Rheinland-Pfalz: Reform treibt Zahl der Pflegebedürftigen in die Höhe
Laut Hochrechnungen für den BARMER-Pflegereport ist die Zahl der Pflegebedürftigen in Rheinland-Pfalz vom Jahr 2017 bis zum Jahr 2023 um 61 Prozent gestiegen.
Die Zahl der Pflegebedürftigen in Rheinland-Pfalz steigt vor allem infolge der Pflegereform aus dem Jahr 2017 und weniger aufgrund der Alterung der Gesellschaft.
Mainz, 2. März 2026 – Die Zahl der Pflegebedürftigen in Rheinland-Pfalz steigt vor allem infolge der Pflegereform aus dem Jahr 2017 und weniger aufgrund der Alterung der Gesellschaft. Das zeigt der BARMER-Pflegreport, den Autoren der Universität Bremen erstellt haben. Für den Report sind verschiedene Erkrankungen analysiert worden, darunter Krebs, Hirninfarkt, Demenz, Parkinson und Herzschwäche. Demnach ist bei allen Erkrankungen der Anteil der rheinland-pfälzischen Pflegebedürftigen vom Jahr 2017 bis zum Jahr 2023 gestiegen. So legte zum Beispiel der Anteil der Demenzerkrankten mit Pflegegrad aus Rheinland-Pfalz in diesem Zeitraum von 66,6 Prozent auf 76,1 Prozent zu, während der Anteil der Krebserkrankten mit Pflegegrad aus dem Bundesland von 10,7 Prozent auf 17,9 Prozent stieg. „Hauptgrund für den Anstieg der Pflegebedürftigen ist offensichtlich der seit Januar 2017 geltende neue Pflegebedürftigkeitsbegriff. Er hat zu einer deutlichen Leistungsausweitung geführt“, sagt Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Rheinland-Pfalz und im Saarland, zur Einordnung der Zahlen. Durch die leichtere Inanspruchnahme von Pflegeleistungen seien immer mehr Menschen als pflegebedürftig anerkannt worden und hätten frühzeitig Unterstützung erhalten.
Zahl der Pflegebedürftigen in Rheinland-Pfalz wächst kräftig
Laut Hochrechnungen für den Pflegereport stieg die Zahl der Pflegebedürftigen in Rheinland-Pfalz vom Jahr 2017 bis zum Jahr 2023 um 61 Prozent von rund 151.000 auf 243.000. Kamen in dem Bundesland im Jahr 2017 noch 3.712 Pflegebedürftige auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner waren es im Jahr 2023 schon 5.848. Der Anstieg resultiert vor allem aus einem Zuwachs bei den Pflegegraden eins bis drei. So gab es im Jahr 2023 insgesamt 41.600 rheinland-pfälzische Pflegebedürftige mit Pflegegrad eins und damit mehr als fünf Mal so viele wie im Jahr 2017 (7.300). Im gleichen Zeitraum wuchs die Zahl der pflegebedürftigen Menschen aus Rheinland-Pfalz mit Pflegegrad zwei um 49 Prozent von 63.100 auf 93.800 und die Zahl der pflegebedürftigen Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer mit Pflegegrad drei um 57 Prozent von 43.600 auf 68.600. Vergleichsweise moderat war der Anstieg bei den rheinland-pfälzischen Pflegebedürftigen mit Pflegegrad vier zwischen den Jahren 2017 (26.000) und 2023 (29.200) mit einem Zuwachs von zwölf Prozent. Bei den rheinland-pfälzischen Pflegebedürftigen mit Pflegegrad fünf gab es dagegen im gleichen Zeitraum einen Rückgang von 11.100 auf 10.100.
Kleis: Das Land muss Pflegebedürftige finanziell entlasten
Zur finanziellen Entlastung der Pflegeversicherung und der Pflegebedürftigen fordert Barmer-Landesgeschäftsführerin Kleis, dass Bund und Länder viel mehr als bisher beitragen müssen: „Nötig sind unter anderem die Übernahme der Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige durch den Bund und die Entlastung der Pflegebedürftigen in den Heimen von Investitionskosten und Kosten der Pflegeausbildung durch die Länder. Da die Pflegebedürftigen bei langsam voranschreitenden Erkrankungen heute früher Pflegeleistungen erhalten können, bleiben sie auch länger im System.“ Um der wachsenden Inanspruchnahme zu begegnen und das politische Versprechen einer Versorgung unabhängig von Versichertenstatus, Einkommen und Wohnort neu mit Leben zu füllen, brauche es ein Primärversorgungssystem, um die Patientenströme bedarfsgerecht zu steuern. „Auch dafür ist die explizite Unterstützung der Pflege und deren Aufwertung als Heilberuf erforderlich. Dabei muss die Entwicklung des Pflegeberufs von der Hilfskraft bis zur akademisierten Pflege im Blick behalten und wo nötig vorangetrieben werden“, betont Kleis. Zudem brauche es perspektivisch eine sektorenübergreifende Bedarfsplanung, die die Profession Pflege mitdenke und einbinde.
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