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Interview mit Dr. Claudia Brase, Geschäftsführerin der Hamburgischen Krankenhausgesellschaft

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Der Koalitionsvertrag ist beschlossene Sache, die neue Regierung im Amt. Was bedeuten die Pläne der Ampel für Hamburg? Das haben wir Dr. Claudia Brase, Geschäftsführerin der Hamburgischen Krankenhausgesellschaft, gefragt.

Dr. Claudia Brase


Frau Brase, die neue Regierung plant laut Koalitionsvertrag, die Krankenhausversorgung moderner und bedarfsgerechter zu gestalten. Eine große Rolle spielen dabei die Spezialisierung und die Orientierung an Leistungsgruppen und Versorgungstufen. Wie bewerten Sie diesen Wandel?

Dr. Claudia Brase: Hamburg hat durch seine Funktion als Gesundheitsmetropole einen solchen Prozess der Spezialisierung in der Krankenhausmedizin bereits durchlaufen. Spezialisierung führt zu einem Mehr an Qualität für die Patientinnen und Patienten und wird daher von uns begrüßt. Ein einheitlicher bundesrechtlicher Rahmen für Versorgungsstufen fehlt bislang, da die Krankenhausplanung in der Länderverantwortung liegt. Die besondere Herausforderung wird darin liegen, die besondere Situation der Metropolenkrankenhäuser mit ihrem hohen Anteil an Umlandversorgung, gerade im Bereich der spezialisierten und hochspezialisierten Leistungen, entsprechend zu berücksichtigen. 

Auch eine bessere sektorenübergreifende Versorgungsplanung ist im Koalitionsvertrag vorgesehen. Wo sehen Sie dabei das Entwicklungspotenzial für Hamburg?

Brase: Eine sektorenübergreifende Versorgungsplanung fordern wir seit langem. Engpässe im vertragsärztlichen Bereich wirken sich immer auch auf die Krankenhäuser aus. Patientinnen und Patienten suchen in den Krankenhäusern Hilfe, wenn in vertretbarer Zeit kein Facharzttermin zur Verfügung steht oder die Notfallversorgung nicht den Erwartungen der Patienten entsprechend angeboten wird. Eine bessere Verzahnung der Leistungen und eine sinnvolle Weiterentwicklung der ambulanten Versorgungsangebote am Krankenhaus sollte das Ziel sein.

Welche Punkte fehlen Ihnen im Koalitionsvertrag?

Brase: Ernsthafter Abbau der Kontrollbürokratie und Misstrauenskultur, Orientierung an der Ergebnisqualität ambulant und stationär mit entsprechender Transparenz, Weiterentwickung der ambulanten Leistungen am Krankenhaus.

Täglich meldet das RKI einen neuen Höchststand bei den bundesweiten Corona-Neuinfektionen. Was sehen Sie als größte Herausforderung für die Hamburger Krankenhäuser in der Bewältigung der vierten Coronawelle?

Brase: Die größte Herausforderung für die Krankenhäuer ist der Fachkräftemangel. Besonders der Mangel an Intensivpflegekräften hat sich verstärkt und limitiert die Betriebsbereitschaft von technisch vorhandenen Intensivbetten. Als Herausforderung kann und wird hinzukommen, dass erneut die medizinische Versorgung von nicht an COVID-19 Erkrankten eingeschränkt werden muss. Das hätte eigentlich in den vergangenen Monaten durch allgemeine Maßnahmen der Pandemiebekämpfung vermieden werden müssen. Die finanzielle Absicherung der Krankenhäuser findet stets auf Sicht sehr kurzfristig statt und lässt die Krankenhäuser sehr lange im Ungewissen. Eine finanzielle Absicherung findet nicht für alle Krankenhäuser und nicht in ausreichendem Maße statt.

Vielen Dank für das Gespräch.

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