August 2026
Wir freuen uns über eine Vielzahl von vielfältigen und spannenden Projekten und Initiativen, die in den letzten Wochen und Monaten zum Wettbewerb Deutscher Nachhaltigkeitspreis Gesundheit 2026 eingereicht wurden. Die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis vergibt die Auszeichnung erneut in Zusammenarbeit mit der Barmer sowie der Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen.
In einem strukturierten Prozess der Vorauswahl konnten sich in drei Kategorien insgesamt 29 Projekte für eine Nominierung qualifizieren. Die Preisverleihung findet am 4. Dezember 2026 im Rahmen des #DNP26 statt.
Der DNP Gesundheit rückt die zentralen Zusammenhänge zwischen Gesundheit und Nachhaltigkeit in den Fokus von Gesundheitswesen, Politik, Wirtschaft, Medien und Öffentlichkeit. Ziel ist es, mit beispielhaften Projekten die nachhaltige Transformation des Gesundheitssektors zu beschleunigen. Denn wer Versorgung verbessert, Prävention stärkt und Ressourcen schont, gestaltet ein zukunftsfähiges Gesundheitswesen. Der Preis würdigt vorbildliche Maßnahmen, Initiativen und Lösungen, die die medizinische Qualität, gesellschaftliche Verantwortung und ökologische Wirkung verbinden.
Ein unabhängiges Expertengremium bewertet die Einreichungen nach Wirksamkeit, Innovationsgrad, Skalierbarkeit und Umsetzbarkeit. Eine interdisziplinäre Jury bestimmt die Finalisten und Sieger.
Bei vielen Operationen wird das Narkosemittel Propofol verwendet. Wie viel davon für eine Operation notwendig ist, ist bisher schwer vorher zu sagen – mit dem Ergebnis, dass bis zu 50 % ungenutzt im Müll landet. Das schadet der Umwelt: Propofol ist giftig für Gewässer und seine Produktion und Entsorgung verursachen erhebliche Treibhausgasemissionen. Das PREDICT-Projekt des Universitätsklinikums Bonn entwickelt einen Algorithmus, der vorab berechnet, wie viel Propofol ein Patient während einer Operation tatsächlich benötigt – und so Verschwendung gezielt vermeidet. Nach einer erfolgreichen Vorstudie wird das Verfahren nun direkt im OP-Betrieb erprobt. Die mögliche Wirkung ist beachtlich: Allein in kleineren Einrichtungen könnten jährlich Tausende Glasphiolen und bis zu 416 kg CO² eingespart werden. Die entwickelte Lösung soll anschließend kostenlos und weltweit für alle Pumpensysteme verfügbar gemacht werden.
Narkosegase wie Desfluran sind potente Treibhausgase – um ein Vielfaches schädlicher als CO². Bei über 17 Millionen Narkosen jährlich in Deutschland ist das eine erhebliche Umweltbelastung. Das Forum Nachhaltigkeit von DGAI und BDA hat dies zum Anlass genommen, Anästhesieabteilungen konkrete und einfach umsetzbare Wege zur Emissionsreduktion aufzuzeigen: durch Positionspapiere, Fortbildungsformate und praxisnahe Umsetzungshilfen. Die Maßnahmen – etwa die Vermeidung besonders klimaschädlicher Gase und die Optimierung von Frischgasflüssen – beeinträchtigen weder Patientensicherheit noch Versorgungsqualität. Die Wirkung ist messbar: Die Emissionen durch volatile Anästhetika sanken in Deutschland von über 2,5 kg CO²-Äquivalente pro Einwohner im Jahr 2018 auf 0,8 kg im Jahr 2023. Die Initiative hat das Bewusstsein für die Klimawirkung anästhesiologischer Verfahren in Deutschland nachhaltig gestärkt und konkrete Veränderungen in der klinischen Praxis angestoßen.
Krankenhäuser produzieren jährlich enorme Mengen Abfall – doch Entsorgungsprozesse sind oft fragmentiert, intransparent und kaum auf Kreislaufwirtschaft ausgerichtet. Das webbasierte Tool CIRCULARMED ermöglicht Gesundheitseinrichtungen, ihr Abfallaufkommen systematisch zu erfassen, zu analysieren und zu optimieren. Vermeidbare Abfälle werden reduziert und hochwertige Wertstoffe gezielt in den Kreislauf zurückgeführt. Automatisierte Berichte decken Einsparpotenziale bei Kosten, Treibhausgasemissionen und Rohstoffen auf und unterstützen die Erhöhung der Recyclingquote. So entsteht eine belastbare Datenbasis entlang der gesamten Entsorgungskette – Grundlage für nachhaltige Entscheidungen und gesetzliches Reporting. Letztlich zielt CIRCULARMED auf einen bundesweit übertragbaren Standard – mit messbarer Wirkung für Umwelt, Wirtschaftlichkeit und ökologische Verantwortung im Gesundheitswesen.
