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Wie Mobile Retter die Rettungskette schneller machen

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Mehr als 50.000 Menschen in Deutschland erleiden jedes Jahr einen Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb eines Krankenhauses. Dann zählt jede Sekunde. Doch nach der Wahl des Notrufs dauert es oft zu lange, bis Wiederbelebungsmaßnahmen eingeleitet werden. Hier setzt das Konzept der Mobilen Retter an, für das sich die Barmer in Sachsen-Anhalt stark macht. Vergangene Woche haben sich Akteure aus Politik und Gesundheitswesen auf Einladung der Krankenkasse digital dazu ausgetauscht.

„Sachsen-Anhalt ist ein Flächenland. Und dass es da in verschiedenen Landesteilen manchmal schwierig ist, die gesetzlichen Rettungsfristen einzuhalten, ist hinlänglich bekannt“, sagte Axel Wiedemann, Landesgeschäftsführer der Barmer in Sachsen-Anhalt. „Uns treibt als Krankenkasse die Frage um: Wie kann man rechtzeitig Menschen in einem akuten Zustand helfen und das vielleicht sogar schneller als in den vorgegebenen Fristen?“ Hier gebe es gute Konzepte, die den Rettungsdienst ergänzen könnten, sagte Wiedemann mit Verweis auf den Mobile Retter e.V.

In Deutschland treffen Notarzt oder Rettungsdienst durchschnittlich nach neun Minuten am Einsatzort ein. Um den Betroffenen schneller zu helfen, setzt der Mobile Retter e.V. auf medizinisch qualifizierte Ersthelfer, die sich zufällig gerade in der Nähe des Einsatzortes befinden: Rettungsdienstpersonal, Notärzte, Ärzte, Feuerwehrkräfte, Mitarbeiter des THW und der DLRG, Krankenpfleger, Medizin-Studenten oder Arzthelferinnen. Sie werden von der Leitstelle nach Wahl des Notrufs 112 durch die GPS-Komponente ihrer Smartphones geortet und automatisch per App parallel zum Rettungsdienst alarmiert. „Sie sollen den Rettungsdienst nicht ersetzen, sondern ergänzen, da sie allein durch die örtliche Nähe oft schneller am Einsatzort sein können als der Rettungsdienst. Wir helfen dem Zufall auf die Sprünge“, erklärte Stefan Prasse, Geschäftsführer des Vereins Mobile Retter. „Unsere durchschnittliche Eintreffzeit liegt bei viereinhalb Minuten – die Ersthelfer können damit viel schneller mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen als der Rettungsdienst. Die Rettungskette wird somit gestärkt, ohne dass eine Änderung an der bisherigen etablierten Struktur des Rettungsdienstes vorgenommen wird.“

Inzwischen sind bereits 30 Gebietskörperschaften in Deutschland an dem Projekt beteiligt, vor allem in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Prasse wünscht sich, dass künftig auch in Sachsen-Anhalt flächendeckend auf die Mobilen Retter gesetzt wird. Sein Verein unterstützt die Landkreise und kreisfreien Städte bei der Implementierung des Systems sowie der Organisation und Bindung der Ersthelfer. „Es ist wichtig, dass die verschiedenen Akteure – Landkreis, Leitstelle, Feuerwehr, Hilfsorganisationen – hier zusammenarbeiten“, so Prasse.

Die Leitstelle in Osnabrück setzt bereits seit 2017 auf das Konzept der Mobilen Retter. „Wir sind sehr zufrieden. Der Aufwand ist gering, das System kommt bei den Menschen an“, sagte Amin Schnieder vom Fachdienst Ordnung-Rettungsdienst Osnabrück. „Am Anfang gab es auch Kritiker, die gesagt haben, wir haben doch schon einen guten Notruf, auch unsere Feuerwehren waren bereits sehr aktiv. Aber inzwischen gibt es keine kritischen Stimmen mehr. Jeder findet es gut, dass die Rettungskette ergänzt wird.“ Schnieder berichtete auch aus der Praxis. „Ein Sanitäter hat auf der Baustelle seines Hauses gearbeitet und ist dort durch die Leitstelle als Mobiler Retter aktiviert worden. Der Einsatz war direkt nebenan: Ein Patient hatte sich verschluckt, daraufhin hatte Kammerflimmern eingesetzt. Er war in weniger als einer Minute da, der Rettungsdienst traf nach elf Minuten ein und hat dann übernommen. Aber dem Patienten konnte durch den Mobilen Retter sofort geholfen werden, es geht ihm heute sehr gut. Dieses Beispiel zeigt, was es bringt“, berichtete Schnieder.

Die Barmer Landesvertretung Sachsen-Anhalt steht Kommunen und Hilfsorganisationen gerne als Ansprechpartner zur Verfügung, um das Modell der Mobilen Retter zu implementieren. Melden Sie sich gerne bei:

Carlo Reifgerste
Referent für Gesundheitspolitik
Telefon 0391 56 93 83 30  

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