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BARMER-Pflegereport 2025: Ursachen für steigende Pflegebedürftigkeit und Chancen für die Pflegebranche

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Die Zahl der Pflegebedürftigen in Sachsen ist seit 2017 stark gestiegen, wobei nur ein kleiner Teil auf die Demografie zurückzuführen ist und der größte Anteil ist durch den erweiterten Pflegebedürftigkeitsbegriff entstanden. Die Pflegebranche gewinnt  im Freistaat trotz rückläufiger Erwerbstätigenzahlen an Bedeutung und schafft tausende neue Arbeitsplätze. Gleichzeitig verändert sich der Pflegeberuf wie kaum ein anderer. 

Kurz und knapp 

  • Anzahl der Pflegebedürftigen in Sachsen seit 2017 von 183.300 auf 341.500 gestiegen
  • Nur 15 Prozent des Anstiegs demografisch erklärbar, Haupttreiber: Ausweitung des Pflegebedürftigkeitsbegriff
  • Berufsbranche Pflege wächst entgegen sinkender Beschäftigung im Freistaat insgesamt rund 6.000 neue Stellen im Gesundheits- und Sozialwesen in Sachsen (2025)
  • Kompetenzerweiterung für qualifizierte Pflegefachpersonen sowie Finanzierung der Pflegeausbildung durch den Freistaat ein ‚Muss‘
  • Dr. Claudia Beutmann, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Sachsen, fordert: „Pflege sollte so attraktiv werden, dass junge Menschen sie als sinnstiftenden Beruf wählen und erfahrene Fachkräfte in ihren Beruf zurückkehren. Dazu brauchen wir gute Arbeits-, Aus- und Weiterbildungsbedingungen sowie eine rasche Integration internationaler Pflegekräfte. All das darf jedoch nicht auf Kosten der Pflegebedürftigen geschehen.“

 

Dresden, 11.03.2026 – Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland ist seit 2017 massiv gestiegen, auch in Sachsen. Während bundesweit die Zahl der Betroffenen von 3,2 auf 5,7 Millionen wuchs, verzeichnete Sachsen einen Anstieg von rund 183.300 auf 341.500 Pflegebedürftige. Die Analyse der BARMER zeigt: Nur etwa 15 Prozent des Zuwachses lassen sich durch die alternde Bevölkerung (Demografie) erklären. Den weitaus größeren Anteil verursachten Reformen wie der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff, der vor allem Menschen mit Demenz erstmals gleichberechtigt berücksichtigt.
Gleichzeitig zeigt die Pflegebranche im Freistaat eine ungewöhnliche Stabilität. Trotz sinkender Erwerbstätigenzahlen im Land entstanden nach Berechnungen des Statistischen Landesamtes 2025 allein im Gesundheits- und Sozialwesen rund 6.000 neue Stellen – ein Gegenbild zu den Einbrüchen in Industrie, Bau und Dienstleistung. 

Neue gesetzliche Regelungen, etwa das Pflegekompetenzgesetz oder die ab 2027 startende bundeseinheitliche Pflegefachassistenzausbildung, erhöhen zusätzlich die Attraktivität des Berufs. Kritisch bleibt jedoch die Finanzierung der Pflegeausbildung. Pflegebedürftige in Pflegeheimen beispielsweise müssen in Sachsen derzeit bis zu 136 Euro monatlich über ihre Eigenanteile dafür aufbringen. Die BARMER fordert ein Ende dieser Belastung. Ausbildung sei öffentliche Daseinsvorsorge – und damit Aufgabe von Bund und Ländern, nicht der Pflegebedürftigen und Beitragszahlenden.

Pflegeberufe: zukunftssicher, krisenfest - werden zunehmend attraktiver 

Reformen der vergangenen Jahre haben das Berufsbild der Pflege spürbar modernisiert. Die generalistische Pflegeausbildung und das Tariftreuegesetz sorgen seit 2020 für mehr Ausbildungsqualität und bessere Bezahlung. Mit dem Pflegekompetenzgesetz dürfen Pflegefachkräfte seit diesem Jahr erstmals bestimmte heilkundliche Leistungen eigenständig übernehmen. Ab 2027 bringt die bundesweit einheitliche Pflegefachassistenzausbildung klare Standards und damit mehr Flexibilität, bessere Durchlässigkeit im System und auch für diese Berufsgruppe eine attraktive Vergütung. 

Steffi Grimm, Schulleiterin der BIP Chemnitz, Berufsfachschule für Pflegeberufe und Sozialwesen, beobachtet deutliche Fortschritte: „Die generalistische Ausbildung ist organisatorisch anspruchsvoll, aber sie macht die Auszubildenden sicherer und flexibler im Umgang mit komplexen Situationen.“

Auch Alexander Blank, mehr als 20 Jahre arbeitete er als Pflegehelfer – bis neue, flexible Bildungswege ihm den Aufstieg ermöglichten. Er nutzt die neuen Möglichkeiten – von der verkürzten Krankenpflegehelfer-Ausbildung direkt in die ebenfalls verkürzte generalistische Ausbildung. Für ihn war der Schritt konsequent: „Nach 23 Jahren als Pflegehelfer habe ich mich für die generalistische Pflegeausbildung entschieden, weil mir die Arbeit mit Menschen wichtig ist. Ich möchte mich weiterentwickeln und mehr Verantwortung übernehmen.“ Sein Beispiel zeigt, wie modernisierte Strukturen berufliche Aufstiege ermöglichen und erfahrene Kräfte im System halten.

Doch aus Sicht der Krankenkasse braucht der Beruf weiterhin Rückenwind. „Ein 15-Jähriger sollte den Pflegeberuf selbstbewusst als Traumberuf nennen können“, betont Dr. Claudia Beutmann, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Sachsen. Neben angemessener Bezahlung, verbesserten Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen seien auch das Halten und die Rückgewinnung ausgebildeter Pflegekräfte sowie eine gute Integration internationaler Fachkräfte zentral. Ergänzend setze die Kasse auf Prävention, betriebliche Gesundheitsförderung und digitale Entlastungen.

Kontakt für die Presse:

Claudia Szymula
Pressesprecherin Barmer Sachsen
Telefon: 0800 333 004 152231
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