In Blutbanken laufen täglich Blutplättchen-Präparate ab und werden weggeworfen. Sie müssen für die Behandlung von Gerinnungsstörungen vorgehalten werden, sind jedoch nur wenige Tage haltbar. Gleichzeitig nutzt die medizinische Forschung für die Anzucht von Zellen im Labor ein Produkt, das ethisch in der Kritik steht: Serum aus ungeborenen Kälbern. Die Universitätsmedizin Greifswald gewinnt nun in einem Forschungsprojekt aus abgelaufenen Blutspendeprodukten einen hochwertigen Ersatzstoff– mit klaren Vorteilen: keine Gewinnung aus Tieren, geringeres Risiko für Immunreaktionen, ressourcenschonender Umgang mit Blutspenden und weniger Energieaufwand durch vereinfachte Kühlung. Das Verfahren erfüllt alle Qualitätsanforderungen für den Einsatz in der Arzneimittelherstellung und könnte zukünftig auch in anderen Blutbanken umgesetzt werden.
Forschungsprojekt LyoReg - Fakultät - Universität Greifswald
Seit 2022 setzen die BG Kliniken gGmbH ihre konzernweite Nachhaltigkeitsstrategie systematisch um. Interdisziplinäre Klimateams steuern die Umsetzung an den Standorten; ein konzernweiter Maßnahmenspeicher sichert Dokumentation und Übertragbarkeit. Konkrete Maßnahmen sind bereits sichtbar: Reduktion von Lebensmittelverschwendung, nachhaltigere Speisenversorgung, Recyclingkonzept für chirurgische Einwegmaterialien, flächendeckende Minimal-Flow-Anästhesie, nachhaltige Mobilität sowie Projekte zum Biodiversitätsschutz. Für die kommenden Jahre sind unter anderem ein Einstieg in Kreislaufwirtschaft und digitale Nachhaltigkeitskennzahlen geplant. Langfristiges Ziel ist ein klimaneutraler Krankenhausbetrieb bis spätestens 2045. Als Multiplikatoren in Fachnetzwerken, Vorträgen und Social Media zeigen die Beteiligten, wie Gesundheitseinrichtungen Klimaverantwortung strukturell verankern können.
Klimaschutz BG Kliniken: Auf dem Weg zum klimaneutralen Krankenhaus | BG Kliniken
Klimaschutz im Gesundheitswesen gelingt gemeinsam schneller. Das Kompetenzzentrum für klimaresiliente Medizin und Gesundheitseinrichtungen (KliMeG) bringt Menschen, Wissen und Einrichtungen in einem bundesweiten Netzwerk zusammen. Seit dem Start 2023 ist es von acht Gründungskrankenhäusern auf rund 400 Krankenhäuser und Rehabilitationskliniken sowie etwa 2.000 Pflegeeinrichtungen gewachsen. Über eine frei zugängliche Wissensplattform werden praxiserprobte Lösungen zu Energie, Gebäude, Ernährung, Beschaffung, Mobilität und Hitzeschutz gebündelt und geteilt. Regelmäßige digitale Austauschformate vernetzen Klimamanager:innen und engagierte Mitarbeitende, fördern gemeinsames Lösen von Herausforderungen und verbreiten Best-Practice-Beispiele. So entsteht aus vielen engagierten Einzelnen eine starke Bewegung – die Grundlage, um die Klimaziele des deutschen Gesundheitswesens gemeinsam zu erreichen.
KliMeG – Kompetenzzentrum für klimaresiliente Medizin und Gesundheitseinrichtungen
Die Pharmaindustrie verantwortet rund 25 % der Emissionen des Gesundheitssektors – und 80 % der Umweltwirkung eines Medikaments werden bereits in der Produktentwicklung festgelegt. Dort setzt Elio an: Die KI-gestützte Plattform berechnet automatisch CO²-Äquivalente für chemische Stoffe, für die bislang kaum Nachhaltigkeitsdaten existieren, und macht sie direkt im Arbeitsalltag von Chemiker:innen sichtbar – neben Kriterien wie Preis und Lieferzeit. So können nachhaltigere Optionen früher erkannt und in Entscheidungen einbezogen werden, bevor Entwicklungspfade festgelegt sind. Die Methodik ist wissenschaftlich validiert; schrittweise werden weitere Umweltkategorien wie Wasserverbrauch, Toxizität, Ressourcen und Landnutzung integriert. Elio schafft damit eine Grundlage für eine umweltfreundlichere Pharmaindustrie.
