Die PRISCUS-Liste zeigt: Nicht jedes Arzneimittel ist für ältere Menschen geeignet

Frankfurt, 25. Juli 2017 - Ein gewohntes Bild in vielen hessischen Familien: das wöchentliches Pillen richten. Auf dem Tisch liegen zahlreiche Packungen. Die Tabletten werden in die Wochenkästchen einsortiert. Immerhin bekommt fast jeder dritte Hesse (29 Prozent) fünf oder mehr Arzneimittel pro Jahr verordnet. Das geht aus den Abrechnungsdaten der Barmer aus dem Jahr 2016 hervor.
Experten sprechen ab fünf Medikamenten von Polypharmazie (Übermedikation). „Die Verordnung einer größeren Anzahl von Medikamenten bedeutet ein erhöhtes Risiko für unerwünschte Wechselwirkungen. Diese sind laut Aktionsbündnis Patientensicherheit für fünf Prozent aller Einweisungen in Krankenhäuser verantwortlich“, so Norbert Sudhoff, Landesgeschäftsführer der Barmer in Hessen. Eine Überprüfung der Medikation sollte von daher regelmäßig durch den koordinierenden Arzt stattfinden. Seit einem Jahr haben Versicherte Anspruch auf einen Medikationsplan, wenn sie mehr als drei Arzneimittel nehmen. Ziel ist es, Patientinnen und Patienten bei der richtigen Einnahme ihrer Medikamente zu unterstützen.

Therapiesicherheit besonders für ältere Patienten

Nicht alle Medikamente sind allerdings für ältere Patienten geeignet: sie haben häufig mehr Risiken als Nutzen. Medizinische Fachverbände haben diese Arzneimittel in der PRISCUS-Liste benannt. Bei Patienten ab 65 Jahre sollten diese wenn möglich vollständig oder dosisabhängig vermieden werden.
Die PRISCUS-Liste hat in den ersten Jahren nach ihrer Veröffentlichung im Jahr 2010 jedoch nur einen moderaten Einfluss auf das Verordnungsverhalten der Ärzte gehabt, analysiert der Barmer Arzneimittelreport 2017. Hessenweit ging der Anteil der Barmer Versicherten, denen solche potenziell im Alter unangemessenen Arzneimittel verordnet wurden, von 2010 bis 2016 von 26,5 Prozent auf 21,4 Prozent zurück. „Die Umsetzung der Empfehlungen der PRISCUS-Liste ist in Hessen genau wie in allen anderen Bundesländern noch nicht ausreichend. Warum das so ist, bedarf näherer Untersuchungen. Auf jeden Fall müssen die Umsetzungsstrategien effektiver werden“, erläutert Landesgeschäftsführer Norbert Sudhoff den Handlungsbedarf. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Verordnung von in der PRISCUS-Liste genannten Arzneimitteln bei älteren Patienten das Risiko von unerwünschten Nebenwirkungen und auch das Risiko für stationäre Krankenhausbehandlungen erhöhten. Daher weise die Liste auf zu ergreifende Maßnahmen hin und zeige Therapie-Alternativen auf.

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Webcode dieser Seite: p008004 Autor: Barmer Erstellt am: 24.07.2017 Letzte Aktualisierung am: 24.07.2017
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