schloss platzieren – Alltagstätigkeiten werden für Patienten mit essentiellem Tremor (ET) aufgrund eines unwillkürlichen Zitterns von Körperteilen zur Herausforderung. Barmer-Versicherte, die unter einem schweren therapieresistenten essentiellen Tremor oder Parkinson-Tremor leiden, können sich ab sofort am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) mit einer neuen, innovativen Methode mittels hochfokussiertem Ultraschall behandeln lassen.

Ein Patient liegt mit einem Tremor-Helm in einem Magnetresonanztomographen und hält einen Plastikbecher in der Hand

Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Neurologie zufolge ist jeder hundertste Deutsche von dieser im Gehirn ausgelösten Bewegungsstörung betroffen. „Patienten mit essentiellem Tremor stehen oft unter einem großen Leidensdruck“, sagt Prof. Dr. Ann-Kristin Helmers von der Klinik für Neurochirurgie am UKSH. „Bei den ausgeprägten Formen der Erkrankung sind häufig einfachste Alltagsverrichtungen nicht mehr möglich. Dann bedeutet der essentielle Tremor eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität.“ Bisher stehen verschiedene Medikamente und die Tiefe Hirnstimulation (THS) als Standardtherapien zur Verfügung. Am Standort Kiel des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) setzt man nun zusätzlich auf ein innovatives Verfahren mittels hochfokussiertem Ultraschall, mit dem sich der ET effektiv und schonend behandeln lässt. Denn bei diesem muss der Schädelknochen nicht geöffnet werden. „Wir sind sehr stolz darauf, unseren Versicherten als erste Krankenkasse diese neue und schonende Therapieoption anbieten zu können“, sagt Dr. Bernd Hillebrandt, Landesgeschäftsführer der Barmer in Schleswig-Holstein. „Als bundesweit agierende Krankenkasse stellen wir damit unter Beweis, dass wir auch regional unseren Versicherten ein starkes Leistungsangebot bieten“, so Hillebrandt weiter.

Fokussierter Ultraschall als vielversprechende Therapieoption

Die Therapie mittels Magnetresonanztomographie-gesteuertem fokussierten Ultraschall stellt eine Weiterentwicklung der Thermoläsion dar (Verödung von sensorischen Nervenfasern durch Hitzebehandlung). Die neue Methode basiert auf hochenergetischen Ultraschallwellen, die unter Temperaturkontrolle im Magnetresonanztomographen (MRT) präzise – mit Submillimeter-Genauigkeit – auf das Zielgebiet im Gehirn ausgerichtet werden. Somit kann das Hirngewebe gezielt identifiziert werden. Dafür wird dem Patienten im MRT ein helmförmiger Ultraschallwandler mit über 1.000 einzelnen, kleinen Ultraschallquellen auf dem Kopf platziert. Diese Ultraschallquellen können einzeln angesteuert und die Schallwellen – ähnlich wie bei einem optischen Brennglas – auf einen nur wenige Millimeter großen Hirnbereich fokussiert werden. Am Zielpunkt erhitzt die Schallenergie das Gewebe. Dadurch kommt es zur Verödung der für das Zittern verantwortlichen Nervenzellen, wodurch das Tremornetzwerk unterbrochen wird. Der Patient ist während der Behandlung wach, um direkt Feedback zu geben. In den meisten Fällen verbessert sich das Zittern unmittelbar nach der Behandlung auf einer Seite. Der fokussierte Ultraschall stellt daher eine effektive Therapieoption für Patienten dar, die nicht ausreichend auf Medikamente ansprechen, und kann entscheidend zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen.

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