Nachhaltigkeit von oben verordnen – das funktioniert selten. Die KlimaVisite der Charité geht einen anderen Weg: Sie versteht sich als interne Dienstleistung des Nachhaltigkeitsmanagements für die anderen Bereiche. Die KlimaVisite kommt auf Einladung der Teams direkt in deren Klinik-, Forschungs- oder Verwaltungsalltag. Wann, wie lange und in welchem Format – das entscheiden die Mitarbeitenden selbst, Termine werden unkompliziert über ein digitales Buchungstool vereinbart. Inhalte und Methoden werden konsequent an den jeweiligen Arbeitsbereich angepasst: von kurzen Praxisimpulsen für Teams mit wenig Zeit bis zu vertiefenden Workshops. Die Themen reichen von Energieeffizienz und Abfallmanagement bis zu den gesundheitlichen Folgen des Klimawandels. So werden Mitarbeitende zu Multiplikator:innen – nicht weil sie müssen, sondern weil sie wollen. Seit August 2025 wurden bereits 62 KlimaVisiten durchgeführt.
Klimawandel, Umweltverschmutzung und Biodiversitätsverlust beeinträchtigen die Gesundheit von Schwangeren, Säuglingen und Kindern – doch in der Hebammenausbildung spielen diese Zusammenhänge bisher kaum eine Rolle. HebPlanet schließt diese Lücke: Das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderte Forschungsprojekt entwickelt ein praxisnahes Lehrkonzept zu Planetary Health, das partizipativ mit Wissenschaftler:innen, Lehrenden, Studierenden und praktisch tätigen Hebammen erarbeitet wird. Pilotstandort ist die Universitätsmedizin Mainz; anschließend soll ein Best-Practice-Leitfaden die Übertragung auf alle deutschen Hebammenausbildungsstandorte ermöglichen. Ziel ist eine langfristige strukturelle Verankerung – damit Hebammen künftig als informierte Begleiterinnen von Familien und als Multiplikatorinnen für eine gesündere, nachhaltigere Lebensweise wirken können.
In Deutschland leben rund 950.000 Familien mit einem schwer kranken oder behinderten Kind. Sie organisieren Pflege, Therapie und Förderung oft allein – in einem System, das hoch spezialisiert, aber fragmentiert ist. „Das Nest" setzt dem ein integriertes Gegenmodell entgegen: In einem multifunktionalen Haus werden ambulante, teilstationäre und stationäre Angebote aus Gesundheits-, Jugend- und Sozialhilfe zusammengeführt – ergänzt um psychische Gesundheit, Palliativversorgung, Bildungsthemen und ehrenamtliche Unterstützung. Die Familie wird dabei als Einheit verstanden: Leistungen werden nicht isoliert erbracht, sondern aufeinander abgestimmt und gemeinsam mit den Familien gestaltet. Versorgungsbrüche werden so vermieden, Ressourcen effizienter genutzt. „Das Nest" ist damit nicht einfach ein weiteres Angebot im System – sondern Zentrum einer verlässlichen und familienzentrierten Versorgung.
Wie sieht die Zukunft der Gesundheitsversorgung auf dem Land aus? Der Campus Hermeskeil, erste Regioklinik in Rheinland-Pfalz, gibt eine konkrete Antwort: Das ehemalige Krankenhaus mit 140 Betten wurde zu einem integrierten Versorgungscampus umgebaut, der stationäre, ambulante, rehabilitative und pflegerische Leistungen an einem Standort bündelt. Doppelstrukturen wurden abgebaut, spezialisierte Eingriffe in umliegende Kliniken verlagert, neue ambulante Angebote geschaffen. Ein Wandel, der Mut erfordert – aber zwingend ist für eine zukunftsfähige Versorgung. Prävention ist dabei kein Zusatz, sondern strukturelles Prinzip. Mitarbeitende werden über Zukunftsteams aktiv eingebunden; Wandel entsteht gemeinsam. Als praxiserprobtes Modell für eine Transformation, die flächendeckend noch bevorsteht, hat der Campus Hermeskeil Vorbildcharakter für die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum.
Bei einem medizinischen Notfall zählt oft jede Sekunde – doch nicht immer kann der Rettungsdienst direkt vor Ort sein. Region der Lebensretter e.V. alarmiert per App
qualifizierte Ersthelfende aus der unmittelbaren Umgebung, damit diese noch vor dem Rettungsdienst helfen können. Eine integrierte Defi-Map zeigt dabei den nächstgelegenen Defibrillator an, ausgereifte Einsatzprozesse und enge Kooperationen mit den Leitstellen vor Ort machen den Ansatz wirksam. Die Initiative erhöht nachweislich die Überlebens- und Rehabilitationschancen von Betroffenen, entlastet öffentliche Rettungsstrukturen und mobilisiert gesellschaftliches Engagement. Seit der Gründung 2017 ist das System auf über 100 Landkreise und kreisfreie Städte gewachsen; mehr als 50.000 aktive Ersthelfende sind registriert. Als dauerhaft angelegtes, gemeinwohlorientiertes Modell zeigt Region der Lebensretter, wie digitale Daseinsvorsorge Leben retten kann.
