Versorgung

Physician Assistants: Entlastung für Praxen und Kliniken

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Redaktion:
Internetredaktion Barmer
Qualitätssicherung:
Birte Klünder (Ambulante Versorgung und Vertragsstrategie)

Sie interessieren sich für den Einsatz eines Physician Assistant? Dann lohnt sich ein genauerer Blick auf die Einsatzmöglichkeiten, Wirtschaftlichkeit und rechtlichen Rahmenbedingungen. So vermeiden Sie typische Einstiegshürden und nutzen das Potenzial optimal.

Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen ist längst im Alltag angekommen. Viele Praxen und Kliniken stehen vor der gleichen Herausforderung: steigende Patientenzahlen, komplexere Behandlungen und gleichzeitig zu wenig ärztliche Zeit. In diesem Umfeld gewinnt ein Berufsbild an Bedeutung, das in anderen Ländern schon etabliert ist: der Physician Assistant, kurz PA.

Was ist ein Physician Assistant?

Ein Physician Assistant ist ein akademisch ausgebildeter Gesundheitsberuf, der Ärztinnen und Ärzte im Alltag unterstützt. Dabei übernimmt er klar definierte Aufgaben – immer in Delegation und unter ärztlicher Verantwortung. Eigenständige Diagnosen oder Therapieentscheidungen gehören nicht dazu. Gerade diese klare Rollenverteilung macht den Einsatz praktikabel.

International ist der Beruf seit Jahrzehnten anerkannt, vor allem in den USA, Großbritannien oder den Niederlanden. Auch in Deutschland entwickelt sich das Berufsbild dynamisch: Die Zahl der Studiengänge und Studierenden wächst, ebenso wie die Nachfrage aus Praxen und Krankenhäusern.

Mit rund 3.500 Absolventinnen und Absolventen sowie derzeit etwa 5.500 Studierenden an rund 40 Hochschulen bundesweit findet der Physician Assistant zunehmend seinen Platz im deutschen Gesundheitswesen. Aktuell sind etwa drei Viertel der PAs im Krankenhaus tätig, während rund ein Viertel in der ambulanten Versorgung, etwa in Haus- und Facharztpraxen, arbeitet.

Welche Vorteile bieten Physician Assistants?

Physician Assistants können Ihnen dabei helfen, vorhandene Ressourcen effizienter zu nutzen ohne Abstriche bei Qualität oder Sicherheit zu machen. PAs werden darauf vorbereitet, sich schnell in bestehende Abläufe einzufügen und strukturierte Aufgaben zuverlässig zu übernehmen. Damit sind akademisierte Assistenzberufe ein Baustein zur Sicherung der ambulanten und stationären Versorgung.

Die praktischen Vorteile eines Einsatzes von Physician Assistants in Ihrer Praxis oder Klinik:

  • Mehr Zeit für ärztliche Kernaufgaben
  • Entlastung bei Routinetätigkeiten
  • Schnellere Abläufe und kürzere Wartezeiten
  • Bessere Planbarkeit im Praxis- oder Klinikalltag
  • Höhere Patientenzufriedenheit durch mehr Betreuung

Ärztin und Assistent mit Klemmbrett in einem Krankenhaus bei einer Besprechung

Physician Assistants arbeiten in Praxen, MVZ oder Kliniken und übernehmen delegierte Aufgaben unter ärztlicher Verantwortung.

Wie werden Physician Assistants ausgebildet?

Der Weg zum Physician Assistant führt in Deutschland über ein Hochschulstudium, in der Regel zunächst als Bachelor of Science (B.Sc.). Die konkreten Zugangsvoraussetzungen variieren je nach Hochschule. Üblicherweise wird eine Hochschulzugangsberechtigung (Abitur oder Fachhochschulreife) vorausgesetzt. Viele Studiengänge verlangen darüber hinaus eine abgeschlossene Ausbildung in einem Gesundheitsberuf – etwa in der Pflege, als OTA oder MTA – oder einschlägige praktische Erfahrung.

Studiendauer und Aufbau:

Das Studium ist praxisorientiert angelegt und kombiniert wissenschaftliche Grundlagen mit intensiven praktischen Einsätzen.

  • Die Regelstudienzeit im Bachelor beträgt meist sechs bis sieben Semester
  • Ein anschließender Masterabschluss kann in der Regel in zwei weiteren Semestern erworben werden
  • Viele Programme sind dual oder berufsbegleitend organisiert und verzahnen Theorie- und Praxisphasen eng miteinander

Ein bundesweit einheitliches Curriculum existiert bislang nicht. Inhalte und Schwerpunkte unterscheiden sich daher je nach Hochschule.

Studieninhalte:

Das Studium vermittelt theoretisches und praktisches Wissen:

  • Medizinische Grundlagen: Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie, Pharmakologie, Mikrobiologie.
  • Klinische Medizin/Fachbereiche: Innere Medizin, Chirurgie (Allgemein, Unfallchirurgie), Notfallmedizin, Anästhesie, Orthopädie, Gynäkologie, Pädiatrie.
  • Diagnostik und Therapie: Untersuchungsverfahren, EKG-Auswertung, Wundversorgung, Assistenz bei operativen Eingriffen, Hygiene.
  • Management und Recht: Medizinrecht, Krankenhausmanagement, Qualitätsmanagement, Patientensicherheit, Dokumentation, Kommunikation und interprofessionelle Zusammenarbeit

Welche Aufgaben übernehmen Physician Assistants?

