Zentrale Ergebnisse des Arzneimittelreports:
2023 ließen sich in Bayern nur 30 Prozent der über 60-Jährigen gegen Grippe impfen. Das liegt unter den Quoten von 2020 bis 2022 und weit unter dem WHO-Ziel von 75 Prozent.
Mehr als die Hälfte der besonders gefährdeten Personen, wie Pflegebedürftige oder Herzinfarktpatienten, blieb ungeimpft.
Die seit 2022 mögliche Impfung in Apotheken spielt kaum eine Rolle: Nur 0,5 Prozent der Grippeschutz-Impfungen fanden dort statt.
München, 20. Februar 2026 – In Bayern bleibt die Grippeimpfquote hinter internationalen Zielen zurück, wie der aktuelle BARMER-Arzneimittelreport zeigt. Besonders alarmierend ist der unzureichende Schutz von Risikogruppen. Ältere und chronisch Kranke sind besonders gefährdet, ebenso wie Patienten in Pflegeeinrichtungen oder nach einem Herzinfarkt. Laut BARMER-Report erhielten 2023 rund zwei Drittel dieser Versicherten in Bayern keine Impfung. "Eine Grippeimpfung kann Leben retten. Bei Herzpatientinnen und -patienten verbessert sie nachweislich die Überlebenschancen. Dennoch werden wichtige Empfehlungen zu selten umgesetzt", sagt Alfred Kindshofer, Landesgeschäftsführer der BARMER in Bayern. "Internationale Fachgesellschaften empfehlen die Grippeimpfung inzwischen ausdrücklich als festen Bestandteil der Vorsorge für Herzpatienten", erläutert Kindshofer. Hausärztinnen und Hausärzte spielten daher eine zentrale Rolle bei der Aufklärung.
Besonders niedrig sind die Quoten in Bayern laut BARMER-Arzneimittelreport bei den 60- bis 64-Jährigen mit 17,1 Prozent sowie bei den 65- bis 69-Jährigen mit 24,4 Prozent. Erst ab 80 Jahren steigen die Werte auf gut 40 Prozent. Damit wird das WHO-Ziel von 75 Prozent jedoch weiterhin deutlich verfehlt. Viele Menschen würden den von der Ständigen Impfkommission--STIKO empfohlenen Impfbeginn ab 60 Jahren offenbar noch nicht als notwendig wahrnehmen, so BARMER-Landeschef Kindshofer. Auch die seit 2022 mögliche Impfung in Apotheken habe die Gesamtquote kaum beeinflusst: 99,5 Prozent der Impfungen bei den über 60-Jährigen in Deutschland erfolgten weiterhin in Arztpraxen.
Pflegebedürftige oft ungeimpft
Der BARMER-Arzneimittelreport zeigt, dass das WHO--World-Health-Organisation-Ziel von 75 Prozent auch bei Pflegebedürftigen ab 60 Jahren deutlich verfehlt wird. In stationären Pflegeeinrichtungen waren bundesweit zuletzt 48,9 Prozent geimpft, bei häuslich Pflegebedürftigen 45,6 Prozent. Kindshofer: "Gerade für Pflegeheimbewohnende kann eine Influenza-Infektion extrem gefährlich sein. Hier müssen wir dringend nachbessern".
Fragen & Antworten
Wie hoch ist die aktuelle Impfquote?
2023 waren nur 30 Prozent der Menschen ab 60 Jahren in Bayern geimpft – deutlich unter dem WHO‑Ziel von 75 Prozent.
Wie wirkt die Impfung bei Herzkranken?
Die Grippeimpfung kann das Risiko für schwere Herzereignisse, einschließlich Todesfällen, um 30 bis 40 Prozent senken. Deshalb wird sie international als wichtiger Bestandteil der Herzvorsorge empfohlen.
Wie wurden die Daten erhoben?
Die Daten stammen aus anonymisierten Abrechnungsdaten der BARMER von 2017 bis 2023. Berücksichtigt wurden bei der BARMER versicherte Erwachsene mit dokumentierter Influenza-Impfung in der ambulanten ärztlichen Versorgung und in Apotheken.