Region der Lebensretter e.V. – Dein Retter ein Klick entfernt
Internationale Pflegefachkräfte sind unverzichtbar für die regionale Daseinsvorsorge – doch ihre langfristige Bindung gelingt nur, wenn Anwerbung, Anerkennung und soziale Integration gemeinsam gedacht werden. Die „Regionale Fachkräfteallianz" macht genau das zur Gemeinschaftsaufgabe: Pflegebetriebe, Kommunen, Verwaltung und Zivilgesellschaft bündeln ihre Kräfte, statt um knappe Fachkräfte zu konkurrieren. Betriebe werden durch Trainings und Beratung befähigt, Integration professionell zu steuern; Sportvereine, Kultureinrichtungen und Religionsgemeinschaften fördern die soziale Teilhabe vor Ort. Auch Familiennachzug wird langfristig mitgedacht. Höchste ethische Rekrutierungsstandards – darunter das RAL-Gütesiegel – schützen vor versteckten Kosten und minimieren Risiken, besonders für kleine und mittlere Betriebe. Ein Modell, das zeigt, wie regionale Kooperation die Pflegeversorgung nachhaltig sichern kann.
Chronische Wunden sind ein unterschätztes Problem: Jede vierte Familie ist betroffen, viele Wunden heilen über Monate nicht. Gleichzeitig fehlen Millionen Beschäftige in der Pflege. Sie zu entlasten und von administrativen Aufgaben zu befreien, ist entscheidend für eine gute Versorgung. cureVision setzt hier an: Eine 3D-Kamera erfasst Wunden kontaktlos und in Sekundenschnelle – Größe, Tiefe, Gewebeverteilung, Wärmebildanalyse und bakterielle Belastung. Eine KI analysiert und dokumentiert den Heilungsverlauf automatisiert. Vormals aufwendige Dokumentation reduziert sich so auf einen Bruchteil der Zeit, die Pflegefachkräfte haben mehr Zeit für die Patientenversorgung. Darüber hinaus vernetzt cureVision alle Beteiligten entlang der Versorgungskette: Pflegefachkräfte, Hausärzt:innen, Wundexpert:innen und Kliniken greifen jederzeit auf einheitliche, aktuelle Informationen zu. Versorgungsbrüche zwischen den Sektoren werden so vermieden, wertvolle Pflegezeit gespart, und Ressourcen gezielt eingesetzt.
KI-gestützte Wundanalyse & digitale Dokumentation | cureVision
Burnout im Gesundheitswesen ist weit verbreitet – mit Folgen nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für ihre Patienten und ihr Umfeld. Das seit 2022 von der Techniker Krankenkasse unterstützte LAGOM-Projekt der Charité setzt hier an: Der neunwöchige Kurs wurde gemeinsam mit Ärzt:innen und Pflegepersonal entwickelt, verbindet Achtsamkeitsmethoden mit konkreten Verbesserungen im Arbeitsumfeld und findet bewusst während der Arbeitszeit statt. Eine wissenschaftliche Studie belegt: Teilnehmende fühlen sich leistungsfähiger, weniger gestresst und berichten von mehr Wohlbefinden. Bislang haben über 110 Mitarbeitende aus mehr als zehn Kliniken den Kurs absolviert, weitere 300 Führungskräfte und Beschäftigte nahmen an Fortbildungen teil. Ziel ist die dauerhafte Verankerung an der gesamten Charité – und die Übertragbarkeit auf andere Berufsgruppen und Einrichtungen.
LAGOM: Nachhaltigkeit - Charité – Universitätsmedizin Berlin
Physiotherapeutische Versorgung ist ungleich verteilt – wer auf dem Land lebt, wartet oft lange auf einen Termin oder findet keinen. Herodikos plus bietet als digitales Tele-Therapie-Programm Patient:innen mit Muskel-Skelett-Schmerzen ortsunabhängig eine Sprechstunde mit examinierten Therapeut:innen – zeitlich flexibel, niedrigschwellig und evidenzbasiert.. Das Programm wird in Selektivverträgen mit mehreren Krankenkassen umgesetzt und wissenschaftlich begleitet. Es ermöglicht Zugang zu physiotherapeutischer Beratung, wenn keine Versorgung vor Ort möglich ist. Ein weiterer Vorteil: Therapeut:innen können von zuhause arbeiten – ohne körperlichen Krafteinsatz. Ältere Fachkräfte können so länger im Beruf bleiben, der Wiedereinstieg nach der Elternzeit wird erleichtert. Mittlerweile wurden mehr als 15.000 Patienten versorgt. Aktuell wird das Programm auf weitere Indikationsfelder und auf chronische Schmerzpatienten erweitert.
