BARMER-Pflegereport

Bayern: Corona hat Pflegekräfte mehr belastet als je zuvor

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München, 19. Januar – Pflegefachkräfte in Bayern waren noch nie so sehr von Corona betroffen wie im Jahr 2022. Das geht aus dem aktuellen Pflegereport der BARMER hervor. Besonders im März und Juli des Jahres 2022 gab es in dieser Berufsgruppe viele Krankschreibungen mit einer COVID-19-Erkrankung. Im März gab es mit rund 24 AU-Bescheinigungen je 1.000 Pflegefachkräfte im Pflegeheim die bisherige Spitze an AU-Bescheinigungen seit Beginn der Pandemie. Im Vergleich zu März 2021 waren es 10 Mal so viele Krankmeldungen (2,4 je 1.000). Im Juli dieses Jahres waren es sogar fast 18 Mal so viele wie im selben Zeitraum ein Jahr zuvor (9 und 0,5 je 1.000). "Unser Report erhärtet den Eindruck, der in der Pandemie gewonnen wurde", sagt Alfred Kindshofer, Landesgeschäftsführer der BARMER in Bayern. Es sei dringend notwendig, wirksame Schutzkonzepte für weitere Infektionswellen zu entwickeln und die Arbeitsbedingungen von Pflegekräften zu verbessern.

Pflegekräfte in Bayern denken an Berufswechsel

Die Arbeitszufriedenheit der Pflegekräfte hat sich seit der Corona-Pandemie verschlechtert. Im Freistaat denken neben den Pflegekräften im Saarland und in Niedersachsen bundesweit die meisten Pflegekräfte daran, den Beruf zu wechseln. Das ergab die den Pflegereport begleitende Befragung der Barmer und des IFBG  unter bundesweit 1.004 Pflegekräften. 48 Prozent der Pflegekräfte berichten, dass sie oft und immer Überstunden machen müssen und Pausen nicht regelmäßig einlegen können. Sowohl vor der Corona-Pandemie (48,8 Prozent) als auch zum Befragungszeitpunkt im März des Jahres 2022 (51,8 Prozent) gab zumindest die Hälfte der Pflegekräfte an, nie trotz schwerer Krankheitssymptome zur Arbeit zu kommen. "Der Pflegeberuf muss attraktiv sein. Wir müssen dringend Maßnahmen ergreifen um die Arbeitsanforderungen und die Arbeitszufriedenheit der Pflegekräfte in Bayern zu verbessern, um die Pflege zu gewährleisten“, fordert Kindshofer.

Pflegebedürftige und Corona

Aber auch Pflegebedürftige in Heimen waren stark von den jeweiligen Corona-Wellen betroffen. Zu Beginn der Pandemie waren 50 bis 60 Prozent der mit COVID-19 Verstorbenen stationär Pflegebedürftige. "Für viele Menschen hat Corona seinen Schrecken verloren. Corona-Maßnahmen werden immer weiter heruntergefahren. Doch Pflegeheime sind nach wie vor Corona-Hotspots. Hier finden sich besonders vulnerable Gruppen. Wir brauchen auch weiterhin ein Corona-Konzept mit Augenmaß vor allem für besonders Schutzbedürftige", so Alfred Kindshofer weiter.

Eintritte in die stationäre Dauerpflege steigen sprunghaft

Wie aus dem Pflegereport weiter hervorgeht, sind im Jahr 2021 die Eintritte in die stationäre Dauerpflege in Bayern sprunghaft von 45.30 auf über 70.500 und damit um rund 65 Prozent angestiegen. "Zu Beginn der Pandemie sind auch deswegen weniger Menschen ins Pflegeheim gekommen, weil die Angehörigen Angst um deren Gesundheit hatten. Durch die Impfungen und das Einhalten der Abstands- und Hygieneregeln konnte das Corona-bedingte Sterberisiko insgesamt aber deutlich gesenkt werden. Die Pflegeheime müssen aber für weitere Corona-Wellen gewappnet sein", sagt Kindshofer. Zu Beginn der Pandemie sind weniger Pflegebedürftige vollstationär gepflegt worden. In Bayern sank die Anzahl der Menschen in vollstationärer Dauerpflege von 45.300 im Jahr 2017 auf 42.830 im Jahr 2020. Das entspricht einem Minus von rund 5 Prozent.

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