Die Gastgeber begrüßen die Gäste beim 9. Norddeutschen Dialog
STANDORTinfo Schleswig-Holstein

Norddeutscher Dialog 2022 - Impressionen, Einblicke, Ausblicke

Lesedauer unter 4 Minuten

Gesundheitsexpertinnen und Gesundheitsexperten haben am 8. Juni beim 9. Norddeutschen Dialog in Lübeck Wege und Herausforderungen einer sektorenübergreifenden Versorgung diskutiert. Eingeladen dazu hatten die Barmer Landesvertretungen Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Ein hochkarätig besetztes Podium lockte rund 100 Interessierte aus dem Gesundheitsbereich in das Konferenz- und Businesscenter media docks an die Trave. Unter dem Motto "Die Zeit ist reif! Patientenversorgung digital und grenzenlos gestalten!" diskutierten u.a. Dr. Monika Schliffke, Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein, Gesundheitsökonom Prof. Dr. Wolfgang Greiner und Helios-Regionalgeschäftsführer Franzel Simon. 

Früher Poliklinik, heute MVZ

Dass integrierte Versorgung keine neue Erfindung ist, zeigte sich bereits im ersten von drei Filmbeiträgen, welche die Veranstaltung mit Beispielen aus der Praxis bereicherten. Im Film berichtet Anne-Katrin Joop-Althorn über ihre Erfahrungen als Landärztin in Mecklenburg. Wo stößt für die Ärztin sektorenübergreifende Versorgung an ihre Grenzen? Und was braucht es jeweils aus Sicht des ambulanten und stationären Bereichs sowie für die Politik, um diese Hürden zu überwinden?

Sektorenübergreifend im Sinne von Patientinnen und Patienten: Landesgesundheitsministerin Drese setzt Fahrplan bei Krankenhäusern im Land an

Wie kann eine intergierte Gesundheitsversorgung im Sinne von Patientinnen und Patienten gelingen? Neben Landärztin Joop-Althorn kommen im Film auch MV-Gesundheitsministerin Drese, Angelika von Schütz als stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung MV und Uwe Borchmann als Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft MV zu Wort. 

Mut zur Veränderung ist gefragt 

Für Dr. Susanne Klein, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Hamburg, ist die Umwandlung des Gesundheitssystems hin zu einer integrierten Versorgung nicht weniger als eine Strukturreform. "Es braucht den Mut, Veränderungen anzugehen. Mut, die Strukturen zu verändern und das Silo-Denken in ambulant und stationär aufzugeben. Ich bin der Meinung, dass wir im stationären Bereich mit der Umwandlung beginnen müssen",  sagte sie auf dem Podium. Dass sektorenübergreifende Versorgung gelingen und zum Vorteil des Patienten sein kann, verdeutlichte ein weiterer Film. Hierin wurde eine kombinierte Versorgung von Schlaganfall-Patienten vorgestellt.

StroCare – Optimierte sektorenübergreifende, koordinierte und evidenzbasierte Behandlung von Schlaganfallpatienten durch übergreifende Prozessverantwortung und patientenorientierte Ergebnisqualitätsmessung

Das Innovationsfonds-Projekt „StroCare“ verfolgt das Ziel, eine möglichst vollständige Genesung von Patientinnen und Patienten nach einem erlittenen Schlaganfall zu erreichen.

Telemedizin als Wegweiser für moderne Gesundheitsversorgung 

Auch für Franzel Simon, Regionalgeschäftsführer von Helios, sollte die Strukturreform im stationären Bereich ansetzen, jedoch führte er auf dem Podium aus: „Krankenhäuser nur zu schließen, macht keinen Sinn. Wir müssen strukturieren und spezialisieren!“. Ein weiterer Hebel, an dem aus Sicht von Simon gedreht werden müsse, um das Gesundheitssystem zukunftsfähig zu machen, sei die Digitalisierung. "Eine funktionierende digitale Infrastruktur ist Voraussetzung für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung auf dem Land", sagt er. Im dritten Film wurde gezeigt, wie durch das Projekt eQuaMaDi Frauen aus Schleswig-Holstein bei der Brustkrebsvorsorge bereits von Telemedizin profitieren. 

eQuaMaDi - qualitätsgesicherte, indikationsbasierte, kurative Brustkrebsdiagnostik

Mit eQuaMaDi wird in Schleswig-Holstein seit 2005 eine qualitätsgesicherte, indikationsbasierte, kurative Brustkrebsdiagnostik im Sinne eines ganzheitlichen Diagnostikprozesses angeboten. Alle beteiligten Facharztgruppen haben einen ad-hoc Zugriff auf die digitale Fallakte der Patientin.

Impulse für neue Lösungsansätze 

"Wenn wir allen Patienten auf Dauer eine qualitativ hohe medizinische Versorgung anbieten wollen, klappt das langfristig nur mit einer sektorenübergreifenden Versorgung. Denn die Ressourcen, die wir haben, sowohl im personellen und finanziellen, sind begrenzt. Wir müssen uns alle bewegen, um hier den richtigen Weg aufeinander zu finden", sagte Henning Kutzbach, Landesgeschäftsführer der Barmer in Mecklenburg-Vorpommern, zum Abschluss der Veranstaltung. Er wünsche sich, dass die Impulse der Diskussion des Norddeutschen Dialogs mit in die einzelnen Länder genommen werden, um im Anschluss daran weitere Ideen und Lösungsansätze zu finden. 

Wir bedanken uns herzlich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern am Norddeutschen Dialog und freuen uns bereits jetzt auf den Austausch im nächsten Jahr.

Mitschnitt des 9. Norddeutschen Dialogs 2022 - Die Zeit ist reif! Patientenversorgung digital und grenzenlos gestalten!

Beim diesjährigen 9. Norddeutschen Dialog der Barmer Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern drehte sich alles um die patientenorientierte, qualitativ hochwertige medizinische Versorgung und wie die Strukturen des Gesundheitssystems weiterentwickelt werden müssen. Vor diesem Hintergrund wurde die Frage diskutiert, wie es gelingt, die Versorgungsstrukturen weiter zu vernetzen und sektorenübergreifend zu gestalten. Und ob die fortschreitende Digitalisierung Treiber genug ist, um Länder- und Sektorengrenzen zu überwinden.

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