Viele außerklinisch intensivpflichtige Patient:innen leben mit schwersten neurologischen oder pneumologischen Erkrankungen und sind auf Beatmung oder intensive Pflege angewiesen. Gleichzeitig verfügen viele von ihnen über Potenziale zur Beatmungsentwöhnung oder funktionellen Rehabilitation – die jedoch hochspezialisierte Expertise erfordern. Diese Expertise fehlte bislang meist nach der Entlassung aus dem Weaningzentrum. Dieses Projekt schließt die Lücke in einem neuen Versorgungsmodell: Spezialist:innen der zertifizierten Weaningzentren in Beelitz und Coswig übernehmen die medizinische Gesamtverantwortung auch nach der Entlassung – koordinieren Intensivpflege, Therapie und Hilfsmittelversorgung und passen Therapieziele fortlaufend an den individuellen Fortschritt an. So werden Rehabilitationspotenziale konsequent erkannt und genutzt.
Rund 80 % der obdachlosen Menschen sind psychisch erkrankt – haben jedoch aufgrund ihrer Lebenssituation kaum Zugang zu regulärer Behandlung. Die psychologische, psychiatrische und neurologische Praxis der Franziskustreff-Stiftung schließt diese Versorgungslücke: ohne Termin, ohne Meldeadresse, ohne Krankenversicherung – niedrigschwellig, unbürokratisch und nah an der Lebensrealität der Betroffenen, bei Bedarf auch aufsuchend. Als dritte Säule der Obdachlosenhilfe neben Frühstücksangebot und Sozialberatung wächst über einen sicheren Ort Vertrauen, das den Zugang zu weiterführender Hilfe ermöglicht. Seit 2024 stabilisiert die Praxis Menschen durch kontinuierliche Therapie – und verbessert damit nicht nur die psychische Gesundheit, sondern auch die Fähigkeit, den Alltag zu bewältigen und Perspektiven zu entwickeln. In enger Zusammenarbeit mit der Sozialberatung entstehen reale Chancen auf Teilhabe, Wohnraum und Arbeit.
Sozial benachteiligte Menschen finden oft keinen Zugang ins ambulante Gesundheitssystem – obwohl sie es am dringendsten brauchen. Das Projekt NAVIGATION entwickelt hierfür ein neues Versorgungsmodell in Primärversorgungszentren: interprofessionell, niedrigschwellig und konsequent auf vulnerable Gruppen ausgerichtet. Community Health Nurses suchen schwer erreichbare Menschen aktiv in ihrem Sozialraum auf, ein standardisiertes Assessment erfasst medizinische, psychische und soziale Bedarfe, ein interprofessionelles Team begleitet die Versorgung kontinuierlich. Umgesetzt wird das Modell in der Poliklinik Veddel in Hamburg und dem Gesundheitskollektiv Berlin, wissenschaftlich begleitet von der Charité. Ziel ist die Steigerung der Gesundheitskompetenz und die Verringerung gesundheitlicher Ungleichheit – als übertragbares Modell für eine gerechtere Primärversorgung in benachteiligten Sozialräumen.
Zugang zur Gesundheitsversorgung gerechter gestalten | Presse | AOK Rheinland/Hamburg
Klimaschutz ist Gesundheitsschutz – doch solange Klimarisiken abstrakt bleiben, fehlt der Anstoß zum Handeln. Das Gesundheitsmodell für die Climate Time Machine der Sciara GmbH berechnet auf Basis lokaler Klimadaten und persönlicher Faktoren wie Alter, Wohnort und Beruf individuell spürbare Gesundheitsfolgen: Wie wirkt ein Klima-Szenario auf meine Produktivität, Krankheitstage, Lebenserwartung? Die Ergebnisse basieren auf peer-reviewten Studien zu Wirkpfaden wie Hitze, Herz-Kreislauf, Atemwege und mentale Gesundheit. Eine Wirksamkeitsstudie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung belegt messbare Effekte auf Klimawissen, Risikowahrnehmung und Handlungsbereitschaft: In einer Langzeit-Befragung zeigten sich anhaltende Verhaltensänderungen bei 79 % der Teilnehmenden.
