Barmer-Krankenhausreport: Mehr Krankenhausfälle von Menschen mit Demenz
- Laut Barmer-Krankenhausreport wird die Zahl der Krankenhausfälle von Menschen mit Demenz in Sachsen-Anhalt von 31.500 im Jahr 2023 auf 36.400 im Jahr 2040 anwachsen.
- Rund 53 Prozent der an Demenz erkrankten Patientinnen und Patienten im Krankenhaus werden wegen einer akuten Erkrankung wie zum Beispiel einem Sturz behandelt.
- Bei elf Prozent aller Krankenhausfälle von Menschen mit Demenz kommt es zu einem Delir.
- Barmer-Landesgeschäftsführerin in Sachsen-Anhalt Birgit Dziuk: „Krankenhausaufenthalte von Menschen mit Demenz müssen möglichst vermieden werden. Gleichzeitig sind in Kliniken spezialisierte Demenzkonzepte notwendig, die eine fachlich fundierte und menschlich zugewandte Betreuung sicherstellen.“
Magdeburg, 18. Februar 2026 – In Sachsen-Anhalt leben immer mehr Menschen mit der Diagnose Demenz. Das geht aus dem aktuellen Barmer-Krankenhausreport hervor. Demnach wird die Zahl der Betroffenen von rund 56.000 im Jahr 2023 auf etwa 63.600 im Jahr 2040 steigen. Zudem wird die Zahl der Krankenhausfälle von Menschen mit einer Demenz von 31.500 auf 36.400 im Jahr 2040 anwachsen. „Für die Betroffenen ist ein Klinikaufenthalt besonders belastend. Das liegt nicht nur an dem ungewohnten Umfeld, in dem sie sich befinden, sondern auch an dem Wechsel der pflegerischen und ärztlichen Versorgung. Deshalb müssen wir Demenz rechtzeitig erkennen und Krankenhausaufenthalte von Menschen mit Demenz möglichst vermeiden“, sagt Birgit Dziuk, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Sachsen-Anhalt.
Menschen mit Demenz verstärkt wegen akuter Erkrankung in Klinik
Wie aus dem Krankenhausreport weiter hervorgeht, war im Jahr 2023 bei rund 53 Prozent der Krankenhausfälle von Menschen mit Demenz ein akuter Notfall, wie zum Beispiel ein Sturz, Anlass der Behandlung. Unter allen Krankenhauspatienten über 65 Jahren lag dieser Anteil mit 36 Prozent deutlich darunter. „Im Bereich der akuten Notfälle von Patientinnen und Patienten mit einer Demenz liegt ein hohes Präventionspotential. Mit einer konsequenten Förderung der Mobilität und gezielter Sturzprävention lassen sich Risiken für verletzungsbedingte Klinikaufenthalte deutlich senken“, so Dziuk. Zum anderen könne der verstärkte Einsatz telemedizinischer Monitoring-Systeme helfen, Verschlechterungen des Gesundheitszustands frühzeitig zu erkennen und entsprechend entgegenzuwirken.
Elf Prozent der Patienten mit Demenz erleiden Delir im Krankenhaus
Laut Barmer-Krankenhausreport ist die Behandlung von Patienten mit Demenz besonders herausfordernd. Dazu gehört auch das Erkennen eines akuten Verwirrtheitszustands, also eines Delirs. Dieser wird oft übersehen oder für eine „normale“ Verhaltensauffälligkeit bei Demenz gehalten. Dabei handelt es sich um eine eigenständige, potenziell lebensgefährliche Komplikation. Bei drei Prozent aller Krankenhausfälle von Patienten über 65 Jahren kommt es zu einem Delir. Bei Demenzpatienten steigt dieses Risiko auf elf Prozent. „Es braucht spezielle Demenzkonzepte für Kliniken, die die fachliche und menschliche Begleitung Betroffener besonders berücksichtigen. In einem ersten Schritt bedarf es dafür einer einheitlichen und evidenzbasierten Definition von Mindeststandards“, so Dziuk. Zur Prävention eines Delirs gehörten etwa der Einsatz von Uhr und Kalender im Patientenzimmer oder das Einbinden der Familienangehörigen mit flexiblen Besuchszeiten. Auch die begleitende Aufnahme Angehöriger während des Krankenhausaufenthaltes sei als Kassenleistung möglich.
Demenzstrategie Sachsen-Anhalt als Basis
Das Land Sachsen-Anhalt hat bereits eine umfassende Demenzstrategie erarbeitet. Darin wird Demenz als gesamtgesellschaftliche Aufgabe definiert und die Notwendigkeit demenzsensibler Strukturen in allen Versorgungsbereichen, auch im Krankenhaus, hervorgehoben. „Ein Krankenhaus darf für Menschen mit Demenz kein Ort zusätzlicher Destabilisierung sein. Vielmehr müssen Kliniken Teil einer stabilisierenden Versorgungskette werden. Dafür brauchen wir Strukturen, die konsequent an den Bedürfnissen dieser Patientinnen und Patienten ausgerichtet sind – organisatorisch, personell und sektorenübergreifend“, sagt Christine Schiller vom Landeskompetenzzentrum Demenz. Eines der insgesamt vier Handlungsfelder der Demenzstrategie widme sich der Weiterentwicklung der medizinischen und pflegerischen Versorgung. Ziel sei es, demenzsensible Konzepte systematisch zu verankern, Mitarbeitende zu qualifizieren und die Versorgungsbereiche besser miteinander zu verzahnen.
Den Barmer-Krankenhausreport finden Sie online unter: www.bifg.de/lY4Zkbg.
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