Die Barmer hält ihren Beitragssatz stabil. Das hat der Verwaltungsrat der Barmer am 19. Dezember 2026 beschlossen. „Die vorausschauende Haushaltsstrategie der BARMER zahlt sich für ihre 8,3 Millionen Versicherten aus. Finanzielle Stabilität, hohe Leistungsstärke und ausgezeichneter Kundenservice sind gerade in diesen herausfordernden Zeiten ein starkes Signal der Verlässlichkeit“, sagte Sylvi Krisch, Vorsitzende des BARMER-Verwaltungsrats. Im Gegensatz zu anderen Krankenkassen habe die BARMER ihre gesetzlich vorgeschriebene Mindestrücklage bereits im Frühjahr 2025 vollständig aufgefüllt. Dies ermögliche nun einen stabilen Beitragssatz und Handlungsspielräume für Investitionen in Leistungs- und Serviceangebote, so Krisch.
Interessenkonflikte zwischen Bund und Ländern in der Gesundheitsversorgung wachsen weiter
Dass die Barmer den Zusatzbeitragssatz aufgrund vorausschauender Haushaltspolitik stabil hält, darf nicht über die wachsenden Finanzprobleme in der GKV hinwegtäuschen. „In der letzten Bundesratssitzung des Jahres 2025 hat die Bundesgesundheitsministerin für Insider nicht überraschend ein Milliardendefizit in zweistelliger Höhe für 2027 angekündigt. In Kenntnis dessen verständigt man sich auf einen Kompromiss mit den Ländern, der die Ausgaben im Krankenhausbereich für 2026 begrenzt, ohne dass dies Auswirkungen für Folgejahre haben soll. Unklar bleibt weiterhin, wie die mit der Krankenhausreform vom Bund versprochenen und von den Ländern anerkannten, notwendigen Strukturveränderungen umgesetzt, Qualität und Patientensicherheit gestärkt und die Krankenhausversorgung personell und finanziell zukunftsfest gemacht werden sollen,“ sagt Gabriela Leyh, Landesgeschäftsführerin der BARMER Berlin/Brandenburg. „Wohlwissend, dass qualifizierte und tariflich finanzierte Pflegekräfte in vielen Kliniken bereits wieder für Hilfsarbeiten genutzt werden, weil die Personalknappheit und Finanzlücken groß sind, geht der Kampf ums Aufweichen von bundesweiten Qualitätsvorgaben weiter.“
Pharmabranche könnte kurzfristig Beitrag leisten
In Anbetracht aus dem Ruder gelaufener Ausgaben insbesondere für Krankenhäuser und Arzneimittel und fordern die gesetzlichen Krankenkassen entschiedene Reformen, die u.a. auch die Pharmaindustrie einbeziehen. „Bei den Preisverhandlungen müssen wir zu einem fairen Verfahren zurückkehren, das den tatsächlichen Zusatznutzen von Arzneimitteln wieder stärker berücksichtigt“, sagt Leyh. Auch eine befristete und moderate Erhöhung des Herstellerabschlags, den die Industrie den Kassen gewähren muss, wäre eine Erleichterung.
Bund muss sich ehrlich machen
„Wir erleben eine verkehrte Welt. Während der Bund weiterhin den Beitragszahlern der gesetzlichen Krankenversicherung allein zehn Milliarden Euro jährlich für die Versicherung von Bürgergeldempfängern und in der Pflegeversicherung für die Rückzahlung der coronabedingten Kosten in Höhe von über fünf Milliarden Euro schuldet, sollen Darlehen über die strukturellen Defizite und den fehlenden Reformwillen und -mut hinwegtäuschen.“, so Leyh weiter „Es ist höchste Zeit, die Kranken- und Pflegeversicherung finanziell nachhaltig zu stabilisieren. Bund und Länder müssen sich ehrlich machen und mit einer verantwortungsvollen Ordnungspolitik Strukturreformen auf den Weg bringen, um das Gesundheits- und Pflegesystems für die Zukunft zu sichern“, fordert Leyh