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Kokainmissbrauch in Schleswig-Holstein besorgniserregend

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Kiel, 23. Dezember 2025 – In Kiel dokumentieren Ärzte den Kokainmissbrauch häufiger als anderswo in Schleswig-Holstein. Der Barmer Morbiditäts- und Sozialatlas für 2023 zeigt: Bei 13,1 von 10.000 Einwohnern in Kiel wurde Kokainmissbrauch diagnostiziert. Diese Rate liegt 295 Prozent über dem Bundesdurchschnitt von 3,3 Betroffenen je 10.000 Menschen. Auch in Lübeck tritt die Diagnose mit 8,9 je 10.000 fast dreimal so oft auf wie im Bundesschnitt. Kiel und Lübeck führen damit deutlich vor anderen Regionen Schleswig-Holsteins. „Die Analyse kann nur die Spitze des Eisbergs zeigen, da lediglich ein Bruchteil der Konsumentinnen und Konsumenten wegen ihres Kokainmissbrauchs in Behandlung sind“, sagt Torsten Nowak, Landespressesprecher der Barmer in Schleswig-Holstein. Mit 5,7 Diagnosen je 10.000 Menschen steht Schleswig-Holstein an der Spitze der Flächenländer. Nur in den Stadtstaaten Bremen (17,1), Hamburg (13,0) und Berlin (7,5) ist Kokainmissbrauch häufiger.

Mythos Leistungsdroge: Kokainmissbrauch führt oft zu Depression

„Kokain als vermeintliche Leistungsdroge führt schnell in die Abhängigkeit. Für viele beginnt dann eine Abwärtsspirale für Körper und Psyche“, sagt Torsten Nowak. Die Auswertung zeige, dass 49,6 Prozent der Kokainmissbrauch-Diagnosen auch mit Depressionen einhergingen. Bei 41 Prozent der Abhängigen werde Alkoholmissbrauch diagnostiziert. Angst- und Zwangsstörungen traten bei 25,1 Prozent der Betroffenen auf. Die Droge könne psychische Erkrankungen auslösen und bestehende Probleme verschlimmern. Schnelle, professionelle Hilfe sei entscheidend, um der Sucht zu entkommen. „Betroffene, Angehörige und Freunde sollten sich Hilfe bei Fachambulanzen oder Suchberatungsstellen holen“, rät Nowak.

Jung, männlich, süchtig – Daten zeigen Risikogruppe

In Schleswig-Holstein tritt Kokainmissbrauch am häufigsten bei 30- bis 49-Jährigen auf. Die Diagnoserate liegt mit 13 je 10.000 um 62,5 Prozent über dem Bundesschnitt dieser Altersgruppe. Männer sind dreimal häufiger betroffen als Frauen. „Hoher Leistungsdruck kann dazu führen, dass man zur Droge greift. Doch dieser Weg führt oft zu psychischen und körperlichen Zusammenbrüchen“, warnt Nowak. Wer glaube, den Alltag nur mit Drogen bewältigen zu können, sollte sich unbedingt an eine Arztpraxis oder Beratungsstelle wenden.

Viele Betroffene in Gast- und Baugewerbe

Der Barmer Morbiditäts- und Sozialatlas zeigt, dass im schleswig-holsteinischen Gastgewerbe die Diagnose Kokainmissbrauch am häufigsten gestellt wird. Die Rate liegt mit 11,8 je Betroffenen je 10.000 Personen doppelt so hoch wie im schleswig-holsteinischen Durchschnitt. Auch im Baugewerbe, der Energie- und Wasserversorgung sowie in der Entsorgung sind die Raten mit 9,3 je 10.000 überdurchschnittlich hoch. In der Finanz-, Versicherungs- und Immobilienbranche liegt die Rate bei 6,5 je 10.000. „Im Berufsleben ist Kokain besonders schädlich. Es erhöht das Risiko für Fehler und Unfälle“, sagt Nowak. Die vermeintliche Leistungssteigerung sei eine Illusion. Wahrscheinlicher seien Gefahren für Betroffene und Dritte sowie der drohende Jobverlust.

Hintergrund und Hinweise:

Alle Ergebnisse sind im Morbiditäts- und Sozialatlas nachzulesen: Kokainmissbrauch in Deutschland | Morbiditäts- und Sozialatlas - bifg. Die Daten zeigen die Prävalenz, nicht die Inzidenz. „Kokainmissbrauch“ umfasst die ICD-10-Diagnosegruppe F140 bis F149. Die Daten wurden standardisiert/hochgerechnet basierend auf Angaben des Statistischen Bundesamtes und sind bevölkerungsrepräsentativ. Die Barmer versichert bundesweit rund 8,3 Millionen Menschen, etwa 350.000 davon in Schleswig-Holstein.

Kontakt für die Presse:

Torsten Nowak
Pressesprecher Barmer Schleswig-Holstein
Telefon: 0431 122 797 31   
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