BARMER Berufsatlas 2021: Black Week als Black-out für Paketboten und Briefträger?

Schwerin, 24. November 2021 – Satte Rabatte locken tausende Menschen in der Black Week zum Online-Shopping. Briefträger, Paketboten und Kurierfahrer geraten angesichts der daraus resultierenden Paketberge unter Druck, was sich auch gesundheitlich bemerkbar macht: So sind Beschäftigte der Post- und Zustelldienste laut Auswertungen im BARMER Berufsatlas 2021 überdurchschnittlich häufig und lange krankgeschrieben. Zusteller aus Mecklenburg-Vorpommern fehlten demnach im Vorjahr jeweils 45,1 Tage krankheitsbedingt im Job. Im Vergleich: Berufsübergreifend waren Beschäftigte im Nordosten im gleichen Zeitraum 21,3 Tage arbeitsunfähig gemeldet. „Es ist sehr bedenklich, dass Briefträger, Paketboten und Kurierfahrer mehr als doppelt so lange krankgeschrieben sind wie Beschäftigte anderer Berufe, zumal wir im Nordosten bereits einen sehr hohen Schnitt an Fehltagen haben“, sagt Henning Kutzbach, Landesgeschäftsführer der BARMER in Mecklenburg-Vorpommern. Das zeige sich auch im Bundesvergleich der Paketboten: Nirgendwo fehlte diese Berufsgruppe im Jahr 2020 länger als in Mecklenburg-Vorpommern.

BARMER Berufsatlas zeigt höchster Krankenstand bei Zustellern

Zusteller aus Mecklenburg-Vorpommern sind nicht nur länger, sondern auch häufiger krankgeschrieben als Beschäftigte anderer Berufe. So war jeder Paketbote oder Kurierfahrer im Vorjahr 1,6-mal krankgeschrieben, Beschäftigte aller Berufe 1,3-mal. Die gehäuften Fehlzeiten der Zusteller schlagen sich auch im Krankenstand nieder. Dieser lag im Land bei 12,4 Prozent, das heißt von 1.000 Zustellern fehlten im Jahr 2020 täglich 124 krankheitsbedingt im Job. Von den 26 im BARMER Berufsatlas untersuchten Berufsgruppen hatte keine einen höheren Krankenstand. Am gesündesten sind laut BARMER-Analyse in Mecklenburg-Vorpommern Hochschullehrende und Softwareentwickler. In der Berufsgruppe Hochschullehre und -forschung kam jeder Beschäftigte auf nur 7,4 Fehltage, der Krankenstand lag bei 2,0 Prozent. Softwareentwickler fehlten im Schnitt 11,6 Tage, der Krankenstand betrug 3,2 Prozent.

Rückenschmerzen, Verletzungen, psychische Erkrankungen als Diagnosen

Knapp die Hälfte aller Krankschreibungen (49,8 Prozent) bei Zustellern resultieren aus Muskel-Skelett-Erkrankungen sowie Verletzungen. Der mit 35,1 Prozent größte Anteil der Fehlzeiten ist auf Muskel-Skelett-Erkrankungen zurückzuführen, die häufig in Form von Rückenschmerzen auftreten. Mit 14,7 Prozent machen Verletzungen wie Frakturen, Zerrungen oder Schürfwunden ebenfalls einen erheblichen Teil der Krankschreibungen aus. Bei 15,2 Prozent der Fehltage ist hingegen eine psychische Erkrankung ursächlich. „Dass Zusteller in vielen Fällen aufgrund einer psychischen Erkrankung krankgeschrieben sind, ist alarmierend. Stress und Zeitdruck im Job könnten eine Ursache dafür sein“, so Henning Kutzbach. Weniger überraschen dürften die vielen Fehltage aufgrund von Rückenschmerzen und Verletzungen. Um Paketfahrer dennoch zu entlasten, könne man beispielsweise beim Online-Einkauf darauf achten, dass möglichst viele Artikel in einer Bestellung zusammengefasst werden. „Eine kleine Hilfe könnte auch sein, dem Zusteller bei der nächsten Lieferung ein paar Schritte entgegenzugehen“, so Kutzbach. 

Webcode dieser Seite: p017558 Autor: Barmer InternetredaktionLetzte Aktualisierung: 24.11.2021
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