Portraits eines kleinen Jungen mit geröteten Augen
Kinderkrankheiten:

Nach Rückgang während Corona-Pandemie drohen nun Nachholeffekte

Lesedauer unter 2 Minuten

Die Eindämmungsmaßnahmen während der Corona-Pandemie haben dazu geführt, dass in den vergangenen Jahren deutlich weniger Kinder in Berlin und Brandenburg von klassischen Kinderkrankheiten wie etwa Ringelröteln oder Scharlach betroffen waren. Laut Barmer Arztreport waren im Jahr 2021 rund 820 Kinder in Berlin und rund 960 Kinder in Brandenburg an Scharlach erkrankt. Im Jahr 2019 waren es noch rund 10.500 beziehungsweise 6.400. Doch Infektionskrankheiten können nachgeholt werden. „In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, wo, anders als in Berlin und Brandenburg, Scharlach zu den meldepflichtigen Infektionserkranken gehört, sind seit Beginn dieses Jahres bereits mehr erkrankte Kinder registriert worden als im gesamten Jahr 2022“, sagt Gabriela Leyh, Landesgeschäftsführerin der Barmer Berlin/Brandenburg. 

Impfung hat Windpocken fast eingedämmt

Kein Pandemie-Effekt ist hingegen bei der Hand-Fuß-Mund-Krankheit festzustellen. Die Zahl der betroffenen Kinder sank zwar zwischen 2019 und 2020 in Berlin zunächst von rund 16.900 auf 4.100 und in Brandenburg von 11.300 auf 3.080. Im Jahr 2021 stiegen die Fallzahlen jedoch wieder an auf rund 12.700 Fälle in Berlin und 9.700 in Brandenburg. Eine mögliche Ursache hierfür ist der Ansteckungsweg bei der Hand-Fuß-Krankheit. Anders als zum Beispiel bei Scharlach kann er auch über kontaminierte Oberflächen erfolgen. Während es gegen Scharlach und die Hand-Fuß-Mund-Krankheit keinen Impfschutz gibt, sprach die Ständige Impfkommission (STIKO) im Jahr 2004 eine Empfehlung zur Impfung gegen Windpocken aus. Die Impfempfehlung zeigte Wirkung. Die Zahl der erkrankten Kinder sank in Berlin kontinuierlich von rund 14.300 im Jahr 2005 auf rund 500 im Jahr 2021 und in Brandenburg von 9.500 auf knapp 400.

Immer mehr Kinder mit sprachlichen Entwicklungsstörungen

In ihrem Arztreport stellte die Barmer eine weitere Auffälligkeit fest: Der Anteil der Kinder mit sprachlichen Entwicklungsstörungen stieg in Berlin von 7,8 Prozent im Jahr 2005 auf 12,8 Prozent im Jahr 2021. In Brandenburg sind Sprachstörungen noch etwas häufiger. Sie stiegen hier im gleichen Zeitraum von 9,4 Prozent auf 13,4 Prozent an. „Ob tatsächlich immer mehr Kinder an Sprachstörungen leiden oder vermehrt Diagnosen gestellt werden, weil Eltern, Erzieherinnen und Erzieher sowie Ärztinnen und Ärzte bei der sprachlichen Entwicklung aufmerksamer geworden sind, ist unklar“, so Leyh. Wichtig sei, dass Eltern mit ihren Kindern zu den vorgesehenen U-Untersuchungen gehen, damit Entwicklungsstörungen und Erkrankungen möglichst früh erkannt und behandelt werden können.