Zwei Frauen sitzen auf einer blauen Couch und Fensterbank und sind miteinander in einem Gespräch vertieft.
Gleichstellung

Stark in Führung

Lesedauer unter 5 Minuten

Redaktion

  • Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Bülent Erdogan (Barmer)

Moderne Unternehmen brauchen weibliche Führungskräfte. Bei der Barmer ist der Frauenanteil auf Führungsebene in den vergangenen zehn Jahren um 12 Prozentpunkte gestiegen – auch weil Führungskräfte, Gleichstellungsteam und der Personalbereich gemeinsam den weiblichen Nachwuchs fördern.

Sie wollen führen. In Deutschland stellen Frauen dennoch nur knapp ein Drittel der Führungskräfte – obwohl sie ebenso häufig ein Studium absolvieren und ebenso qualifiziert sind wie Männer. Wie geradlinig Frauen bei einem Arbeitgeber Karriere machen können, der sich deren Förderung zum Ziel gesetzt hat, zeigt das Beispiel von Kira Middelveld.

Nach Abschluss ihrer zweiten Ausbildung übernahm sie 2016 die Regionalgeschäftsführung der Barmer Geschäftsstelle in Solingen – da war sie 25 Jahre alt. Nicht ungewöhnlich bei der Barmer: In ihrer Altersgruppe liegt der Frauenanteil in Führungspositionen bei 52 Prozent. Trifft sie sich heute mit anderen Regionalgeschäftsführungen, gehört sie jedoch immer noch zu den Jüngeren. Oft ist sie die einzige Frau. Der aktuelle Frauenanteil in Führungspositionen liegt bei der Barmer zwar bei 31 Prozent, in der oberen Führungsebene sind es sogar 43 Prozent und bei der Teamleitung in der Fläche sind es bereits 45 Prozent. Nach wie vor sind jedoch rund 80 Prozent aller Haupt- und Regionalgeschäftsführungen männlich.

Aktive Förderung

„Ich wusste schon mit Anfang 20, dass ich eine Führungsposition übernehmen will“, sagt Kira Middelveld. Was ihr half, dieses Ziel zu erreichen: spezielle Fördermaßnahmen der Barmer. So wie das Entwicklungsprogramm „Lust auf Führung“, in dem Mitarbeitende die Grundlagen des Managements lernen. Oder wie das Seminar „Auf dem Weg nach oben“, eine Entscheidungshilfe für den zukünftigen Karriereweg, an dem Kira Middelveld schon mit 23 Jahren teilnahm. Darüber hinaus bewarb sie sich erfolgreich für ein Mentoring-Programm und hospitierte in anderen Filialen, um das Aufgabenspektrum kennenzulernen. Mehrmals übernahm sie als „Führungskraft auf Zeit“ in Vertretung verschiedene Geschäftsstellen, bis sie sich bereit für den nächsten Schritt fühlte. Ihre Vorgesetzten hätten sie bei alldem aktiv unterstützt, sagt sie: „Sie waren immer für mich da.“

Vielfalt gewinnt

Die Unternehmenskultur hat einen wichtigen Einfluss auf die Karrierechancen von Frauen. Werden diese nicht genügend gefördert oder besetzen männliche Vorgesetzte offene Stellen bevorzugt mit männlichen Kandidaten, zementiert das die herrschende Homogenität. Der Verwaltungsrat der Barmer hat deshalb 2019 bekräftigt, den Frauenanteil auf allen Führungsebenen – einschließlich des Vorstands – auf 50 Prozent anzuheben. Denn Studien zeigen: Vielfältig aufgestellte Teams arbeiten innovativer, verfügen über eine bessere Selbstkorrektur und sind wirtschaftlicher.

„Ich arbeite seit über 30 Jahren bei der Barmer und seit elf Jahren in Führungspositionen“, sagt Markus Wester. „Meine Erfahrung: Durchmischte Teams sind produktiver und bringen noch bessere Ergebnisse – auch weil das Miteinander anders ist.“

Seit 2017 ist Wester Leiter des Pflege-Zentrums Düsseldorf. Die Führungspositionen dort sind zu rund 70 Prozent mit Frauen besetzt. Um seine Mitarbeitenden auf den nächsten Karriereschritt vorzubereiten, investiert Markus Wester viel Zeit: 2018 bewarben sich mehrere Personen aus seinem Team für ein Förderprogramm. Die begehrten Plätze gingen jedoch an andere. Gleichstellung ist aber nicht nur ein Thema des Personalbereichs, sondern eines, für das sich bei der Barmer alle engagieren.