PA können überall dort eingesetzt werden, wo Tätigkeiten planbar und wiederkehrend sind. Der konkrete Einsatz von PAs in Praxen, MVZ und Krankenhäusern variiert jedoch stark. 

In Arztpraxen oder MVZ betrifft das zum Beispiel Aufnahmegespräche, Verlaufskontrollen oder organisatorisch geprägte Tätigkeiten wie die Aufbereitung von Befunden. Auch Impf- und Infekt-Sprechstunden lassen sich strukturierter durchführen, wenn Aufgaben sinnvoll verteilt werden.

Im Krankenhaus zeigt sich der Nutzen besonders deutlich im Zusammenspiel vieler Beteiligter: Physician Assistants begleiten Visiten, unterstützen bei Aufnahmeprozessen oder bereiten diagnostische Schritte vor. Auch im OP-Umfeld oder in der Notaufnahme können sie dazu beitragen, Abläufe stabiler und planbarer zu gestalten. 

Was dabei auffällt: Es geht weniger um einzelne Tätigkeiten als um ein anderes Arbeiten im Team. Als Ärztin oder Arzt gewinnen Sie so mehr Freiräume für komplexe Fälle, während klar definierte Aufgaben verlässlich und effizient übernommen werden.

Wann lohnt sich der Einsatz eines Physician Assistants?

Der Einsatz eines Physician Assistant rechnet sich vor allem dort, wo viel ärztliche Zeit in Routinetätigkeiten gebunden ist oder wo hohe Patientenvolumina bewältigt werden müssen.

Durch ihr Hochschulstudium verfügen Physician Assistants über vertiefte medizinische Fachkenntnisse, wissenschaftliche Methodenkompetenz und ausgeprägte Fähigkeiten zur interprofessionellen Zusammenarbeit. Damit sind sie besonders qualifiziert, komplexe delegierte Aufgaben im Behandlungsteam zu übernehmen.

Der wirtschaftliche Effekt entsteht dabei weniger über direkte Erlöse. Da Physician Assistants keine eigenen Leistungen abrechnen, laufen ihre Tätigkeiten über die bestehenden Abrechnungssysteme der Ärztinnen und Ärzte. Fallzahlen und Fallwerte so können gesteigert werden.

Der Gewinn liegt an anderer Stelle: Prozesse werden flüssiger, Wartezeiten kürzer, Abläufe besser planbar. In vielen Fällen lassen sich dadurch mehr Patientinnen und Patienten versorgen oder es können Leistungen durchgeführt werden, für die vorher die Zeit fehlte, wie z. B. Check-Ups, ohne dass die Belastung im Team weiter steigt. So können durch die Entlastung ärztlicher Ressourcen – abhängig von Praxisstruktur und Patientenspektrum – zusätzliche Versorgungskapazitäten entstehen.

So profitieren Sie ganz konkret:

Kosten

  • Gehalt + Lohnnebenkosten (individuell verhandelbar)
  • übliche Arbeitgeberaufwendungen (Arbeitsplatz, Ausstattung)

Abrechnung

  • keine eigenständige Abrechnung
  • Leistungen laufen über ärztliche Abrechnung (EBM/DRG)
  • Voraussetzung: korrekte Delegation

In einzelnen Regionen existieren bereits ergänzende Honorarlösungen, diese sind jedoch nicht flächendeckend.

Was beim Einsatz zu beachten ist

So überzeugend die Vorteile sind, der erfolgreiche Einsatz hängt stark von der Umsetzung ab. Entscheidend ist, dass Aufgaben und Verantwortlichkeiten klar geregelt sind – und damit auch die Haftung bei Fehlern. In der Praxis bewährt es sich, das Einsatzspektrum früh festzulegen und schrittweise auszubauen. Ebenso wichtig sind hierbei eine strukturierte Einarbeitung und ein funktionierendes Abstimmungssystem im Team. Dort, wo Rollen unklar bleiben, entstehen schnell Reibungsverluste, unabhängig davon, wie qualifiziert das Personal ist.

Aus Sicht der Patientinnen und Patienten ist der Einsatz aber in der Regel unkompliziert. In der Praxis zeigt sich häufig, dass das zusätzliche Personal positiv wahrgenommen wird. Viele Patientinnen und Patienten erleben mehr Zeit für Gespräche und fühlen sich besser begleitet – ein Aspekt, der im Alltag oft zu kurz kommt. Die Behandlung durch einen Physician Assistant verursacht zudem keine zusätzlichen Kosten für gesetzlich Versicherte, sie kann allerdings jederzeit abgelehnt werden.

Kein Ersatz – aber eine wirksame Ergänzung

Der Physician Assistants ersetzen keine Ärztin und keinen Arzt. Sie könne jedoch entscheidend dazu beitragen, vorhandene Ressourcen besser zu nutzen. Für viele medizinische Einrichtungen wird das Berufsbild damit zu einem Baustein, um auf strukturelle Herausforderungen zu reagieren: steigender Versorgungsbedarf, knappe Personalressourcen und ein wachsender Druck auf Abläufe.

Ob sich der Einsatz für Sie lohnt, hängt davon ab, wie gezielt ein PA eingesetzt werden kann. Dort, wo Aufgaben sinnvoll verteilt sind und Prozesse wiederkehren, kann der Physician Assistant spürbar zur Entlastung beitragen. Das ist in größeren Praxen, MVZ oder Kliniken der Fall. Aber auch in kleineren Einheiten kann der Einsatz funktionieren, wenn der Bedarf klar erkennbar ist. In der Praxis bewährt es sich, das Einsatzspektrum früh festzulegen und schrittweise auszubauen.

Weiterführende Informationen: