Neue Studie: Wie bewegungsfreundlich sind Deutschlands Städte?

Die Barmer GEK und Bild am Sonntag haben die Sporthochschule Köln mit einer Studie beauftragt, die ermitteln sollte, wie bewegungsfreundlich Deutschlands Städte sind. Nun liegt das Ergebnis vor. Unter den 28 untersuchten Städten liegt Potsdam auf Platz 10, Berlin auf Platz 16. Die bewegungsfreundlichste Stadt ist Karlsruhe.

100 Testpersonen pro Stadt

Ob sich Menschen in ihrem Alltag ausreichend Bewegen, also mit Fahrrad statt mit Auto zur Arbeit fahren, ihren Einkäufe zu Fuß erledigen oder einen Sonntagsspaziergang unternehmen, hängt mit von der Bewegungsfreundlichkeit ihres Wohnortes ab. Aber wie lässt sich die Bewegungsfreundlichkeit einer Stadt messen und bewerten? Die Sporthochschule Köln hat hierzu sieben Kriterien festgelegt: Wohndichte, Entfernung zu Alltagszielen, Infrastruktur der Fuß– und Radwege, Qualität der Infrastruktur, Straßenkonnektivität, Sicherheit und Attraktivität. Jeweils 100 Personen aus 28 Städten beurteilten über zwei Monate die Bewegungsmöglichkeiten ihrer Stadt anhand dieser Kriterien.

Radfahrer auf Brücke

Was Potsdam hat und Berlin nicht

Im Ranking der 28 Städte lässt Potsdam Berlin um sechs Platze hinter sich. Die Potsdamer sind wesentlich zufriedener mit der Qualität ihrer Verkehrsinfrastruktur, also mit dem Zustand ihrer Geh– und Fahrradwege, Haltestellen, Sitzgelegenheiten in Parks und Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Geschwindigkeitsbegrenzungen, sichere Fußgängerüberwege und ausreichende Straßenbeleuchtung führen außerdem dazu, dass sich die Potsdamer auf der Straße sicherer fühlen als die Berliner.

Wohnort entscheidet mit über Gesundheitsstatus

Wer in seiner Nachbarschaft zu Fuß die wichtigsten Länden erreicht, gut ausgebaute Geh– und Fahrradwege nutzen kann und Grünanlagen in der Nähe hat, bewegt sich rund 70 Minuten mehr in der Woche als Menschen, die in einer weniger guten Umgebung wohnen. Für die Gesundheit macht das einen großen Unterschied. Eine Reihe von Studien hat ergeben, dass Bewegung positive Effekte bei Diabetes Mellitus, Hypertonie, leichter Depression, Tumorerkrankungen und demenziellen Erkrankungen hat. Forscher der „European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition“ haben sogar errechnet, dass im Jahr 2008 rund 676.000 Menschen an den Folgen von Bewegungsmangel gestorben sind. Dabei reichen schon 20 Minuten zügiges Spazierengehen täglich, um die Sterblichkeit zu senken.

Krankenkassen steigern Ausgaben für Prävention

Oft sind es also einfache Maßahmen, wie Spazierengehen, die einen große Effekt für die Gesundheit haben. Umso wichtiger ist es, Menschen zu ermöglichen, diese Maßnahmen zu ihrer festen Gewohnheit zu machen. Experten sind sich deshalb einig, dass Prävention in den verschiedenen Lebenswelten stattfinden muss, also in den Betrieben, Schulen und Kitas. Diesem Ansatz folgt auch das Präventionsgesetz, das 2016 in Kraft tritt. Es sieht vor, dass die gesetzlichen Krankenkassen pro Versichertem zusätzlich vier Euro in die betriebliche Gesundheitsförderung und in Präventionsmaßnahmen in Lebenswelten außerhalb der Betriebe investiert.

Daten und Fakten zu Bewegung im Alltag

  • Die Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel gehen 30 Prozent mehr zu Fuß als Autofahrer.
  • Duschmöglichkeiten und ein sicherer Parkplatz für das Fahrrand erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen zur Arbeit radeln.
  • 84 Prozent der Menschen, die einen Schrebergarten besitzen, sind an fünf bis sieben Tagen in der Woche mindestens 30 Minuten körperlich aktiv. Unter den Menschen ohne Schrebergarten schaffen dies nur 62 Prozent.
  • 80 Prozent der Hundebesitzer erreichen durch regelmäßiges Gassi-Gehen die WHO-Empfehlung von 150 Minuten moderater Bewegung in der Woche. Unter den Menschen ohne Hund erreichen nur 59 Prozent diese Empfehlung.
  • In Gegenden mit viel Grünflächen treten Depressionen, Asthma und koronare Herzerkrankungen seltener auf.
  • Je besser Geschäfte des alltäglichen Bedarfs in der Nachbarschaft zu Fuß erreichbar sind, desto niedriger ist der Body-Maß-Index der Anwohner.

Das Städte-Ranking im Überblick: 1 Karlsruhe, 2 München, 3 Hannover, 4 Kiel, 5 Jena, 6 Braunschweig, 7 Nürnberg, 8 Frankfurt am Main, 9 Bremen, 10 Potsdam, 11 Mainz, 12 Magdeburg, 13 Düsseldorf, 14 Schwerin, 15 Leipzig, 16 Berlin, 17 Rostock, 18 Köln, 19 Bremerhafen, 20 Lübeck, 21 Halle an der Saale, 22 Hamburg, 23 Ludwigshafen, 24 Erfurt, 25 Wiesbaden, 26 Stuttgart, 27 Dresden, 28 Saarbrücken.

Webcode dieser Seite: p004054 Autor: Barmer Erstellt am: 13.01.2016 Letzte Aktualisierung am: 15.12.2016
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