Pressemitteilungen aus Sachsen-Anhalt

Krankenhausreport: Komplexe Operationen öfter in erfahrenen Kliniken machen

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Magdeburg, 1. Februar – Die Diagnose Krebs trifft die meisten Menschen völlig unvorbereitet. Ist die Krebsdiagnose da, folgt die Suche nach der geeigneten Therapie und einem Krankenhaus. Dabei empfiehlt die Barmer den Betroffenen, genau hinzuschauen und zu vergleichen. Denn der aktuelle Krankenhausreport der Barmer belegt, dass Kliniken mit hohen Fallzahlen mehr Qualität und Sicherheit für an Krebs erkrankte Patientinnen und Patienten bieten. Die Komplikationsraten und die Zahl der Todesfälle nach Operationen sind in Kliniken, die über viel Erfahrung bei den jeweiligen Eingriffen verfügen, deutlich geringer. „Bei Operationen muss jedem klar sein: Umso mehr Erfahrung das Krankenhaus damit hat, desto mehr Sicherheit besteht für die Patientinnen und Patienten“, sagt Axel Wiedemann, Landesgeschäftsführer der Barmer in Sachsen-Anhalt.

Jedes Jahr sterben 3.000 Sachsen-Anhalter nach OP im Krankenhaus

Jedes Jahr sterben in Sachsen-Anhalt rund 3.000 Menschen nach einer Operation im Krankenhaus – deutschlandweit sind es rund 100.000 Personen. Viele dieser Todesfälle wären durch eine Operation in einer Klinik mit mehr Erfahrung vermeidbar, wie der Krankenhausreport der Barmer belegt. Wäre die Fallzahl beispielsweise bei örtlichen Entfernungen von Darmkrebs-Tumoren doppelt so hoch, sinkt die 30-Tage-Sterblichkeit im Mittel von 4,4 auf 3,6 Prozent. Bei Pankreas-OPs sinkt die 30-Tage-Sterblichkeit von 10,3 auf 8,4 Prozent. Zudem verringern sich die Raten an Komplikationen erheblich. „Allein bei Eingriffen wie bei Pankreas- und Darmkrebs können in zehn Jahren bundesweit knapp 3.800 Todesfälle verhindert werden, wenn diese Operationen in Krankenhäusern mit doppelt so hoher Fallzahl durchgeführt würden. Trotzdem erfolgen immer noch viele Eingriffe in vergleichsweise unerfahrenen Häusern“, so Wiedemann.

Viele Krankenhäuser erreichen Mindestmenge nur gerade so

Der Gesetzgeber hat für komplizierte Eingriffe Mindestmengen festgesetzt – Krankenhäuser müssen in Deutschland beispielsweise mindestens zehn Pankreas-Operationen pro Jahr durchführen, um die Leistung erbringen und mit den Kassen abrechnen zu können. Tatsächlich haben einige Krankenhäuser in Sachsen-Anhalt die Mindestmenge bei Pankreas-OPs zuletzt verfehlt, dazu bewegen sich sehr viele Kliniken gerade so über der gesetzlichen Mindestmenge. „Medizinische Leistungen sollten stets da in Anspruch genommen werden, wo sie erwartbar am sichersten sind. Um bessere Qualität bei planbaren Operationen zu erzielen, lohnt sich ein etwas längerer Anfahrtsweg. Als Krankenkasse können wir daher nur raten, bei komplizierten planbaren Eingriffen ein Krankenhaus mit hohen Fallzahlen und Spezialistenteams zu bevorzugen. Die unmittelbare Wohnortnähe sollte dagegen nicht das ausschlaggebende Auswahlkriterium sein. Die große Mehrheit der Bevölkerung in Sachsen-Anhalt erreicht ein Krankenhaus mit einer hohen Fallzahl innerhalb von 60 Minuten“, sagt Wiedemann. Hohe Fallzahlen bei Pankreas-OPs erzielen beispielsweise das Uniklinikum Halle (55 in 2018), das Städtische Klinikum Magdeburg (31) und das Uniklinikum Magdeburg (70). „Hier ist eine stärkere Zentralisierung und Schwerpunktbildung von Leistungen geboten. Wir brauchen in Sachsen-Anhalt einen Masterplan Krankenhaus für mehr Wettbewerb um Qualität“, so Wiedemann.

Individueller Therapieplan von Spezialisten des Uniklinikums Magdeburg

Prof.  Dr.  Dr. Roland S. Croner, Direktor der Universitätsklinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie, sieht das ähnlich. „Die Behandlungsqualität hängt bei solch komplexen Eingriffen immer auch vom Operateur ab. Deshalb sind unsere Experten bei jedem Eingriff dabei, operieren selbst oder leiten jüngere Ärzte an“, sagt Croner. Dadurch sei immer eine gleichbleibende hohe Qualität der Eingriffe gesichert. Gerade nach Pankreas- und Darmkrebsoperationen könne es zu lebensgefährlichen Komplikationen kommen. „Als zertifiziertes Zentrum der Deutschen Krebsgesellschaft halten wir 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr unsere Expertise vor, um im Ernstfall sofort reagieren zu können. Das unterscheidet uns von kleineren Krankenhäusern“, so Croner. Der Universitätsklinik ist es wichtig, dass dabei immer das Patientenwohl an oberster Stelle steht. „An unserer Klinik erstellen wir mit einem interdisziplinären Team für jeden Patienten einen individuellen Therapieplan und wägen verschiedene Behandlungs- und Operationsmethoden ab. Deshalb ist eine Konzentration von planbaren, komplexen Eingriffen an spezialisierten Kliniken absolut sinnvoll“, sagt Croner. 

Vergleichsportale / Kliniksuche online

Bei der Suche nach einem bestimmten Krankenhaus helfen die nachstehenden Internet-Suchmaschinen, die von den Verbänden der Kranken- und Pflegekassen auf Bundesebene bzw. einzelnen Krankenkassen entwickelt wurden.

Weitere Informationen zu den bundesweiten Auswertungen des Barmer Krankenhausreportes: www.barmer.de/p007974

Kontakt für die Presse:

Annemarie Söder
Pressesprecherin Barmer Sachsen-Anhalt
Telefon: 0391 56938340
E-Mailpresse.st@barmer.de
Twitter: twitter.com/BARMER_ST

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