Viele Betroffene sexualisierter Gewalt suchen keine Hilfe – aus Scham, Angst oder fehlendem Wissen über medizinische, forensische und rechtliche Möglichkeiten. WhisperToMe schließt diese Lücke: Die KI-gestützte Plattform bietet anonym, kostenlos und mehrsprachig eine erste rechtliche Orientierung und vermittelt niedrigschwellig an passende Hilfsangebote. Die KI arbeitet ausschließlich auf Basis geprüfter Gesetzestexte und forensischer Dokumente, speichert keine personenbezogenen Daten und wird auf europäischen Servern gehostet. WhisperToMe ersetzt keine Beratungsstellen oder anwaltliche Beratung, sondern erreicht Betroffene früher – bevor sie bereit sind, persönlich über das Erlebte zu sprechen – und leitet sie verantwortungsvoll weiter. So stärkt das Projekt Gesundheitskompetenz, Selbstwirksamkeit und den Zugang zu Hilfe für Menschen, die bislang zu spät oder gar nicht erreicht werden.
WhisperToMe - Anonyme Erstorientierung für Betroffene sexueller Gewalt
Psychische Belastungen bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu – doch das Hilfesystem ist überlastet, Wartezeiten auf Therapieplätze sind lang. Soulbuddies e.V. setzt genau hier an: Kern des Angebots ist das Soulbuddy-Match, ein begleitendes Tandem aus ratsuchender junger Person und einer ehrenamtlichen Fachkraft, das frühzeitig stabilisiert, Wartezeiten überbrückt und den Weg zu passender Versorgung ebnet. Über 90 psychosoziale Fachkräfte und Studierende engagieren sich ehrenamtlich und begleiten jährlich rund 650 junge Menschen. Die Angebote finden in Präsenz statt. 44 % der Begleiteten stabilisierten sich psychisch, die Abbruchquote liegt bei nur 4 %. Seit 2019 wurden über 1.500 Kurzberatungen und mehr als 700 langfristige Unterstützungen abgeschlossen.
Emotionale Kompetenzen sind die Grundlage psychischer Gesundheit – und werden am wirkungsvollsten früh gefördert. Das GEFÜHLEHELDEN Curriculum 1 setzt genau hier an: Das evidenzbasierte Präventionsprogramm befähigt Kinder im Alter von 2 bis 4 Jahren, Gefühle zu erkennen, zu benennen und gesund zu lenken. Pädagogische Fachkräfte und Eltern werden über Online-Kurse, Live-Formate und alltagsintegrierte Übungen gezielt qualifiziert und entfalten so eine nachhaltige Multiplikatorenwirkung. Das Programm verbindet Erkenntnisse aus Psychologie, Neuropsychologie und Präventionsforschung mit einer flexiblen, bundesweit einheitlichen Umsetzung in Krippen und Kitas. Seit 2024 wurden 244 Fachkräfte qualifiziert und über 4.000 Kinder erreicht. Seit 2026 wird das Programm deutschlandweit bis zu 100 % von gesetzlichen Krankenkassen gefördert.
Kleinunternehmen und Handwerksbetriebe sind auf Mobilität angewiesen – doch das Auto ist nicht immer die einzige Option. Das Projekt „IKK Handwerksrad" der IKK classic gibt Betrieben die Möglichkeit, E-Lastenräder und E-Bikes des Mobilitätsdienstleisters cargobike.jetzt GmbH sechs Wochen lang kostenfrei im echten Betriebsalltag zu testen. Ein Aktionstag mit Fahrsicherheitstraining, eine begleitete Praxisphase und eine abschließende Evaluation machen den Einstieg niedrigschwellig und praxisnah. Ziel ist es, nachhaltige Mobilitätslösungen erfahrbar zu machen und das Klima- und Gesundheitsbewusstsein von Beschäftigten langfristig zu stärken. Seit dem Start im Herbst 2025 haben bereits acht Betriebe das Programm erfolgreich durchlaufen; jährlich sollen bis zu 21 Betriebe erreicht werden. Das auf vier Jahre angelegte Projekt zeigt, wie gesundheitsfördernde und klimafreundliche Mobilität auch im Handwerk praktisch umsetzbar ist.
Gesundheitsförderung wirkt am stärksten, wenn sie mitten im Alltag verfügbar ist. Der Aktivpark Lumdatal des TV 1905 Mainzlar e.V. integriert Bewegung, Prävention und soziale Teilhabe fest in den öffentlichen Raum: Frei nutzbare Sportflächen und Bewegungsstationen laden zur spontanen Aktivität ein, zielgruppenspezifische Formate wie Männersache und Frauengymnastik sprechen unterschiedliche Bedürfnisse an, Begegnungsbereiche stärken den sozialen Zusammenhalt. Bestehende Flächen werden ressourcenschonend genutzt, Angebote modular erweitert und langfristig ehrenamtlich betreut. In Kooperation mit Kommune und lokalen Unternehmen hat der ehrenamtlich getragene Verein so dauerhafte Strukturen geschaffen – mit einem Ansatz der Gesundheit nicht nur als Thema des Einzelnen versteht, sondern als Bestandteil lebenswerter, nachhaltiger Lebensräume.
