Kiel, 8. Januar 2026 – Nach den Festtagen planen viele, abzunehmen. Doch die Barmer warnt vor einem gefährlichen Trend: Social-Media-Phänomene wie „Skinny Tok“ setzen vor allem junge Frauen unter Druck, extrem schlank zu sein. Auch wenn Abrechnungsdaten keinen direkten Zusammenhang zeigen, belegen aktuelle Barmer-Auswertungen einen massiven Anstieg von Essstörungen bei 12- bis 29-Jährigen. In Schleswig-Holstein stieg die Rate der betroffenen jungen Frauen in fünf Jahren um 33 Prozent. 2018 waren 120 von 10.000 jungen Frauen in Behandlung, 2023 bereits 160 von 10.000. „Junge Menschen stehen täglich unter dem Einfluss vermeintlicher Schönheitsideale in den sozialen Medien. Dieser Druck führt oft zu Essstörungen. Familien sollten auf Anzeichen achten und frühzeitig Hilfe suchen“, rät Torsten Nowak, Landespressesprecher der Barmer in Schleswig-Holstein.
Warnsignale umfassen:
- Rasche Gewichtsveränderungen,
- Häufige Gespräche über Kalorien, Diäten oder „Schlankheitsziele“,
- Vermeiden gemeinsamer Mahlzeiten oder heimliches Essen.
Flensburg am stärksten betroffen, Nordfriesland am geringsten
In Schleswig-Holstein sind Essstörungen bei jungen Frauen zwischen 12 und 29 Jahren am häufigsten in Flensburg, mit 237 von 10.000 Betroffenen. Es folgen Kiel (234 von 10.000) und Neumünster (213 von 10.000). Nordfriesland hat die niedrigste Rate mit 89 von 10.000. Auch im Kreis Herzogtum-Lauenburg (107 von 10.000) und im Kreis Pinneberg (112 von 10.000) sind die Werte vergleichsweise niedrig. Der bundesweite Schnitt liegt mit 140 von 10.000 elf Prozent unter dem von Schleswig-Holstein.
Arten von Essstörungen
Es gibt drei Hauptformen: Anorexia nervosa, bei der Betroffene absichtlich Gewicht verlieren und sich intensiv mit Essen beschäftigen. Die Erkrankung geht häufig mit einem erhöhten Aktivitätslevel bis hin zum Sportzwang einher; Bulimia nervosa, gekennzeichnet durch Essanfälle und kompensatorische Maßnahmen wie Erbrechen, Abführen oder intensive Sporteinheiten; und Binge-Eating-Störung, bei der Essanfälle nicht kompensiert werden, was oft zu Übergewicht führt.
Hintergrund
Im Sommer 2025 sperrte Tiktok den Hashtag #SkinnyTok und verweist inzwischen bei Körperwahrnehmungsstörungen auf Hilfsangebote. Doch Inhalte, die extremes Dünnsein idealisieren, bleiben unter neuen Namen präsent. Kritische Berichterstattung und zielgruppengerechte Informationen können helfen, unrealistische Körperbilder zu hinterfragen.
Die Barmer bietet mit „Durchblickt! “ ein Präventionsprogramm für Lehrkräfte, Eltern sowie Schülerinnen und Schülern, um digitale Kompetenz zu stärken und Gesundheitsinformationen besser bewerten und nutzen zu können: www.durch-blickt.de.
Die Sarah Wiener Stiftung und die Barmer haben die Plattform Familienküche ins Leben gerufen, die zeigt, wie Eltern ihre Kinder in den Essalltag einbinden und gemeinsam gesunde Mahlzeiten zubereiten können.
Quelle und Methode:
Alle Ergebnisse können hier nachvollzogen werden: https://www.bifg.de/atlas/essstoerungen
Es wurde die Gesamtzahl der Krankheitsfälle in der Bevölkerung in den beschriebenen Zeiträumen dargestellt (Prävalenz). Es handelt sich bei den Angaben nicht um Neuerkrankungsraten (Inzidenz). Alle Daten wurden standardisiert/hochgerechnet basierend auf Angaben des Statistischen Bundesamtes zur Bevölkerung in Bundesländern nach Geschlecht und Altersgruppen im jeweiligen Jahr. Die Daten erhalten deshalb Bevölkerungsrepräsentativität. Die Barmer versichert bundesweit rund 8,4 Millionen Menschen, etwa 350.000 davon in Schleswig-Holstein.