Barmer-Report: Zahl der Pflegebedürftigen in NRW massiv gestiegen
Laut Barmer-Pflegereport ist die Zahl der Pflegebedürftigen in NRW zwischen 2017 und 2023 um 76 Prozent von 730.000 auf rund 1,29 Millionen angestiegen.
Der Anteil der Pflegebedürftigen an der Gesamtbevölkerung stieg in NRW somit von 3,8 auf 6,2 Prozent.
Analysen einzelner Erkrankungen zeigen, dass die Krankheitslast nicht der entscheidende Treiber für diesen Anstieg ist. Vielmehr sind die Folgen der Pflegereform 2017 verantwortlich.
Statement João Rodrigues, Landesgeschäftsführer der Barmer in NRW: „Die Zahlen unseres Reports untermauern, wie groß die Herausforderungen im Bereich der Pflege sind. Das System der Pflegeversicherung muss finanziell stabilisiert und reformiert werden.“
Düsseldorf, 03.03.2026 – Die Zahl der Pflegebedürftigen in Nordrhein-Westfalen ist in den vergangenen Jahren massiv gestiegen. Nach Erkenntnissen des aktuellen Barmer-Pflegereports waren in NRW 2017 etwa 730.000 Menschen pflegebedürftig. Bis zum Jahr 2023 ist die Zahl um 76 Prozent auf rund 1,29 Millionen angewachsen. Damit stieg der Anteil der Pflegebedürftigen an der Gesamtbevölkerung in NRW von 3,8 auf 6,2 Prozent. Um die Gründe für den massiven Anstieg herauszufiltern, haben sich die Report-Autoren der Universität Bremen unter anderem mit der Krankheitslast der zu pflegenden Menschen befasst. Dazu seien sechs akute und sechs dauerhafte Erkrankungen analysiert worden – darunter Krebs, Hirninfarkt, Demenz, Parkinson und Herzschwäche. Die Auswertungen zeigen, dass bei allen Erkrankungen der Anteil derjenigen gestiegen ist, die zugleich pflegebedürftig gewesen seien. So legte zum Beispiel der Anteil der Demenzerkrankten mit Pflegegrad in NRW von 71,5 Prozent (2017) auf 81,4 Prozent (2023) zu. Bei den Krebserkrankten verzeichnen die Autoren einen Anstieg des Anteils von 12,3 auf 23,1 Prozent. „Die Krankheitslast ist nicht der entscheidende Treiber für den Anstieg der Zahl von Pflegebedürftigen“, sagt João Rodrigues, Landesgeschäftsführer der Barmer in Nordrhein-Westfalen. „Der Hauptgrund ist vielmehr der seit Januar 2017 neu geltende Pflegebedürftigkeitsbegriff.“ Dieser habe zu einer deutlichen Leistungsausweitung geführt. Durch die leichtere Inanspruchnahme von Pflegeleistungen seien immer mehr Menschen als pflegebedürftig anerkannt worden und hätten frühzeitig Unterstützung erhalten.
Ferner wird aus dem Barmer-Pflegereport deutlich, dass der Anstieg der Zahlen vor allem aus einem massiven Zuwachs bei den Pflegegraden eins bis drei resultiert. So gab es im Jahr 2023 in Nordrhein-Westfalen rund 192.000 Menschen mit Pflegegrad eins und damit mehr als fünfmal so viele wie 2017 (34.600). Im selben Zeitraum stieg die Zahl der Pflegebedürftigen mit Pflegegrad zwei um 56 Prozent von 330.700 auf 517.800 und die Zahl der Frauen und Männer mit Pflegegrad 3 um 82 Prozent von 198.900 auf 363.000. Vergleichsweise moderat verlief der Anstieg bei den Menschen mit Pflegegrad vier: zwischen 2017 (110.400) und 2023 (152.900) betrug der Zuwachs 38 Prozent. Bei den nordrhein-westfälischen Pflegebedürftigen mit Pflegegrad fünf gab es nur einen leichten Anstieg um rund zehn Prozent von 58.100 auf 63.800.
„Die Zahlen unseres Reports untermauern, wie groß die Herausforderungen im Bereich der Pflege sind“, so Barmer-Landeschef Rodrigues. „Das System der Pflegeversicherung muss finanziell stabilisiert und reformiert werden.“ Bei den Verhandlungen der Bund-Länder-Arbeitsgruppe müsse im Vordergrund stehen, dass die Beitragszahlerinnen und -zahler nicht noch stärker belastet werden dürfen. Kurzfristig sei hier geboten, dass der Bund der Pflegekasse endlich die coronabedingten Aufwendungen in Höhe von 5,5 Milliarden Euro erstattet. Langfristig müsse der Bund zudem die Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige übernehmen. Die Länder stünden außerdem in der Pflicht, die Investitionskosten in den Heimen und die Kosten der Pflegeausbildung zu tragen. „Nur so kann die Entwicklung der seit Jahren steigenden Eigenanteile von Pflegebedürftigen in Pflegeheimen gestoppt werden“, sagt Rodrigues.
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