Oliver Kusch ist gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im rheinland-pfälzischen Landtag. Die Redaktion der STANDORTinfo hat ihn im Vorfeld der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 22. März dieses Jahres zu aktuellen Themen der Gesundheitspolitik befragt.
Oliver Kusch. Foto: SPD-Fraktion RLP/A. Heimann
Studien kommen zu dem Schluss, dass es in Kliniken zu viel Gelegenheitschirurgie gibt, die zu unnötigen Komplikationen und Todesfällen führen. Welche Maßnahmen werden Sie nach der Landtagswahl ergreifen, um die Patientensicherheit in rheinland-pfälzischen Krankenhäusern zu steigern?
Sozialdemokratische Gesundheitspolitik stellt stets den Menschen und seine Sicherheit in den Mittelpunkt. Patientinnen und Patienten werden in unseren Krankenhäusern gut versorgt. Wir als SPD sorgen dafür, dass das so bleibt. Dazu wollen wir die Krankenhausreform schnell und gründlich umsetzen, damit Spezialisierung und Versorgung evidenz- und qualitätsorientiert erfolgen. Für eine bestmögliche Gesundheitsversorgung in Stadt und Land setzen wir auf einen Mix aus Grundversorgung, beispielsweise mit den innovativen, neuen Regio-Kliniken, und Spitzenmedizin sowie spezialisierte Behandlungen. An zentralen Standorten können wir Fachwissen und Qualität bündeln. Auch das erhöht die Sicherheit. Zudem haben wir die Investitionskosten zur Modernisierung und Ausbau der Krankenhausabteilungen massiv erhöht, damit Medizin auf höchstem Niveau möglich bleibt. Die Menschen in Rheinland-Pfalz können sich sicher sein: Sie bekommen die Hilfe, die sie benötigen, schnell, sicher und mit hoher Qualität.
Die finanzielle Belastung der Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeheimen steigen seit Jahren. Welche Möglichkeiten sehen Sie für das Land, dagegen vorzugehen?
Pflege darf kein Luxus werden, das ist ein Kernsatz unserer sozialdemokratischen Gesundheitspolitik. Sie muss für alle Menschen bezahlbar und zugänglich sein, egal ob in der Stadt oder auf dem Land. Um das sicherzustellen, braucht es mehr Fachkräfte. Dafür setzen wir unsere erfolgreiche Fachkräftestrategie fort. Wir wollen den Pflegeberuf moderner und attraktiver machen und Personalengpässe mit Maßnahmen wie unter anderem regional organisierten Pflegeteams und Pflegepools schließen. So werden Pflegesysteme entlastet. Zudem stärken wir die Gemeindeschwester Plus und Präventionsangebote, um Selbstständigkeit zu verlängern. Ganz wichtig ist auch die Investitionsoffensive. In Rheinland-Pfalz investieren wir mehr als 150 Millionen Euro aus dem Sondervermögen zusätzlich in die Stärkung der medizinischen und pflegerischen Versorgung sowie Investitionen in Krankenhäuser. Wir wollen, dass alle Menschen in Rheinland-Pfalz unabhängig vom Einkommen gesund und selbstbestimmt alt werden können.
Voraussetzung für eine integrierte Notfallversorgung ist, den vertragsärztlichen Bereitschaftsdienst, die Notaufnahmen der Krankenhäuser und den Rettungsdienst eng miteinander zu vernetzen. Wie wollen Sie diesen Bereich nach der Wahl optimieren?
Notfallversorgung muss schnell, sicher und erreichbar sein. Ein zentraler Baustein der Reform der Notfallversorgung in Rheinland-Pfalz ist für uns das Ein-Tresen-Modell. Dabei melden sich Patientinnen und Patienten, die in ein Krankenhaus kommen, an einem zentralen Ort. Dort wird entschieden, muss als Notfall in der Zentralen Notaufnahme behandelt werden oder kann ambulant durch die Kassenärztliche Versorgung geholfen werden? So können Patientenzuströme koordiniert, Angebote vernetzt und Systeme entlastet werden. Generell setzen wir uns für eine konsequente Umsetzung der Vernetzung von 112 und 116 117, also der organisatorischen und digitalen Zusammenarbeit von Rettungsleitstellen und vertragsärztlichem Bereitschaftsdienst, ein. Und wir fördern die Weiterentwicklung integrierter Notfallstrukturen an geeigneten Standorten. Auch das Telenotarzt-System, das wir in Rheinland-Pfalz als erstes Flächenland landesweit eingeführt haben, bringt Entlastung und vernetzt Strukturen.