Mit Rückendeckung durch den Personalbereich initiierte Wester deshalb ein eigenes Förderprogramm. Mit seiner Teamleitung suchte er drei Männer und neun Frauen aus. In Einzelgesprächen wurden deren Qualifikationen und Ziele abgeklopft: „Wer hat Interesse an Personalverantwortung? Wer will sich lieber fachlich spezialisieren? Dann haben wir gemeinsam mit dem Personalbereich passende Maßnahmen gesucht, zum Beispiel projektbezogene Zusammenarbeit mit Führungskräften.“

Dass solche Initiativen viel Zeit kosten, nimmt er gelassen. Mit einer ehemaligen Auszubildenden hat er beispielsweise gerade eine Teilzeitvereinbarung geschlossen, damit diese berufsbegleitend studieren kann.

„Sie steht uns jetzt zwar nicht voll zur Verfügung, bleibt uns aber als Mitarbeiterin erhalten – und verbessert durch das Studium ihre Karrierechancen im Haus.“ Auch dass die junge Frau eines Tages seinen Job übernehmen könnte, sieht Wester sportlich. „Es ist doch toll, wenn sich Kolleginnen oder Kollegen weiterentwickeln. Das Unternehmen gewinnt dadurch. Und mir macht es Freude, sie dabei zu unterstützen.“

Ergebnis- statt Präsenzkultur

Dr. Janine Voß, Abteilungsleiterin Beschaffung und Nachhaltigkeit, schätzt an ihrem Arbeitgeber die Flexibilität und Ergebnisorientierung: „Für alle steht das Erreichen unserer gemeinsamen Ziele im Fokus, Termine werden partnerschaftlich und effizient geplant – bis hinauf zur Vorstandebene“, so Voß. „Natürlich werden von mir Ergebnisse erwartet. Aber ich muss mich nicht durch ständige Überstunden beweisen.“

Voß begann ihr Berufsleben bereits als Führungskraft: Bei einem börsennotierten Konsumgüterhersteller berichteten anfänglich zwei Mitarbeitende an sie, später leitete sie größere Teams. Schon bei ihrem früheren Arbeitgeber halfen ihr Fortbildungen, ihren Führungsstil weiterzuentwickeln. Bei der Barmer gäbe es eine Unternehmenskultur, die durch vertrauensvolle Zusammenarbeit geprägt ist, sagt Voß, die heute eine große Abteilung mit fast 40 Mitarbeitenden führt.

„Wir begleiten als Krankenkasse unsere Versicherten durch die Herausforderungen des Lebens. Das spiegelt sich auch intern wider.“ So erkenne ihr berufliches Umfeld die Herausforderungen an, die ihre Doppelrolle als Abteilungsleiterin und zweifache Mutter mit sich bringe.

Als Voß ihren an Krebs erkrankten Vater während seiner letzten Lebenswochen pflegte, nahmen ihr Mitarbeitende und Vorgesetzte Aufgaben ab, um sie in dieser Zeit zu entlasten. Dieses Miteinander ist ein Wert, der bei der Barmer bewusst gepflegt wird: gemeinsam das höchste Gut des Menschen, die Gesundheit, zu erhalten.

Führen und fördern

Frauen, die sich für eine Führungsposition interessieren, rät Janine Voß, sich nicht selbst zu zensieren. „Gerade berufstätige Mütter spekulieren zu oft darüber, was gewünscht sein könnte und was nicht. Das hält nur auf.“ Als Vorgesetzte achte sie darauf, Aufstiegskandidatinnen anzusprechen und zu ermutigen. Gerade motiviere sie eine Mitarbeiterin, sich als Teamleiterin zu bewerben.

„Die Barmer ist gut aufgestellt, um Frauen nach oben zu bringen“, sagt Voß. So sieht es auch die Regionalgeschäftsführerin Kira Middelveld. „Dadurch, dass das Thema Frauenförderung auf der Agenda steht, gibt es viel mehr Möglichkeiten, sich einzubringen und Prozesse anzustoßen. Und das auf allen Ebenen.“ Sie selbst möchte mit dem nächsten Schritt noch ein paar Jahre warten. Doch schon heute hilft sie mit, die nächste Generation zu fördern: Als Mentorin begleitet Kira Middelveld derzeit eine gleichaltrige Kollegin.