Gesundheitsförderung wirkt am stärksten dort, wo sie nah an den Menschen ist. Das Projekt „Gesundheitsbotschafter" gewinnt, qualifiziert und vernetzt seit 2016 ehrenamtliche Multiplikatoren in Kommunen, die als niedrigschwellige Ansprechpartner für Prävention und Gesundheitsförderung wirken. Nach einem strukturierten Lizenzlehrgang sind sie organisatorisch an die Stabsstelle der Gesundheitsregionplus des Landkreis Cham angebunden, gleichzeitig fest in ihrer eigenen Gemeinde verankert. Sie kennen lokale Bedürfnisse, vernetzen Akteure vor Ort und initiieren zielgruppenspezifische Angebote – ohne bestehenden Vereinsstrukturen Konkurrenz zu machen. Mittlerweile engagieren sich über 30 Gesundheitsbotschafter in 24 Gemeinden des Landkreises. Das Projekt steht für Empowerment, Teilhabe und sozialen Zusammenhalt und liefert einen übertragbaren Ansatz für Gesundheitsförderung im ländlichen Raum.
Fast die Hälfte der Menschen hat sie, aber kaum jemand spricht darüber: Die Periode. Eine menstruationsfreundliche Arbeitswelt ist das Ziel des Projekts #MenstruAction – Mitarbeiter*innen Initiative der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH. Seit 2015 adressiert sie das Thema als Teil der betrieblichen Gesundheitsvorsorge und fördert so Gesundheit, Gerechtigkeit und Inklusion am Arbeitsplatz. Mit der Kampagne „Periods@Work“ werden niedrigschwellige Informationen geliefert, das Tabu rund um Menstruation gebrochen und kostenlose, möglichst nachhaltige Menstruationsprodukte an GIZ-Standorten weltweit zur Verfügung gestellt. Das Projekt trägt zur Enttabuisierung von Menstruation bei, stärkt das Wohlbefinden und die Selbstwirksamkeit und fördert eine inklusive Unternehmenskultur.
Sepsis ist die schwerste Komplikation von Infektionen – ein zeitkritischer Notfall mit hoher Sterblichkeit und häufigen Langzeitfolgen. Die Vorreiterregion Sepsis Main-Taunus-Kreis begegnet diesem Defizit mit einem gesamtgesellschaftlichen Ansatz: Schulungen für Schüler, Lehrkräfte, Pflegekräfte, Rettungsdienste und Klinikpersonal, barrierearme Informationsmaterialien und eine eigene Buchungsplattform schaffen Sepsiskompetenz überall dort, wo Warnzeichen entstehen oder übersehen werden. Ein breites Netzwerk aus Kliniken, Kommunen, Schulen und der Deutschen Sepsis-Stiftung trägt die Initiative. Mit einer Post-Sepsis-Ambulanz entsteht zudem Anschlussversorgung für Betroffene. So zeigt das Projekt, wie Prävention, Früherkennung und Aufklärung gemeinsam Leben retten – und als Modell für andere Regionen dienen können.
Psychische Belastungen am Arbeitsplatz sind weit verbreitet – doch systematische Prävention scheitert in kleinen Betrieben oft an Kosten, Ressourcen oder fehlendem Wissen. pria psych schließt diese Lücke: Das digitale Tool ermöglicht eine qualitativ fundierte, anonyme Erhebung psychischer Belastungen – niedrigschwellig, verständlich und unabhängig von Bildungshintergrund, Arbeitszeitmodell oder Hierarchie. Als ortsunabhängiges Angebot wirkt es dem Stadt-Land-Gefälle entgegen und erreicht auch Unternehmen abseits urbaner Versorgungsstrukturen. Durch klare Sprache und strukturierte Auswertungen unterstützt pria psych eine gendersensible Betrachtung und macht psychische Belastungen besprechbar. So werden auch kleine Arbeitgeber befähigt, Verantwortung für gesunde Arbeitsbedingungen zu übernehmen.
Eine hochwertige und moderne medizinische und pflegerische Versorgung ist die Grundlage für ein leistungsfähiges Gesundheitswesen in Deutschland. Sie muss zukunftsfähig gestaltet werden, damit das Gesundheitswesen auch weiterhin im Angesicht von demografischem Wandel, Veränderungen von Energie- und Wirtschaftssystemen sowie neuen Gesundheitsgefahren durch Klimakrise und Pandemien sein zentrales Versprechen einlösen kann: Zugang und Versorgungsqualität für alle Menschen in Deutschland sicherzustellen.
Der DNP Gesundheit „Versorgung gestalten“ bezieht sich auf Initiativen und Projekte, die durch die innovative und effiziente Gestaltung von Strukturen und Prozessen zu mehr ökologischer, ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit in der Gesundheitsversorgung beitragen. Sie liefern Antworten für die Zukunft, indem sie beispielsweise Primärversorgung, Pflege und andere Gesundheitsberufe stärken, bedarfsgerechte Versorgungsangebote schaffen, digitale Möglichkeiten nutzten oder mehr Steuerung im System etablieren.
