Prognose Zappelphilipp

Hannover/Bremen (28.07.2016) Unaufmerksamkeit, Überaktivität und Impulsivität charakterisieren das Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom, kurz ADHS. "Bundesweit wurde die Diagnose Hyperkinetische Störung, so die offizielle Bezeichnung, im Jahr 2014 bei 4,3 Prozent der Versicherten in der Altersgruppe bis 19 Jahre gestellt. In Niedersachsen bei 4,8 Prozent und in Bremen bei 2,7 Prozent der Altersgruppe", verweist Barmer GEK Landesgeschäftsführerin Heike Sander auf ein Thema, das Ärzte und Eltern dauerhaft beschäftigt. Denn beim letzten Vergleich im Jahre 2011 lagen die Raten noch durchschnittlich einen halben Prozentpunkt niedriger.

Regionale Unterschiede

Doch es gibt regionale Unterschiede: In den Kreisen Osterholz (2,5 Prozent), Diepholz (2,7 Prozent) und der Stadt Oldenburg (2,9 Prozent) wurde die Diagnose Hyperkinetische Störung (F 90) seltener gestellt. Überproportional fielen die Kreise Lüchow-Dannenberg (7,2 Prozent), Celle (7,1 Prozent) und Helmstedt (7,0 Prozent) auf. Bei den großen Städten lagen Osnabrück und Lüneburg mit gut 4,2 Prozent der betroffenen Versicherten unter dem Bundesdurchschnitt, Braunschweig und die Region Hannover mit jeweils 4,8 Prozent und Göttingen mit 6,2 Prozent über dem Schnitt. Diese großen regionalen Unterschiede lassen sich aus Sicht der Barmer GEK nicht plausibel erklären. Eine denkbare Überlegung wäre ein von Arzt zu Arzt abweichender Umgang mit der Diagnose. Es gibt zwar mittlerweile wissenschaftlich fundierte Behandlungsleitlinien, allerdings ist die ADHS-Diagnostik komplex und zeitaufwendig.

Was ist ADHS?

Bei der Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (kurz ADHS) handelt es sich im Wesentlichen um eine Funktionsstörung im Gehirn. Hauptmerkmale sind Aufmerksamkeitsschwäche, Impulsivität und Hyperaktivität, da her auch der weit verbreitete Begriff Zappelphilipp-Syndrom. Diese psychische Störung beginnt in der frühen Kindheit und kann bis in das Erwachsenenalter fortbestehen. Generell sind ADHS-Diagnosen bei Jungs etwa dreimal so häufig wie bei Mädchen. Die höchste Betroffenheit wird im Alter zwischen 8 und 14 Jahren erreicht (etwa 10 bis 12 Prozent bei Jungen und 3 bis 4,5 Prozent bei Mädchen). In diese Zeit fällt der Übergang von der Grundschule in weiterführende Schulen. Offenbar beeinflusst der damit einhergehende Zensuren- und Leistungsdruck die Schüler derart, dass ihre Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit erheblich leidet. Gleichzeitig befinden sich die Kinder in der vorpubertären Wachstumsphase. Bei den Jungs kommt es zudem zu einer erhöhten Testosteronbildung, was ganz natürlich zu erhöhtem Bewegungsdrang führt, so dass diese Phase früher als „Flegeljahre“ bezeichnet wurde.

Mehr Informationen auch zu Behandlungsmöglichkeiten unter: www.barmer-gek.de/s000506


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Landesgeschäftsstelle Niedersachsen/Bremen,
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Webcode dieser Seite: p004296 Autor: Barmer Erstellt am: 28.07.2016 Letzte Aktualisierung am: 03.09.2018
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