Dentalphobie?

Hannover (20.09.2016) Besonders gerne geht vermutlich niemand zum Zahnarzt. Bei manchen ist die Angst allerdings so groß, dass sie lieber Schmerzen in Kauf nehmen und ernste Erkrankungen riskieren, als sich einem Routine-Check oder gar einer Behandlung zu unterziehen. Laien nennen es einfach Angst vor dem Zahnarzt, Experten sprechen von einer sogenannten Dentalphobie. Und die ist gar nicht so selten: Laut Deutscher Gesellschaft für Zahnbehandlungsphobie leiden in Deutschland rund fünf Millionen Menschen unter einer solchen Angststörung. Laut Barmer GEK Zahnreport waren 31 Prozent der Versicherten in Niedersachsen und 33 Prozent der Bremer im vergangenen Jahr nicht beim Zahnarzt. Doch Menschen mit Dentalphobie kann mit speziellen Entspannungstechniken geholfen werden.

Gefühl des Ausgeliefertseins

Schon der Gedanke an den typischen Praxisgeruch reicht bei manchen Menschen aus, um ihnen Schweißperlen auf die Stirn zu treiben und in Panik zu versetzen. Betroffene verzichten nicht nur auf regelmäßige Routine-Checks, sie gehen auch bei leichten Schmerzen nicht zu einem Zahnarzt. Experten unterscheiden zwischen eine Zahnbehandlungsangst und einer seelischen Erkrankung in Form einer Phobie. "Allein die Behandlungsposition im Zahnarztstuhl – auf dem Rücken liegend, grelles Licht über dem Gesicht, der Bohrer surrt, dazu nicht sehen können, was der Arzt oder die Ärztin macht und nicht sprechen können – das kann bei Patientinnen und Patienten ein Gefühl des Ausgeliefertseins und des Kontrollverlustes auslösen oder sogar zu Panikattacken führen", erklärt Andrea Jakob-Pannier, Psychologin bei der Barmer GEK. Während die meisten diese Situation nur als unangenehm empfinden, bedeutet sie für Angstpatienten puren Stress, auf den sie auch körperlich reagieren. Je nachdem, wie stark die Angst ausgeprägt ist, reichen die Symptome von Herzklopfen und einem Gefühl der Anspannung bis hin zu Schweißausbrüchen, Zittern, Schwindel, Übelkeit oder auch Panikzuständen.

Vertrauen aufbauen

Um der Phobie Herr zu werden, sind zwar vor allem Zahnärzte und Praxispersonal gefordert. Den ersten Schritt jedoch müssen Betroffene selbst tun. Nur wenn sie sich zu ihrer Angst bekennen oder eine fachärztlich diagnostizierte psychische Erkrankung festgestellt wurde, kann ihnen geholfen werden. "Wenn ein Zahnarzt und sein Personal um die Angst eines Patienten wissen, können sie sich darauf einstellen. Beispielsweise können eine Führung durch die Praxisräume und Gespräche mit dem Praxisteam dabei helfen, Vertrauen aufzubauen", so Jakob-Pannier. Während eines solchen Gesprächs könne auch geklärt werden, wie viel Transparenz ein Patient im Vorfeld und auch während der Behandlung erhalten möchte. Während die einen über jeden einzelnen Behandlungsschritt informiert werden möchten, wollen andere lieber gar nichts davon wissen. In vielen Zahnkliniken geben Ärzte ihren ängstlichen Patienten Knackfrösche in die Hand. So können sie die Behandlung mit einem Klick unterbrechen, wenn es zu anstrengend wird. Anstelle des Frosches können Arzt und Patient auch ein bestimmtes Handzeichen vereinbaren.

Sensible Entspannungstechniken

Darüber hinaus setzen Zahnärzte, die sich auf Patienten mit einer Dentalphobie spezialisiert haben, auch auf alternative Ansätze wie beruhigende Musik, angenehme Aromen wie Lavendel- oder Orangenduft, aber auch Akupunktur oder Hypnose. Bewährt hat sich auch das Erlernen einer Entspannungstechnik wie beispielsweise Autogenes Training. Mit ein wenig Übung lässt sich diese auch im Behandlungsstuhl gut anwenden. Grundsätzlich bestehe laut Jakob-Pannier zwar auch die Möglichkeit einer Vollnarkose, diese solle aber nur dann eingesetzt werden, wenn keine andere Therapie greift. Denn sie mache den Patienten zwar behandlungsfähig, ändere aber nichts an den Ursachen der Angst. Außerdem bestehe die Gefahr von Nebenwirkungen.

Mehr im Barmer GEK Zahnreport 2016 unter: www.barmer-gek.de/547078


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Landesgeschäftsstelle Niedersachsen/Bremen,
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Webcode dieser Seite: p003868 Autor: Barmer Erstellt am: 20.09.2016 Letzte Aktualisierung am: 20.12.2016
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