"Urvertrauen ist erschüttert": Mengenentwicklung in Krankenhäusern

"Letztlich geht es doch immer ums Vertrauen. Ich möchte meinem Arzt vertrauen und keine zehn Meinungen einholen müssen", mit diesen Worten begrüßte Landesgeschäftsführer Frank Liedtke die 80 Gäste einer Podiumsdiskussion der Barmer GEK Hamburg. Unter dem Titel "Darf’s ein bisschen mehr sein? Zu oft und zu früh im Krankenhaus" diskutierte er mit Professor Doktor Jonas Schreyögg, Gesundheitsökonom an der Universität Hamburg und Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, und Sibylle Stauch-Eckmann, Geschäftsführerin der HeliosEndo-Klinik Hamburg, über die Mengenentwicklung in Krankenhäusern. Moderiert wurde die Veranstaltung vom Journalisten Jörn Straehler-Pohl.

Landesgeschäftsführer Frank Liedtke

Zu Beginn seines Statements warf Frank Liedtke die Überschriften verschiedener Zeitungsartikel an die Wand: Die Hamburger Kliniken bekommen durch das neue Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) in den nächsten Jahren 105 Millionen Euro mehr, trotzdem ist noch von finanziellen Nöten die Rede. Dieser Widerspruch sorgt bei Patienten und Versicherten zunehmend für Verunsicherung. Wird wirklich nur aus medizinischen Gründen operiert oder spielen dabei auch, wie es das Magazin Stern in einer großen Titelgeschichte fragte, finanzielle Erwägungen eine Rolle? "Diese und zahlreiche weitere Berichte in den Medien haben bewirkt, dass das Urvertrauen in die Halbgötter oder Götter in Weiß erschüttert ist", beschreibt Liedtke. Ärzte, Kliniken, Krankenkassen und Regierung müssten jetzt gemeinsame Anstrengungen unternehmen, um den Menschen das Vertrauen in die medizinischen Akteure zurück zu geben. "Das neue KHSG ist auf diesem Weg ein Schritt in die richtige Richtung. Damit soll der Fokus wieder mehr auf Qualität als auf Quantität verschoben werden. Auch das nun gesetzlich verankerte Recht auf eine zweite ärztliche Meinung wird den Patienten wieder mehr Sicherheit geben", so Liedtke.

Interview
Moderator Jörn Straehler-Pohl (l.) befragt Sibylle Stauch-Eckmann von der Helios-Endo-Klinik Hamburg. Gesundheitsökonom Professor Doktor Jonas Schreyögg (M.) von der Universität Hamburg hört interessiert zu. Foto: Barmer GEK Hamburg

Professor Jonas Schreyögg beleuchtete in seinem Impulsvortrag die Fallzahlen in der stationären Versorgung in Deutschland. Sie steigen nach wie vor an, zuletzt zwischen 2013 und 2014 um nochmals 361.500 Fälle. "Die aktuelle Krankenhausreform hatte einen Schwerpunkt in der Stärkung der Versorgungsqualität und wird hier sehr positive Impulse setzen. Die im Krankenhausstrukturgesetz vorgesehenen Maßnahmen zur Mengenentwicklung dürften jedoch nicht ausreichen, um die stationäre Mengenentwicklung nachhaltig zu beeinflussen", sagte Schreyögg.

Einen Anstieg der Fallzahlen konnte Sibylle Stauch-Eckmann auch aus der Praxis bestätigen. "Zwar ist die Anzahl von Operationen im Bereich der Endoprothetik seit 2004 gestiegen, was jedoch nicht pauschal mit einer Verschlechterung der Qualität einhergeht", so die Geschäftsführerin der HeliosEndo-Klinik Hamburg. Es sei mittlerweile wissenschaftlich erwiesen, dass es sinnvoll sei, derartige Operationen in sogenannten ‚high volume‘ Kliniken, als spezialisierten Zentren, vorzunehmen.

Fotos: Barmer GEK Hamburg

Webcode dieser Seite: p001398 Autor: Barmer Erstellt am: 08.01.2016 Letzte Aktualisierung am: 15.12.2016
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