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Barmer als Konsortialpartner: Pflege mit Telemedizin zukunftssicher gestalten

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Eine der zentralen Herausforderungen des demografischen Wandels ist die adäquate Versorgung pflegebedürftiger Senioren in Pflegeheimen – vor allem angesichts des Fachkräftemangels. Im Fokus steht dabei auch die Frage: Wie lassen sich Klinikeinweisungen auf das nötige Maß reduzieren? Denn ist ein Arzt in einem Pflegeheim nicht greifbar, wird vorschnell und zu oft der Rettungsdienst alarmiert und ein Transport in die nächstgelegene Notaufnahme veranlasst. Ein solches Szenario ist nicht nur kostspielig, sondern auch für die älteren Pflegeheimbewohner sehr belastend. Das Projekt Optimal@NRW, mit rund 15 Millionen Euro vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert, zielt auf die optimierte Akutversorgung geriatrischer Patienten ab. Das Besondere: Alle Player des Gesundheitswesens – vom Altenheim, über die Niedergelassenen, die Krankenkassen und den Rettungsdienst bis hin zur Uniklinik RWTH Aachen – arbeiten dazu in einem telemedizinischen Kooperationsnetzwerk über die Sektorengrenzen hinweg zusammen. Zum Zwischenfazit lud das Projekt nun zum Fachkongress in die Landeshauptstadt Düsseldorf. „Ich davon überzeugt, dass Optimal@NRW ein Leuchtturm für die sektorenübergreifende Zusammenarbeit mehrerer Institutionen des Gesundheitswesens sein wird. Hier werden Synergien geschaffen“, so Heiner Beckmann, Landesgeschäftsführer der Barmer, im Rahmen einer Podiumsdiskussion des Kongresses. Die Barmer ist einer der Konsortialpartner dieses Innovationsfondsprojektes.

Notaufnahmen zusätzlich belastet

Auch heute noch ist es ein großes Problem für viele Altenpflegeeinrichtungen, dass ältere Bewohnerinnen und Bewohner vorschnell hospitalisiert werden. Wenn sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert, organisiert das Pflegepersonal vor Ort medizinische Hilfe. Stehen die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte allerdings nicht zeitnah zur Verfügung, bleibt den Pflegefachkräften bis dato oftmals nur die Möglichkeit, den Rettungsdienst zu alarmieren. Die Folge: Vermeidbare und vorschnelle Krankenhauseinweisungen, lange Wartezeiten in den bundesweit chronisch überfüllten Notaufnahmen und Transporte, die die Bewohnerinnen und Bewohner physisch sowie psychisch stark beeinträchtigen können.

Pflege neu denken, Synergien schaffen

Optimal@NRW setzt genau an diesem Punkt an. Das Projekt wird über einen Zeitraum von vier Jahren mit rund 15 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert und etabliert eine intersektorale telemedizinische Lösung, um die Pflege in Altenpflegeeinrichtungen zukunftssicher zu gestalten. Ziel des Projekts ist die optimierte Akutversorgung geriatrischer Patienten durch ein telemedizinisches Kooperationsnetzwerk – bestehend aus Altenpflegeeinrichtungen, niedergelassenen Ärzten, dem Rettungsdienst und der Uniklinik RWTH Aachen – rund um die Uhr. Der Effekt: Die Fachkräfte in den Seniorenzentren können einen sich verschlechternden Gesundheitszustand ihrer Bewohnerinnen und Bewohner schneller erkennen und diesen durch die Televisiten bedarfsgerecht behandeln. Der Weg in die Notaufnahme bleibt medizinischen Notfällen vorbehalten. Das Projekt soll auf diese Weise inadäquate Klinikeinweisungen reduzieren und die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner verbessern. Nachdem die technischen Voraussetzungen in den 24 teilnehmenden Altenpflegeeinrichtungen im Raum Aachen geschaffen werden konnten, startete das Projekt am 1. Februar 2022 mit der sogenannten Interventionsphase: Bei akuten Beschwerden kann sich das Pflegepersonal nun in Form von Videosprechstunden ärztliche Unterstützung holen und mit den unterschiedlichen medizinischen Sektoren in Kontakt treten.

Erkenntnisse und Zukunftsvisionen

Zur Halbzeit des Projekts fanden sich die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein, alle GKV-Kassen in NRW als Konsortialpartner sowie die projektbeteiligten Altenpflegeeinrichtungen aus der Region Aachen (Stadt und Städteregion Aachen, Kreis Heinsberg und Kreis Düren) neben weiteren Protagonisten aus dem Versorgungsbereich und der Gesundheitswirtschaft zu einem Kongress in Düsseldorf ein. Dieser bot Zeit und Raum, um über die wichtigen Belange rund um die digitalisierte, bedarfsgerechte Gestaltung der Pflege durch telemedizinische Strukturen sowie den innovativen Ansatz der neuen Versorgungsform und deren Zukunftsperspektive in der Regelversorgung zu diskutieren. „Das Projekt folgt der Idee, die Medizin zum alten Menschen zu bringen, nicht umgekehrt, das sollte künftig nur im Akutfall geschehen. Altenpflege und geriatrische Versorgung werden damit ein stückweit digital. Optimal@NRW setzt dahingehend neue Akzente und bietet auch die Option, die Engpässe in der Notfallversorgung deutscher Kliniken zu verbessern. Die praktische Übertragung dieser intersektoralen telemedizinisch-gestützten Betreuung in die künftige Regelversorgung ist ein wichtiger Schritt hin zur bedarfsgerechten und ortsnahen Patientenversorgung“, betont Priv.-Doz. Dr. med. Jörg Christian Brokmann, Projektkoordinator und Leiter des Zentrums für klinische Akut- und Notfallmedizin an der Uniklinik RWTH Aachen. „Bei allen digitalen Gesundheitstechnologien steht für uns immer der Mensch im Mittelpunkt. Das gilt für Patientinnen und Patienten ebenso wie für die Beschäftigten des Gesundheitswesens“, so Barmer-Landeschef Beckmann. „Bei Optimal@NRW sind wir davon überzeugt, dass dieses digitale Versorgungsangebot eine Verbesserung für alle Beteiligten ist.“

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