Die Zahl der Pflegebedürftigen in Bayern stieg von 385.600 im Jahr 2017 um 62 Prozent auf 626.500 im Jahr 2024.
Der BARMER Pflegereport zeigt: Der Hauptgrund für den Anstieg der Pflegebedürftigen ist der seit Januar 2017 geltende neue Pflegebedürftigkeitsbegriff. Er hat neben der Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade zu einer deutlichen Leistungsausweitung geführt.
Auch die Kosten für die stationäre Pflege in Bayern steigen von Jahr zu Jahr. Größter Kostenfaktor ist der Eigenanteil, den Pflegebedürftige selbst tragen müssen. Er stieg in Bayern von 2018 bis 2025 um insgesamt 86 Prozent.
Alfred Kindshofer, Landesgeschäftsführer der BARMER in Bayern: "Die Aufwendungen in der Sozialen Pflegeversicherung steigen stark an. Das liegt weniger an der alternden Gesellschaft, sondern vielmehr an der Leistungsausweitung durch die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes. Die Pflegeversicherung muss umgehend reformiert und finanziell stabilisiert werden. Die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler dürfen nicht noch stärker belastet werden."
München, 26.02.2026 – Die soziale Pflegeversicherung steht vor großen Herausforderungen. Laut BARMER-Pflegereport steigt die Zahl der Pflegebedürftigen in Bayern seit Jahren stark an. Von 2017 bis 2024 stieg die Anzahl der Pflegebedürftigen um 62 Prozent von 385.600 auf rund 626.500. Gleichzeitig stiegen auch die Eigenanteilskosten für die stationäre Pflege in Bayern in den letzten Jahren um 86 Prozent von 1.766 Euro im Jahr 2018 auf 3.286 Euro im Jahr 2025. Am stärksten stieg der EEE--Einrichtungseinheitliche Eigenanteil um fast das Dreifache von 733 Euro im Jahr 2018 auf 1950 Euro im Jahr 2025. Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung stiegen im gleichen Zeitraum um 45 Prozent von 628 Euro auf 910 Euro. Die Investitionskosten, etwa für Bau, Instandhaltung und Ausstattung der Pflegeheime, stiegen um 5,2 Prozent. Die Pflegeversicherung droht damit ihr selbstgestecktes Ziel, pflegebedingte Verarmung und Abhängigkeit von staatlicher Unterstützung zu vermeiden, zu verfehlen. "Die Pflegeversicherung muss umgehend reformiert und finanziell stabilisiert werden. Die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler dürfen nicht noch stärker belastet werden", fordert Alfred Kindshofer, Landesgeschäftsführer der BARMER in Bayern.
Kostentreiber Pflegereform 2017
Der Pflegereport zeigt: ein zentraler Kostentreiber ist nicht die Alterung in der Gesellschaft, sondern die Pflegereform aus dem Jahr 2017. Mit der Einführung der Pflegegrade und der Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes wurde der Kreis der Anspruchsberechtigten größer: Hatten in Bayern im Jahr 2017 20.700 Menschen den Pfleggrad 1 waren es im Jahr 2024 117.500.
Pflegeausbildung muss steuerfinanziert werden
Um die Pflegeversicherung und die Pflegebedürftigen zu entlasten, müssen diese von den Kosten für die Pflegeausbildung befreit werden. "Hier ist der Freistaat in der Pflicht, denn die Ausbildung von Pflegekräften stellt eine öffentliche Aufgabe dar und muss deshalb über Steuern finanziert werden", fordert Alfred Kindshofer, Landesgeschäftsführer der BARMER in Bayern. Außerdem sollte der Freistaat die Investitionskosten übernehmen.
Professionelle Pflege muss strukturell gestärkt werden
Der Pflegereport der BARMER macht deutlich: Auch in Bayern steigt die Zahl der pflegebedürftigen Menschen weiter. "Um die Versorgung nachhaltig zu sichern, muss die professionelle Pflege strukturell gestärkt werden," fordert Dr.--Doktor Sabine Berninger, Geschäftsführerin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe Südost e.V.--eingetragener Verein „Pflegefachpersonen übernehmen bereits heute die Erhebung des Versorgungsbedarfs, planen und steuern Maßnahmen und tragen Verantwortung für komplexe Versorgungsverläufe. Mit dem Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege--BEEP werden zusätzliche eigenständige Befugnisse geschaffen. Entscheidend ist nun, dass diese Kompetenzen auch verbindlich und refinanziert im Leistungsrecht verankert werden. Eine Reform der Pflegefinanzierung darf sich nicht auf eine Umverteilung von Mitteln beschränken. Pflege muss als eigenständiger Leistungsbereich im Gesundheitssystem klar definiert und strukturell abgesichert werden. Jetzt gilt es, die rechtlichen und systemischen Voraussetzungen so zu gestalten, dass Pflege ihr volles Potenzial für die Versorgung der Menschen entfalten kann“, betont Berninger.
Fragen & Antworten
Seit wann gibt es die soziale Pflegeversicherung und warum wurde sie gegründet?
Die Einführung der sozialen Pflegeversicherung im Jahr 1995 sollte die Menschen im Fall einer Pflegebedürftigkeit finanziell unterstützen. Seitdem kommt die SPV für einen Teil der Pflegekosten zuhause und im Heim auf. Alle, die gesetzlich krankenversichert sind, sind automatisch in der SPV versichert. Privat Krankenversicherte müssen eine private Pflegeversicherung abschließen.
Wie hat sich die Zahl der Pflegebedürftigen in Bayern entwickelt?
Laut BARMER-Pflegereport steigt die Zahl der Pflegebedürftigen in Bayern seit Jahren stark an. Von 2017 bis 2024 stieg die Anzahl der Pflegebedürftigen um 62 Prozent von 385.600 auf rund 626.500.
Welche Veränderung brachte das 2. Pflegestärkungsgesetz?
Mit ihm wurde ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt. Aus Pflegestufen wurden Pflegegrade. Pflegegrad 1 wurde eingeführt.
Wie entwickeln sich die Eigenanteile zur Heimpflege, die durch die Pflegebedürftigen selbst aufzubringen sind?
Der Eigenanteil zur Heimpflege, der durch die Pflegebedürftigen selbst aufzubringen ist, ist auch im letzten Jahr weiter gestiegen. Im ersten Jahr der Heimpflege liegen die bundesdurchschnittlichen Eigenanteile in Bayern inzwischen bei 3.286 Euro (3.100 Euro bundesweit) und damit bei weit mehr, was Pflegebedürftige mit durchschnittlichen Alterseinkünften finanzieren können.