Pressemitteilungen 2022

Kostenexplosion bei den Eigenanteilen im Altenheim – Schleswig-Holstein besonders betroffen

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Kiel, 24. Juni 2022 – Ab dem 1. September 2022 müssen Mitarbeiterinnen und Mittarbeiter in der Pflege nach Tarif bezahlt werden. Das ist die Voraussetzung dafür, dass die Pflegekassen einen Versorgungsvertrag mit stationären Pflegeeinrichtungen schließen können. In Einrichtungen, die ihr Pflegepersonal bislang nicht nach Tarif bezahlt haben, wird es zu teils horrenden Steigerungen des Eigenanteils kommen, den die zu Pflegenden zu tragen haben. Die Auswirkungen werden insbesondere in Schleswig-Holstein massiv zu spüren sein, da hier vergleichsweise wenig Einrichtungen tarifgebunden sind bzw. keine Anlehnung an Tarifwerke haben. „Wir werden Steigerungen bei den Eigenanteilen in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen von 30 Prozent und mehr erleben. In Extremfällen kann die Steigerung bis zu 100 Prozent betragen“, sagt Dr. Bernd Hillebrandt, Landesgeschäftsführer der Barmer in Schleswig-Holstein. 

Regional übliches Entgeltniveau in Schleswig-Holstein besonders hoch

Bislang seien in Schleswig-Holstein die Eigenanteile in der Pflege gegenüber dem Bundesvergleich unterdurchschnittlich gewesen. Die Angleichung an die Tariflöhne werde bundesweit die gleichen Auswirkungen auf die Eigenanteile haben. Schleswig-Holstein sei allerdings besonders betroffen, weil es hierzulande trotz einer bislang geringen Tarifdichte deutschlandweit das höchste regionale Entgeltniveau gebe. Das liege daran, dass es in Schleswig-Holstein in den tarifgebundenen Pflegeeinrichtungen wenig Fluktuation gebe und dadurch das Personal aufgrund seiner langjährigen Zugehörigkeit auch in höheren Entgeltgruppen eingruppiert sei. Aus dem Mittelwert dieser relativ hohen Stundenlöhne ergebe sich das sogenannte regional übliche Entgeltniveau, welches die Einrichtungen zukünftig mindestens zahlen müssten. „Aufgrund der neuen Berechnung kommt es in Schleswig-Holstein zu der absurden Situation, dass nichttarifgebundene Einrichtungen höhere Stundenlöhne zahlen müssten als tarifgebundene Einrichtungen“, sagt Hillebrandt. Es sei damit zu rechnen, dass der Anteil der Bewohner, die auf Sozialhilfe angewiesen seien, deutlich steigen werde. „Die Politik ist gefordert, hier entgegenzuwirken, beispielsweise mit der Übernahme der Investitionskosten vom Land. Damit wären im Übrigen alle Pflegeheimbewohner entlastet“, so Hillebrandt.

Kontakt für die Presse:

Torsten Nowak
Pressesprecher Barmer Schleswig-Holstein
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