Christoph Gensch ist gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im rheinland-pfälzischen Landtag. Die Redaktion der STANDORTinfo hat ihn im Vorfeld der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 22. März dieses Jahres zu aktuellen Themen der Gesundheitspolitik befragt.
Christoph Gensch. Foto: Paul Schneider
Studien kommen zu dem Schluss, dass es in Kliniken zu viel Gelegenheitschirurgie gibt, die zu unnötigen Komplikationen und Todesfällen führen. Welche Maßnahmen werden Sie nach der Landtagswahl ergreifen, um die Patientensicherheit in rheinland-pfälzischen Krankenhäusern zu steigern?
Für uns als CDU-Landtagsfraktion Rheinland-Pfalz gilt klar, dass Patientensicherheit keine Frage der Postleitzahl sein darf. Sie steht über Fallzahlen und ökonomischen Fehlanreizen. Wir wollen die Krankenhausplanung konsequent an Qualität, Spezialisierung und klaren medizinischen Indikationen ausrichten, um unnötige Eingriffe zu vermeiden. Eine gute, fachlich fundierte Ausbildung, transparente Qualitätskennzahlen, verbindliche Standards und interdisziplinäre Entscheidungsprozesse senken Komplikationen messbar. Wir investieren in die Ausbildung von Medizinstudierenden, moderne Notfall- und Rettungsdienst- sowie Krankenhausstrukturen, gute Ausstattung und ausreichend qualifiziertes Fachpersonal, denn Sicherheit braucht Substanz. Unser Ziel ist eine gute, flächendeckende Gesundheitsversorgung, die über die Sektorengrenzen hinweg Hand in Hand, digital und frei von Medienbrüchen erfolgt und Patienten gezielt leitet. Dies schafft Vertrauen und stellt medizinische Notwendigkeit in den Mittelpunkt. Als eine Grundlage stellen wir den Lebende Krankenhäuserfonds mit 150 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung, bis die Krankenhausreform greift und eine entsprechende Krankenhausplanung umgesetzt ist.
Die finanzielle Belastung der Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeheimen steigen seit Jahren. Welche Möglichkeiten sehen Sie für das Land, dagegen vorzugehen?
Wenn ein Mensch ins Pflegeheim ziehen muss, geht es um Verlässlichkeit und den Erhalt der Würde. Doch viele Familien erleben stattdessen eine böse Überraschung, weil die Eigenanteile seit Jahren steigen und oft die Rente übersteigen. Rheinland-Pfalz hat hier einen klaren Hebel. Anders als fast alle anderen Länder beteiligt es sich nicht an den Investitionskosten der Heime. Würde das Land wieder einsteigen, könnten die Eigenanteile spürbar sinken. Das wäre eine direkte Entlastung für Pflegebedürftige und Angehörige. Zugleich braucht es eine Reform der Pflegeversicherung auf Bundesebene. Aber wir dürfen nicht nur nach Berlin schauen. Auch das Land steht in der Verantwortung. Und wir müssen Prävention stärken, damit Pflegebedürftigkeit möglichst lange hinausgezögert wird. Unser Ziel ist eine Pflege, die bezahlbar bleibt und Sicherheit gibt.
Voraussetzung für eine integrierte Notfallversorgung ist, den vertragsärztlichen Bereitschaftsdienst, die Notaufnahmen der Krankenhäuser und den Rettungsdienst eng miteinander zu vernetzen. Wie wollen Sie diesen Bereich nach der Wahl optimieren?
Nach der Landtagswahl wollen wir die integrierte Notfallversorgung in Rheinland-Pfalz verbessern, indem wir Versorgungssegmente systematisch weiter vernetzen, digitale Steuerung nutzen, Praxiskliniken stärken, die Luftrettung -insbesondere nachts - ausbauen, und sektorenübergreifende Qualitäten in den Mittelpunkt stellen. Unser Ziel ist eine patientenzentrierte, schnelle und ressourcenschonende Notfallversorgung im ganzen Land. Dazu gehört für uns auch die Stärkung der Rettungskette insgesamt: digitale Ersthelfersysteme, verpflichtende Telefonreanimation und eine flächendeckende Wiederbelebungsausbildung sind zentrale Bausteine, um die Zeit bis zum Eintreffen professioneller Hilfe wirksam zu überbrücken. Jede Minute zählt und jede strukturierte Maßnahme rettet Leben.