Barmer-Arzneimittelreport: Grippeschutz bei über 60‑Jährigen unzureichend
Zentrale Ergebnisse der Barmer-Auswertung:
- 2023 ließen sich in Schleswig-Holstein nur 46,9 Prozent der über 60-Jährigen gegen Grippe impfen. Das liegt unter den Quoten von 2020 bis 2022 und weit unter dem WHO-Ziel von 75 Prozent.
- Mehr als die Hälfte der besonders gefährdeten Personen, wie Pflegebedürftige oder Herzinfarktpatienten, blieb ungeimpft.
- Die seit 2022 mögliche Impfung in Apotheken spielt kaum eine Rolle: Nur 0,5 Prozent der Grippeschutz-Impfungen fanden dort statt.
Kiel, 18. Februar 2026 – In Schleswig-Holstein bleibt die Grippeimpfquote hinter internationalen Zielen zurück, wie der aktuelle Barmer-Arzneimittelreport zeigt. Besonders alarmierend ist der unzureichende Schutz von Risikogruppen. Ältere und chronisch Kranke sind besonders gefährdet, ebenso wie Patienten in Pflegeeinrichtungen oder nach einem Herzinfarkt. Laut Barmer-Arzneimittelreport erhielten 2023 über die Hälfte dieser Versicherten keine Impfung. „Eine Grippeimpfung kann Leben retten. Bei Herzpatientinnen und -patienten verbessert sie nachweislich die Überlebenschancen. Dennoch werden wichtige Empfehlungen oft ignoriert“, sagt Dr. Anneke Riehl, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Schleswig-Holstein. „Internationale Fachgesellschaften empfehlen die Grippeimpfung inzwischen ausdrücklich als festen Bestandteil der Vorsorge für Herzpatienten. Doch dieses Wissen ist offenbar noch nicht überall im Alltag angekommen“, sagt Riehl. „Hausärztinnen und Hausärzte haben eine besondere Verantwortung, darüber aufzuklären.“
Impfung in Apotheken ohne großen Effekt
Obwohl Apotheken seit 2022 ebenfalls impfen dürfen, verbessert das die Gesamtquote bislang kaum. 99,5 Prozent der Impfungen erfolgen weiterhin in Arztpraxen. So attraktiv das Angebot der Grippeimpfung in der Apotheke für einzelne Versicherte sein möge, das Problem der dramatisch zu niedrigen Impfquoten löse es nicht, so Barmer-Chefin Riehl.
Pflegebedürftige oft ungeimpft
Der Barmer-Report zeigt, dass das WHO-Ziel von 75 Prozent auch bei Pflegebedürftigen ab 60 Jahren deutlich verfehlt wird. In stationären Pflegeeinrichtungen waren bundesweit zuletzt 48,9 Prozent geimpft, bei häuslich Pflegebedürftigen 45,6 Prozent. Erstaunlich: Pflegebedürftige ab 70 Jahren wurden seltener geimpft als gleichaltrige Nicht-Pflegebedürftige. Riehl: „Gerade bei Pflegebedürftigen müssen wir besser werden, um sie vor vermeidbaren Risiken zu schützen.“
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