Rheinland-Pfalz: Pflegenotstand fällt dramatischer aus als gedacht

Lesedauer unter 3 Minuten

Mainz, 24. Februar 2022 – Der Bedarf an Pflegekräften in Rheinland-Pfalz wird in den nächsten Jahren größer ausfallen, als bisher angenommen. Grund dafür ist, dass bisherige Prognosen für die Jahre 2030 und 2050 die Zahl der Pflegebedürftigen in Rheinland-Pfalz je um rund 55.000 unterschätzt haben. Das zeigt der Barmer-Pflegereport, den Wissenschaftler der Universität Bremen erstellt haben. „Die Situation in der Pflege ist angesichts des Pflegekräftemangels heute schon schwierig und wird sich in wenigen Jahren deutlich zuspitzen. Die Politik muss zügig gegensteuern, andernfalls bleibt die Pflege eine Großbaustelle auf schwachem Fundament“, sagt Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Es müssten rasch die Weichen für eine verlässliche und qualitativ hochwertige Pflege gestellt werden.

Zahl der Pflegebedürftigen wächst stark

Laut Pflegereport braucht Rheinland-Pfalz im Jahr 2030 etwa 48.000 Pflegekräfte für die Versorgung seiner Pflegebedürftigen. Das sind 6.000 Pflegekräfte mehr, als im laufenden Jahr in dem Bundesland benötigt werden. Bis zum Jahr 2050 steigt der Bedarf an Pflegekräften in Rheinland-Pfalz auf 69.000. Bisherige Schätzungen gingen für die Jahre 2030 und 2050 davon aus, dass der Pflegekräftebedarf um je etwa 1.000 niedriger liegt. Bei den Hochrechnungen für den Pflegereport wurden erstmals die neueste Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamts und die jüngste Pflegegesetzgebung berücksichtigt, die zu einer Erweiterung des Kreises der Pflegeberechtigten führt. Demnach wird die Zahl der Pflegebedürftigen in Rheinland-Pfalz im laufenden Jahr bei 254.000 liegen und nach 291.000 im Jahr 2030 auf etwa 378.000 im Jahr 2050 steigen.

Steigender Pflegekräftebedarf bei Pflegediensten und Pflegeheimen

Nach den Auswertungen für den Pflegereport steigt der Pflegekräftebedarf in Rheinland-Pfalz sowohl in den Pflegeheimen wie auch bei den ambulanten Pflegediensten. Im laufenden Jahr liegt demnach der Bedarf an Pflegekräften in dem Bundesland in der stationären Pflege bei 25.000. Dieser Bedarf steigt auf 30.000 Pflegekräfte im Jahr 2030 und auf 44.000 Pflegekräfte im Jahr 2050. In der ambulanten Pflege erhöht sich der Pflegekräftebedarf in Rheinland-Pfalz von 17.000 Pflegekräften im laufenden Jahr auf 18.000 Pflegekräfte im Jahr 2030 und auf 26.000 Pflegekräfte im Jahr 2050. „Angesichts der steigenden Zahl Pflegebedürftiger und der schon heute großen Zahl an fehlenden Pflegekräften ist Rheinland-Pfalz auf dem Weg, in einen dramatischen Pflegenotstand zu geraten“, mahnt Kleis.

Mehrbedarf in der Pflege über alle Qualifikationsniveaus

Der Pflegereport prognostiziert auch den Bedarf an Pflegekräften nach ihrem Qualifikationsniveau. Demnach liegt der Bedarf an Pflegefachkräften in Rheinland-Pfalz in diesem Jahr bei 20.000 und steigt nach 22.000 im Jahr 2030 auf 32.000 im Jahr 2050. Der Bedarf an Pflegehilfskräften mit Ausbildung in Rheinland-Pfalz für das laufende Jahr wird im Report mit 7.000 beziffert. Dieser Bedarf erhöht sich auf 9.000 im Jahr 2030 und auf 13.000 im Jahr 2050. Der Bedarf an Pflegehilfskräften ohne Ausbildung im Land wächst zugleich von 15.000 im aktuellen Jahr auf 17.000 im Jahr 2030 und auf 25.000 im Jahr 2050. „Die Vereinheitlichung der Pflegeausbildung und der Wegfall des Schulgelds durch das Pflegeberufegesetz sind wichtige Schritte gewesen. Es muss weiter gezielt für die Ausbildung in der Pflege geworben werden“, sagt Kleis. Hier sei auch die Eigeninitiative der Pflege-Einrichtungen gefragt.

Barmer fordert attraktivere Arbeitsbedingungen in der Pflege

Nach den Worten von Barmer-Landesgeschäftsführerin Kleis gibt es mehrere Ansätze, um mehr Menschen für eine Tätigkeit in der Pflege zu begeistern: „Eine angemessene Bezahlung von Pflegekräften ist nötig bei gleichzeitiger Begrenzung der Eigenanteile für die Pflegebedürftigen. Ebenso wichtig sind bessere Arbeitszeitmodelle, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der stationären Langzeitpflege erleichtern.“ Zudem müsse mehr getan werden, um die Belastungen der körperlich und psychisch enorm anstrengenden Arbeit in der Pflege abzufedern. „Viele Berufstätige halten den Dauerstress in der Pflege nicht bis zur Rente durch. Frust und körperliche Belastung führen dazu, dass sie frühzeitig aussteigen“, erklärt Kleis. Durch eine Steigerung der Attraktivität des Pflegeberufs könne der Anteil derer, die aus dem Beruf aussteigen verringert werden.

Kontakt für die Presse:

Boris Wolff
Pressesprecher Barmer Rheinland-Pfalz, Saarland
Telefon: 0800 333 004 452 231
E-Mailpresse.rp.sl@barmer.de
Twitter: twitter.com/BARMER_RLPSAA

Nach oben