Digitale Prävention in Pflegeeinrichtungen – BARMER weitet Projekt der therapeutischen Videospiele aus

Kiel, 21. November 2018 – Unter der Schirmherrschaft von Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg fand heute im DOMICIL-Seniorenpflegeheim Kirchhofallee in Kiel der Auftakt eines Präventionsprojektes für stationäre Pflegeeinrichtungen statt. Der Titel „Digitale Prävention in Pflegeeinrichtungen durch therapeutisch-computerbasierte Trainingsprogramme“ des von der Barmer geförderten Projektes steht für gesundheitsförderliche Videospiele mit der MemoreBox. Die Spiele werden über Körperbewegungen, die von einer Spezialkamera aufgenommen werden, lebensnah gesteuert. So kann im Stehen oder Sitzen, zum Beispiel auch im Rollstuhl, gespielt werden. Zielsetzung ist, die körperlichen und geistigen Fähigkeiten von Seniorinnen und Senioren zu fördern, die gesundheitsförderlichen Rahmenbedingungen der Pflegeeinrichtungen zu stärken und die Lebensqualität für pflegebedürftige Menschen zu verbessern.

Positive Ergebnisse der ersten Modellphase

Im Rahmen eines zweijährigen Modellvorhabens hat die Barmer den praxisnahen Einsatz der MemoreBox in ersten Berliner und Hamburger Pflegeeinrichtungen erprobt und einer wissenschaftlichen Begleitung unterzogen. „Die Untersuchung zeigte, dass die Spiele eine präventive und gesundheitsförderliche Wirksamkeit erzielen konnten. Die Stand- und Gangsicherheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurde gestärkt, Motorik-, Ausdauer und Koordinationsfähigkeiten verbesserten sich und durch die gemeinsamen Aktivitäten konnten die sozialen Bindungen und die Kommunikation untereinander gestärkt werden. Nicht zuletzt hat es allen natürlich auch viel Spaß gemacht“, erläutert Dr. Bernd Hillebrandt, Landesgeschäftsführer der Barmer für Schleswig-Holstein.
Videospiele in Alten- und Pflegeheimen seien dabei kein Widerspruch. „Menschen haben einen natürlichen Spieltrieb, in jedem Alter. Eine gute Voraussetzung auch für digitale Projekte“, so Hillebrandt.

Ausbau des Projektes

Die guten Ergebnisse aus der ersten Modellphase waren für die Barmer daher auch Anlass, die digitalen Gesundheitstrainings für Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeeinrichtungen in allen Bundesländern einzusetzen. Nach dem Auftakt in Hamburg und Schleswig-Holstein werden sich bundesweit in den nächsten Monaten 100 ausgewählte Pflegeinrichtungen, darunter fünf aus Schleswig-Holstein, an der zweiten Projektphase beteiligen. „Neu sind dabei genderrelevante Aspekte, Fragen und Spiele. Damit greifen wir aktiv eine Empfehlung der Nationalen Präventionskonferenz auf“, sagt Hillebrandt. Darin heiße es, dass bei der Planung und Erbringung von Präventions- und Gesundheitsförderungsleistungen auch geschlechterbezogene Aspekte zu berücksichtigen sind.

Schirmherr ist Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister

Dr. Heiner Garg, Minister für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren des Landes Schleswig-Holstein, hat die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen. „Die therapeutisch-computerbasierten Trainingsprogramme der MemoreBox sind ein Angebot aus dem Bereich der digitalen Präventionsarbeit, das zur Gesundheitsförderung beitragen kann und von Seniorinnen und Senioren gut angenommen wird. Es ist ein kleiner, aber wichtiger Baustein, Erfahrungen mit digitalen Einsatzmöglichkeiten in Pflegeeinrichtungen zu ermöglichen. Ein Ansatz, den ich begrüße“, unterstreicht der Minister die Bedeutung des Projektes und von Maßnahmen zur Gesundheitsförderung von pflegebedürftigen Seniorinnen und Senioren insgesamt.
Frank Paul Hartje, Vorstandsassistent der DOMICIL-Seniorenresidenzen in Hamburg ergänzt: „Die fortschreitende Digitalisierung wird auch in der Pflege künftig einen nicht zu unterschätzenden Stellenwert einnehmen – jedoch immer nur unterstützend. Der menschliche Part der Zuwendung und Ansprache wird und muss immer im Vordergrund stehen. Dies gilt auch bei unseren vielfältigen Aktivitäten zur Stärkung der gesundheitsförderlichen Ressourcen unserer Bewohnerinnen und Bewohner. Insofern beteiligen wir uns gern daran, die positiven gesundheitsförderlichen Einflüsse durch die Unterstützung der MemoreBox zu validieren.“

Wissenschaftliche Entwicklung und Begleitung

Die MemoreBox wurde vom Hamburger Digital Health StartUp RetroBrain R&D entwickelt. „Seniorinnen und Senioren in die Lage zu versetzen, gemeinsam Spaß zu haben, und sich dabei ‘ganz nebenbei‘ gesund zu halten, war der Gründungsimpuls von RetroBrain. Dafür haben wir modernste Technologie mit praktischem Erfahrungswissen und dem Stand der Forschung aller relevanten Disziplinen verbunden”, sagt Manouchehr Shamsrizi, Gründer und Mitglied des Beirats der RetroBrain R&D GmbH. Die Humboldt-Universität zu Berlin, die seit 2016 die präventiven und gesundheitlichen Aspekte des Videospielens mit der Spielekonsole MemoreBox für Seniorinnen und Senioren in Berlin und Hamburg auswertet, wird auch das bundesweite Präventionsangebot der zweiten Phase wissenschaftlich begleiten. „Mit dem Ausbau des Projektes möchten wir dieses innovative Angebot im Pflegealltag weiter testen, um die Lebensqualität aller Beteiligten gesundheitsförderlich zu gestalten“, so der Barmer-Landeschef abschließend.

Webcode dieser Seite: p010569 Autor: Barmer Erstellt am: 21.11.2018 Letzte Aktualisierung am: 21.11.2018
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