STANDORTinfo für Sachsen-Anhalt

Prävention: ÖGD stärken, Gesundheitsziele weiterentwickeln

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Deutschland hat die zweithöchsten Gesundheitsausgaben aller europäischen Länder. Gleichzeitig ist die Lebenserwartung der deutschen Bevölkerung nur EU-Mittelmaß. Mit Blick auf den Vergleich der Bundesländer wird deutlich: Die Männer in Sachsen-Anhalt sterben gut zwei Jahre früher als im Bundesdurchschnitt. Damit hat Sachsen-Anhalt auf diesem Feld bei den Männern die rote Laterne inne. Bei den Frauen liegt Sachsen-Anhalt mit 82,6 Jahren auf dem drittletzten Platz. Nur im Saarland und in Bremen sterben die Frauen früher. Der Bereich Prävention ist für die Verbesserung dieser Werte deshalb ein entscheidender. Wesentliche Gründe für das frühere Sterben vieler Menschen in Sachsen-Anhalt sind auf klassische Themen der Prävention zurückzuführen: Schlechte Ernährung, mangelnde Gesundheitsvorsorge, zu wenig Bewegung und daraus resultierende Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die folgenden Aspekte stehen beispielhaft für die vielfältigen Lebensbereiche, in denen Prävention verstärkt etabliert werden muss. Neben den im folgenden aufgeführten Punkten, müssen die vulnerablen Personengruppen immer mitgedacht werden.

Impfen

Die Impfquoten könnten deutlich besser sein. Der Barmer-Arzneimittelreport 2019 belegt, dass bei Sachsen-Anhalts Kindern im einschulungsfähigen Alter nur bei sieben (Tetanus, Diphterie, Pertussis, Meningokokken, Masern, Mumps, Röteln) der 13 wichtigsten Infektionskrankheiten eine Durchimpfungsrate von mehr als 90 Prozent im Jahr 2017 erreicht wurde. Dabei wäre für eine ausreichende „Herdenimmunität“, die auch ungeimpften Personen wie chronisch Kranken Schutz bietet, eine Immunisierungsrate von mindestens 95 Prozent erforderlich. Deshalb ist es richtig, schon bei den Kleinsten anzusetzen. Angebotene Impfungen für Kinder in Schulen durch die Gesundheitsämter und die Schulärzte sind ein sinnvolles Instrument, um den Impfschutz in der Bevölkerung zu verbessern. Darüber hinaus sind auch in Betrieben angebotene Impfungen durch Betriebsärzte ein sinnvolles Instrument zur Förderung von höheren Impfquoten. Das ist durch das Präventionsschutzgesetz bereits jetzt möglich. Um dies auch abrechnungstechnisch zu ermöglichen, unterstützt die Barmer die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin, die als Dienstleister Betriebsärzte entlasten und ihre Leistungen mit den Kassen abrechnen.
Das Thema Impfen ist in Sachsen-Anhalt zurecht ein Gesundheitsziel, das politische Unterstützung verdient und wieder stärker auf die Tagesordnung gesetzt werden sollte.

Präventionsangebote für Kinder

Wir setzen uns für eine flächendeckende Etablierung der Projekte „Ich kann kochen“ und Papilio ein. Damit gesundes Kochen in den Bildungseinrichtungen des Landes gelebt werden kann, sollten Kitas, Schulen und Horte und andere Bildungseinrichtungen für die Jüngsten die infrastrukturellen Voraussetzungen haben, das heißt eine Küche, in denen Kinder mit kochen können. Seit dem Start der Initiative im Jahr 2016 hat „Ich kann kochen!“ in Sachsen-Anhalt bereits mehr als 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus mehr als 400 Kitas, Schulen und Horten erreicht. Die hohe Nachfrage der Einrichtungen belegt die Relevanz dieses Engagements. Mit Hilfe des Sozialministeriums könnte das Programm der Sarah Wiener Stiftung und der Barmer noch bekannter gemacht werden. Das Programm MindMatters fördert die psychische Gesundheit an Schulen. Auch hier stehen wir als Partner zur Verfügung und setzen auf die Unterstützung von Politik und Verwaltung.

Gesundheitsziele anpassen

Die Gesundheitsziele des Landes sind in der neuen Legislaturperiode zu novellieren. Der strategische Ansatz von Gesundheitszielen ist grundsätzlich richtig und zu begrüßen. Allerdings ist auch klar, dass die hiesigen Ziele zwischenzeitlich in die Jahre gekommen sind. Wichtig wäre außerdem, die stetige Entwicklung und Überprüfung gesundheitspolitischer Maßnahmen, die sich an den novellierten Gesundheitszielen orientieren.

Rolle des öffentlichen Gesundheitsdienstes

Die Bedeutung der Gesundheitsämter und anderer Behörden des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) wurde lange unterschätzt. Sparmaßnahmen in den Kommunen trafen häufig die Personalkörper der Gesundheitsämter. Auch die technische Ausstattung ist nicht immer angemessen. Das wurde durch den Bund in der Krise erkannt, finanzielle Mittel wurden bereitgestellt. Für die nächsten Jahre muss aber klar sein: Der Öffentliche Gesundheitsdienst muss durch das Land und die Kommunen besser aufgestellt werden. Wenn dem Thema Gesundheit politische Priorität eingeräumt wird, muss auch der ÖGD davon partizipieren. Von einer Stärkung des ÖGD würde die Prävention maßgeblich profitieren.

Männergesundheit

Männer in Sachsen-Anhalt leben leider nicht immer gesund. Sie leben kürzer als Frauen und vor allem kürzer als Männer in allen anderen Bundesländern. Sie nehmen zu selten Vorsorgeuntersuchungen wahr, ernähren sich häufig schlecht und bewegen sich zu wenig. Aus diesen Gründen muss zukünftig in der gesundheitlichen Aufklärung und Prävention ein Schwerpunkt auf dem Thema Männergesundheit in Sachsen-Anhalt liegen. Die Barmer kann dafür als Partner für Prävention im Land mit an Bord sein.

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