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Auf den Punkt – Gesundheitspolitik aus dem Blickwinkel von Susanne Klein

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eine lächelnde Frau mit blonden lockigen Haaren steht auf einer Brücke über einen Kanal im Stadtteil Hamburg Hammerbrook

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt in den kommenden Jahren erheblich an: nicht nur aufgrund demografischer Effekte (die Generation der Babyboomer kommt erst noch), sondern auch aufgrund gesetzgeberischer Maßnahmen. Dadurch wächst, was alles unter den Begriff „Pflegebedürftigkeit“ fällt, und was im Rahmen von Pflege geleistet wird.

Diese Entwicklungen werfen gleich mehrere Fragen auf, allen voran: Wer finanziert das Ganze? Und wer übernimmt die Pflegearbeit? Wir wissen um den Fachkräftemangel, und wir wissen, dass dieser in den kommenden Jahren noch weiter erheblich steigen wird. Pflegende Angehörige spielen dabei eine immer größere Rolle. Ohne sie wäre die Pflegeversicherung vielleicht schon längst kollabiert. 

Wie aber lässt sich die Attraktivität eines Berufs steigern? Wie lassen sich junge Menschen begeistern, diesen Beruf zu ergreifen? Allein mit mehr Lohn ist es sicherlich nicht getan. In unserer heutigen Arbeitswelt geht es – neben dem Ziel, Geld zu verdienen und die eigene Existenz sowie die der Familie zu sichern – immer mehr um die Frage nach dem „Warum“: Warum tue ich das, was ich tue? Worin besteht der Sinn meines Tuns, und kann ich mich damit identifizieren? Für die junge, in die Arbeitswelt strebende Generation, aber auch für die in der Mitte oder auch im letzten Drittel ihres Arbeitslebens stehenden Generationen wird die Suche nach dem Sinn immer relevanter.

Balance zwischen Beruf und Familie 

Es geht um Freude an der Arbeit, Freiräume, Selbstverwirklichung. Zeit für die Familie, Freizeit und Verwirklichung der eigenen Werte haben einen deutlich höheren Stellenwert. Die Bereitschaft, Familie und Freizeit dem Beruf unterzuordnen, ist nicht mehr gegeben, sondern die Balance zwischen Beruf und Familie ist wichtig. 

Voraussetzung für sinnstiftendes Arbeiten ist, dass Unternehmen die Grundlage dafür schaffen und (vor)leben. Dazu gehören ein Wertesystem, das die Sinnorientierung zum Ausdruck bringt, und eine Führungsphilosophie, die diese Sinnorientierung fördert und unterstützt.

Übertragen auf den Pflegeberuf heißt das, wir brauchen

  • eine angemessene Vergütung, die den Wert der Tätigkeit würdigt.
  • eine angemessene Ausbildungsvergütung, die den Einstieg für junge Menschen in den Beruf attraktiv macht.
  • eine bessere Umsetzung der Vereinbarkeit von Freizeit und Beruf, die es jedem ermöglicht, eine gute Balance für sich zu finden.
  • präventive und gesundheitsfördernde Angebote, die einen Ausgleich zur beruflichen Tätigkeit darstellen, der Gesunderhaltung dienen und die eigene Gesundheitskompetenz stärken.
  • mehr Entlastung und Unterstützung für pflegende Angehörige, die eine tragende Säule in der Pflege sind.
  • eine Verteilung der Kosten auf mehrere Schultern. So sind z.B. die Investitionskosten von den Bundesländern zu tragen und dürfen nicht den Pflegebedürftigen aufgelastet werden. 
  • eine bessere Finanzierungsgrundlage für die Pflege, denn diese darf kein Renditemodell für private Kapitalgeber werden. 
  • mehr digitale Transformation und mehr Einsatz digitaler Technologie dort, wo sie sinnvoll sind und zur Entlastung beitragen können.
  • mehr Anerkennung und Wertschätzung der pflegenden Tätigkeit in den Gesundheitseinrichtungen und in der Gesellschaft. 
  • eine Führungsphilosophie, die frei ist von eigenem Machtstreben, die sich am Bedarf der Mitarbeitenden ausrichtet sowie diese in ihrem Tun unterstützt und fördert.

Wenn du Schiffe bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.

 (Zugeschrieben dem französischen Autor Antoine de Saint-Exupéry).

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