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Barmer-Landesgeschäftsführer fordert Ausgleich zwischen sozialer und privater Pflegeversicherung und eine steuerfinanzierte Familienpflegezeit

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  • Die Ausgaben der sozialen Pflegeversicherung sind mit 68,2 Mrd. Euro deutlich höher als in der privaten Pflegeversicherung (2,6 Mrd. Euro).
  • Pflegende Angehörige nicht durch darlehensfinanzierte Familienpflegezeit doppelt belasten, sondern durch steuerfinanziertes Modell entlasten.
  • "Die Politik muss den Mut haben, die Pflege zu reformieren, bevor der Ruf nach radikalen Änderungen lauter wird und unsere Gesellschaft spaltet." Winfried Plötze, Landesgeschäftsführer der Barmer in Baden-Württemberg

Stuttgart, 3. Februar 2026 - Die soziale Pflegeversicherung (SPV) steht vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. Trotz kontinuierlich steigender Beitragssätze lagen ihre Ausgaben im Jahr 2024 mit 68,2 Milliarden Euro erneut über den Einnahmen in Höhe von 66,7 Milliarden Euro. Diese Entwicklung gefährdet nach Einschätzung von Winfried Plötze, Landesgeschäftsführer der Barmer in Baden-Württemberg, nicht nur die Stabilität der Pflegeversicherung, sondern auch die gesellschaftliche Akzeptanz des solidarisch finanzierten Systems. "Die steigenden Beitragssätze werden von allen Versicherten getragen – auch von denen, die selbst keine Pflegeleistungen in Anspruch nehmen. Gleichzeitig müssen Pflegebedürftige und ihre Angehörigen immer höhere Eigenanteile für die stationäre Versorgung aufbringen. Wenn die finanzielle Belastung weiter wächst, stellt sich für viele die Frage, wofür die Pflegeversicherung überhaupt noch da ist." Plötze fordert deshalb die Politik auf, dringend strukturelle Reformen einzuleiten, um eine weitere Verschärfung der Lage zu verhindern. Besonders notwendig sei ein Finanzausgleich zwischen der sozialen und der privaten Pflegeversicherung (PPV). Trotz identischer Leistungsansprüche sind die Pro-Kopf-Ausgaben der PPV deutlich niedriger, vor allem aufgrund der günstigeren Versichertenstruktur. Laut Bundesministerium für Gesundheit bezogen im Jahr 2024 7,6 Prozent der SPV-Versicherten Pflegeleistungen, in der PPV dagegen lediglich 4,1 Prozent. Darüber hinaus spricht sich der Barmer-Landeschef für eine steuerfinanzierte Pflegezeit aus, um pflegende Angehörige zu entlasten. Das derzeitige Modell, das lediglich eine durch ein Darlehen finanzierte Freistellung vorsieht, werde kaum genutzt. "Das überrascht mich nicht. Wer für die Pflege aus dem Job aussteigt, Einkommenseinbußen hinnehmen muss und später auch noch einen Kredit zurückzahlen soll, wird doppelt bestraft. Das darf nicht sein."

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