Steven Wink ist gesundheitspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im rheinland-pfälzischen Landtag. Die Redaktion der STANDORTinfo hat ihn im Vorfeld der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 22. März dieses Jahres zu aktuellen Themen der Gesundheitspolitik befragt.
Steven Wink. Foto: FDP-Fraktion Landtag RLP
Studien kommen zu dem Schluss, dass es in Kliniken zu viel Gelegenheitschirurgie gibt, die zu unnötigen Komplikationen und Todesfällen führen. Welche Maßnahmen werden Sie nach der Landtagswahl ergreifen, um die Patientensicherheit in rheinland-pfälzischen Krankenhäusern zu steigern?
Patientensicherheit hat für uns höchste Priorität. Studien zeigen, dass Qualität und Routine bei operativen Eingriffen entscheidend sind. Deshalb setzen wir in Rheinland-Pfalz auf eine qualitätsorientierte Krankenhausplanung. Komplexe und risikoreiche Eingriffe sollen dort stattfinden, wo ausreichend Erfahrung, personelle Ausstattung und medizinische Infrastruktur dauerhaft vorhanden sind. Wir stärken Schwerpunktbildungen, Kooperationen und regionale Versorgungsnetzwerke, ohne die Grund- und Notfallversorgung in der Fläche zu gefährden. Transparente Qualitätskriterien und verständliche Informationen helfen Patientinnen und Patienten bei informierten Entscheidungen. Gleichzeitig fördern wir eine offene Sicherheitskultur in den Kliniken, zum Beispiel durch standardisierte Behandlungsabläufe, Fehlerberichtssysteme und Hygieneprogramme. Ambulante Eingriffe wollen wir dort ausbauen, wo sie medizinisch sinnvoll und sicher sind, nicht als reines Kostensenkungsinstrument.
Die finanzielle Belastung der Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeheimen steigen seit Jahren. Welche Möglichkeiten sehen Sie für das Land, dagegen vorzugehen?
Die steigenden Eigenanteile in der stationären Pflege belasten viele Pflegebedürftige und ihre Angehörigen erheblich. Obwohl die Pflegeversicherung Bundesrecht ist, hat das Land wichtige Handlungsmöglichkeiten. Ein zentraler Hebel ist die Investitionskostenfinanzierung. Wir wollen durch gezielte Landesförderung dafür sorgen, dass notwendige Bau- und Modernisierungskosten nicht vollständig auf die Bewohnerinnen und Bewohner umgelegt werden. Zudem setzen wir uns für schlankere und transparentere Vergütungsverfahren ein, um Bürokratiekosten zu reduzieren. Parallel stärken wir ambulante und teilstationäre Angebote, wie Quartiersmodelle. Ambulant betreute WGs, Kurzzeitpflege und das Tages-/Nachtpflege, damit Pflegebedürftigkeit möglichst lange gut versorgt außerhalb des Heims stattfinden kann. Unser Ziel ist, Pflege bezahlbar zu halten, ohne Qualität und faire Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte zu gefährden.
Voraussetzung für eine integrierte Notfallversorgung ist, den vertragsärztlichen Bereitschaftsdienst, die Notaufnahmen der Krankenhäuser und den Rettungsdienst eng miteinander zu vernetzen. Wie wollen Sie diesen Bereich nach der Wahl optimieren?
Eine leistungsfähige Notfallversorgung braucht klare Zuständigkeiten und eine enge Verzahnung aller Beteiligten. Wir wollen den vertragsärztlichen Bereitschaftsdienst, die Notaufnahmen der Krankenhäuser und den Rettungsdienst stärker miteinander vernetzen. Dafür setzen wir auf gemeinsame Ersteinschätzungen an Klinikstandorten, digitale Vernetzung von Leitstellen sowie standardisierte Übergabe- und Triageverfahren. Patientinnen und Patienten sollen schnell in die jeweils passende Versorgung gesteuert werden, ambulant, stationär oder durch den Rettungsdienst. Die bundesweite Nummer 116117 und die 112 müssen besser zusammenspielen und bekannter werden. Gleichzeitig stärken wir den Rettungsdienst im Flächenland Rheinland-Pfalz durch klare Schnittstellen und moderne digitale Unterstützung. So entlasten wir Notaufnahmen und verbessern die Versorgung echter Notfälle.