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Nachgefragt bei Oliver Lottke, MdL: Wie sieht die Zukunft der niedersächsischen Notfallversorgung aus?

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Oliver Lottke ist seit 2017 Abgeordneter im Niedersächsischen Landtag, Mitglied der SPD-Fraktion und in der aktuellen Wahlperiode Vorsitzender des Ausschusses für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung. Bis zu seiner Wahl in die Landespolitik war der Diplom-Sozialpädagoge mehr als 20 Jahre in der Jugendhilfe und der Unterstützung von wohnungslosen Menschen tätig.

Oliver Lottke beim Versorgungsdialog in Hannover

Oliver Lottke beim Versorgungsdialog in Hannover

Herr Lottke, volle Notaufnahmen und stark beanspruchtes medizinisches Personal - viele Patientinnen und Patienten sind beim Blick auf die Notfallversorgung verunsichert. Welche politischen Maßnahmen sind aus Ihrer Sicht am wichtigsten, um die Notfallversorgung zu verbessern?

Aus meiner Sicht sind drei Maßnahmen besonders wichtig:

1. Den landesweiten Ausbau von Integrierten Leistellen (ILS) voranzutreiben,

2. Gemeinsam mit den kommunalen Trägern des bodengebundenen Rettungsdienstes die Systematisierung und Bündelung der Kapazitäten in den Rettungsdienstleistellen voranzutreiben,

3. Die Zusammenführung der Notrufnummern 112 und 116 117.

Die SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag unterstützt den Einsatz von sogenannten 'Gemeindenotfallsanitätern'. Welche Chancen sehen Sie in der Einführung dieser Rolle?

Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) für Niedersachsen belegen eine Fallzahlensteigerung in Notfallambulanzen um 30,7% in den vergangenen zehn Jahren, während die Fallzahlen des vertragsärztlichen Bereitschaftsdienstes im gleichen Zeitraum um 17,2% gesunken sind. In Niedersachsen sind darüber hinaus die Einsatzzahlen des Rettungsdienstes in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen, auch bedingt durch eine steigende Anzahl an Bagatellfällen. Durch den Einsatz von Gemeindenotfallsanitätern können aus meiner etwa die Hälfte der Fälle aus dem Rettungsdienst in die richtige Versorgungsebene gesteuert werden.

Das neuste Eckpunktepapier des Bundesgesundheitsministeriums betont auch die Relevanz von Telemedizin und Videosprechstunden. Wie bewerten Sie das Potenzial von digitalen Lösungen in der niedersächsischen Notfallversorgung?

Durch die flächendeckende telemedizinische Ausrüstung von Rettungswagen, kann die medizinische Beratung von Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitätern gewährleistet werden. Dadurch können die Einsätze von Notärztinnen und Notärzten deutlich reduziert werden. Diese haben dann Kapazitäten für Einsätze, bei denen sie vor Ort wirklich benötigt werden.