Pressemitteilung aus Nordrhein-Westfalen

Barmer-Report: Mehr Krankenhausinfektionen während der Pandemie

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Düsseldorf, 23. Februar 2022 – Jedes Jahr erwerben bis zu 150.000 Patientinnen und Patienten in nordrhein-westfälischen Krankenhäusern eine sogenannte nosokomiale Infektion. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen sterben etwa 4.000 Betroffene in NRW an einer solchen Krankenhausinfektion. Seit Beginn der Corona-Pandemie hat sich diese Situation verschärft. Bis Ende des Jahres 2020 gab es in NRW bis zu 7.400 zusätzlich Infizierte und bis zu 280 weitere Todesfälle aufgrund einer nosokomialen Infektion. Das geht aus dem aktuellen Krankenhausreport der Barmer hervor. „Auf den ersten Blick mag es überraschen, dass die Zahl der nosokomialen Infektionen während der Pandemie und den damit verbundenen strengen Hygienevorschriften zugenommen hat“, sagt Heiner Beckmann, Landesgeschäftsführer der Barmer in NRW. „Doch gerade während der ersten Welle lagen vor allem ältere Menschen auf den Stationen, die deutlich anfälliger für Infektionen sind. Hinzu kommt die hohe Arbeitsbelastung für das Klinikpersonal, dem es besonders in der ersten Welle mitunter auch an Schutzausrüstung mangelte.“

Hygienestandards nicht komplett einzuhalten

Die möglichen Hygienedefizite in Krankenhäusern seien keinesfalls Kritik am Pflegepersonal oder an den Ärztinnen und Ärzten, so Beckmann weiter. Sie leisteten Enormes, dies stellten sie insbesondere in der Corona-Pandemie erneut unter Beweis. „Das Krankenhauspersonal war während des nun analysierten Zeitraums der Corona-Pandemie offenbar so belastet, dass es die hohen erforderlichen Hygienestandards nicht immer vollständig einhalten konnte. Dabei ist das gerade in Pandemiezeiten ein extrem wichtiger Aspekt, der über Leben und Tod entscheiden kann“, sagt der Barmer-Landeschef.

In NRW lag der Anstieg bei 22 Prozent

Wie aus der Studie mit fünf Millionen Stichproben hervorgeht, kam es in den Jahren 2017 bis 2019 durchschnittlich in rund 5,6 Prozent der bundesweiten Krankenhausfälle zu einer nosokomialen Infektion. Unmittelbar zu Beginn der Pandemie stieg dieser Wert auf 6,8 Prozent an, was einem Zuwachs von über 20 Prozent binnen weniger Wochen entspricht. „Dass die Zahl der Krankenhausinfektionen während der Pandemie gestiegen ist, kann neben der veränderten Patientenstruktur und vulnerablen Fällen auch auf die erhöhte Arbeitsbelastung in Kliniken und Personalausfälle zurückgeführt werden“, sagt Heiner Beckmann. Denn auch wenn man die veränderte Patientenstruktur in den Berechnungen gesondert durch Adjustierung berücksichtige, zeige sich weiterhin ein Anstieg des Infektionsgeschehens um fast zehn Prozent in der ersten Pandemiewelle und um 17,5 Prozent in der zweiten Welle bis Ende 2020. In NRW lag der Anstieg in der zweiten Welle sogar bei 22 Prozent.

Masterplan für mehr Hygiene notwendig

Um das Problem der Krankenhausinfektionen in den Griff zu bekommen, fordert die Barmer einen Masterplan für mehr Hygiene, der unter anderem eine intensive Auseinandersetzung mit Klinikhygiene in der pflegerischen und ärztlichen Ausbildung beinhaltet. Dieses Wissen müsse im Berufsalltag vertieft und zur täglichen Routine werden, so Beckmann. Dazu bedürfe es verlässlicher Verfahren und Strukturen. Teil dessen seien geschulte Hygienefachkräfte, die die Einhaltung von Hygienestandards überwachten und bei Bedarf weiterentwickelten. „In den Krankenhäusern werden zwar Hygienefachkräfte eingesetzt. Akzeptanz und Arbeit dieser Fachkräfte müssen aber im Arbeitsalltag gestärkt werden, damit in Ausnahmesituationen wie einer Pandemie höhere Hygieneanforderungen nicht zu Stresssituationen führen“, sagt Beckmann.

Einhaltung von Hygienestandards kontrollieren

Die Einhaltung der Hygienestandards sollte aus Sicht der Barmer nicht nur intern, sondern auch extern durch den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) stärker als bisher unangekündigt überprüft werden. Auch deshalb sei eine Stärkung des ÖGD ein unausweichlicher Schritt und vollkommenen unabhängig von einer Pandemie notwendig. „Wenn Mängel Auslegungssache bleiben und lediglich moniert, aber nicht öffentlich dargestellt werden können, dann bleiben auch Kontrollen zahnlose Tiger“, sagt der Landesgeschäftsführer. Deshalb solle der Gemeinsame Bundesausschuss mit dem Robert Koch-Institut eine Richtlinie mit verbindlichen Mindestanforderungen an die Struktur- und Prozessqualität zur Anwendung von Hygienemaßnahmen im Krankenhaus erarbeiten. Die Einhaltung dieser Mindestanforderungen sollten die Krankenhäuser dann in ihren Qualitätsberichten veröffentlichen müssen.

Ausführliche Informationen zum Krankenhausreport

Der Krankenhausreport des Barmer Instituts für Gesundheitsforschung (bifg) basiert auf einer Studie der Autorinnen und Autoren Prof. Dr. Boris Augurzky, Dr. Simon Decker, Rebecca Leber und Anne Mensen vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen. Ausführliche Informationen zum Report unter: https://www.bifg.de/publikationen/reporte/krankenhausreport-2021.


Kontakt für die Presse:

Tobias Klingen
Pressesprecher Barmer Nordrhein-Westfalen
Telefon 0800 333 004 45 11 31
E-Mail: presse.nrw@barmer.de
Twitter: twitter.com/BARMER_NRW

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