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16 Prozent in Niedersachsen schlucken Magensäureblocker – Großer Anstieg bei Jugendlichen

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Hannover, 11. März 2021 – Fast 16 Prozent der Menschen in Niedersachsen und 14,5 Prozent in Bremen bekommen Magensäureblocker verordnet. Aber auch immer mehr Kinder, Jugendliche und junge Erwachsenen sind betroffen. Das geht aus einer aktuellen Analyse der Barmer hervor. Magensäureblocker, sogenannte Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI), werden gegen Magenentzündungen, Sodbrennen, Völlegefühl und Magendrücken eingesetzt. Gerade im Zusammenhang mit größeren Mengen Alkohol und fettem Essen können diese Beschwerden auftreten. Unter den 10- bis 14-Jährigen Barmer-Versicherten stieg der Anteil zwischen den Jahren 2006 und 2019 drastisch von 0,42 auf 1,15 Prozent. Das entspricht einem Zuwachs um 173 Prozent. Damit bekamen, hochgerechnet für Niedersachsen, im Jahr 2019 über 3.000 Kinder und Jugendliche in dieser Altersgruppe Magensäureblocker verordnet (Bremen: rund 250). Unter den 15- bis 19-Jährigen stieg der Anteil um 165 Prozent, von 1,61 auf 4,27 Prozent, was gut 13.000 Teenagern im Land entsprach (Bremen: fast 1.100). Bei den 20- bis 24-Jährigen lag das Plus bei 123 Prozent, und zwar von 2,64 auf 5,89 Prozent. Das sind rund 21.000 junge Frauen und Männer in Niedersachsen und etwa 1.700 in Bremen.

Präparate können abhängig machen

„Die Zahl junger Menschen mit Magensäureblocker-Verordnungen ist viel zu hoch. Ein Grund dafür könnte sein, dass sich junge Menschen häufig unter Druck fühlen, was ihnen buchstäblich auf den Magen schlägt“, so Heike Sander, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Niedersachsen und Bremen. Zudem sei in dieser Altersgruppe wenig bekannt über das gesteigerte Risiko für Osteoporose oder Niereninsuffizienz durch die Langzeiteinnahme der PPI. Die Betroffenen könnten daher zu leichtfertig bei Völlegefühl und Magendrücken PPI nehmen, zumal sie niedrig dosiert auch rezeptfrei seien. Wer zu lange Magensäureblocker schluckt, kann in eine Art Teufelskreis geraten, weil sich der Körper an die Medikamente gewöhnt. Wenn die Magensäureblocker dann abgesetzt werden, kann es zu einer überschießenden Magensäureproduktion kommen, die schnell zu neuen Magenschmerzen oder Sodbrennen führen kann. Die Betroffenen werden daraufhin wieder zu Magensäureblockern greifen.

Deutliche regionale Steigerungsraten 

Die Anzahl der Personen, die mindestens ein Rezept über Magensäureblocker im Jahr erhalten haben, ist zwischen den Jahren 2016 und 2019 in allen Bundesländern leicht gesunken. Niedersachsen verzeichnete eine leichte Abnahme um sieben Prozent, Bremen um fünf Prozent, während der Rückgang in Rheinland-Pfalz mit 16 Prozent am stärksten war. Dennoch ist die Anzahl der Personen mit mindestens einer Magensäureblocker-Verordnung zwischen den Jahren 2006 und 2019 abgesehen von Bayern und Baden-Württemberg in allen Bundesländern um die Hälfte oder mehr gestiegen. Die größten Zuwachsraten gab es in Bremen mit 84 Prozent und Hessen mit 78,9 Prozent, die niedrigsten in Bayern mit 42,8 Prozent und Baden-Württemberg mit 48,7 Prozent. In Niedersachsen lag die Zuwachsrate bei 77 Prozent. „Tendenziell sind die Steigerungsraten in den Bundesländern größer, in denen bislang etwas weniger Magensäureblocker verordnet wurden. Damit nähern sie sich an ein Niveau an, das nach wie vor zu hoch erscheint“, sagt Sander.

Kontakt für die Presse:

Michael Erdmann
Pressesprecher Barmer Niedersachsen, Bremen
Telefon 0800 33 30 04 65 4432
E-Mailpresse.ni.hb@barmer.de

Webcode: p016592 Letzte Aktualisierung: 11.03.2021
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