Betrachtet man die Krankheitslast in Deutschland, entfällt ein großer Teil auf Erkrankungen, die im Zusammenhang mit dem Lebensstil oder Umweltfaktoren stehen und meist mit einer langen Krankheitsdauer einhergehen: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rückenschmerzen, Krebs und chronische Lungenerkrankungen. Um Nachhaltigkeit im Gesundheitssystem zu fördern, mehr Gesundheit und Lebenszufriedenheit zu schaffen und den Bedarf an Ressourcen aller Art zu reduzieren, sind die konsequente Vermeidung von Krankheit sowie der Schutz und die Förderung von Gesundheit zentrale Wege. Hierfür braucht es innovative und wirksame Ansätze in Prävention, Gesundheitsförderung und Gesundheitsschutz. In Zeiten des Wandels, in denen sich das Gesundheitswesen neuen Risiken stellen muss und die Informationsgesellschaft Potentiale aber auch Gefahren birgt, ist darüber hinaus die Stärkung von Menschen in ihren Kompetenzen und ihrem Wissen ein zentrales Element für ein nachhaltiges, zukunftsfähiges Gesundheitswesen.
Der DNP Gesundheit „Gesundheit stärken“ bezieht sich sowohl auf Initiativen und Projekte, die darauf abzielen, in Zeiten des gesellschaftlichen und ökologischen Wandels Krankheit zu vermeiden sowie die Gesundheit der Menschen zu erhalten und zu schützen, als auch auf Ansätze, die über neue Herausforderungen für Gesundheit aufklären und Menschen befähigen, zur Erhaltung ihrer eigenen Gesundheit beizutragen.
Die öffentliche Aufmerksamkeit für die Klimakrise hat auch im Gesundheitswesen eine neue Diskussion um Klimaschutz und Nachhaltigkeit, Energie- und Ressourcenschonung entfacht. Später als in anderen Sektoren beginnt ökologische Nachhaltigkeit zu einem zentralen Thema zu werden in einem System, dass für mehr als 6% des Treibhausgasausstoßes in Deutschland verantwortlich ist und heute 80 Prozent mehr Rohstoffe verbraucht als Mitte der 1990er-Jahre, Tendenz steigend. In allen Bereichen des Systems arbeiten Vorreiter:innen daran, neue Lösungen zu entwickeln, um den hohen Treibhausgasausstoß, negative Umweltauswirkungen und Ressourcenverbrauch des Gesundheitswesens zu reduzieren.
Der DNP Gesundheit „Umwelt schützen“ bezieht sich auf Initiativen und Projekte, die die Umweltauswirkungen von Behandlungsoptionen und medizinischen Technologien in der Versorgung berücksichtigen und negative Umweltfolgen und die Nutzung natürlicher Ressourcen minimieren.
Ihre Fragen zum DNP Wettbewerb Gesundheit
Dezember 2025 | Düsseldorf
Wir freuen uns, die strahlenden Sieger des Wettbewerbs bekannt zu geben! Die Nachhaltigkeits-Pioniere des Gesundheitswesens, die mit ihrer Kreativität und ihrer Tatkraft die Spitze der Transformation zu einem nachhaltigen Gesundheitswesen anführen.
Unsere lange und spannende Reise, von der Idee zu einem neuen Nachhaltigkeitspreis, über die Überzeugungsarbeit und den Startschuss, über die Vorbereitungen und die Auslobung, über die Premiere in 2024 und nun die neuerliche Bewerbungsphase 2025 und die Arbeit der Jury, bis hin zu einer fulminanten Abschlussveranstaltung, kommt erneut an ihrem großen Ziel an: die Ehrung der Gewinner des Deutschen Nachhaltigkeitspreises Gesundheit.
Über 30 Projekte waren in einer Vorauswahl aus den erfreulich vielen Bewerbungen für einen Preis in einer der drei Kategorien nominiert worden. Jetzt hat die Jury in jeder Kategorie das Projekt ausgewählt, das den Titel "Sieger des Deutschen Nachhaltigkeitspreises Gesundheit 2026" tragen darf.
Die Gewinner in den drei Kategorien sind:
Preisübergabe mit Kerstin Blum und Simone Schwering für das Projekt BBNE PfleGe
Das Verbundprojekt BBNE-PfleGe des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe e.V. (DBfK), der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V. (KLUG) und des Berliner Bildungscampus für Gesundheitsberufe gGmbH (BBG) sensibilisiert Praxisanleitende in Pflege- und Gesundheitsberufen für nachhaltiges Handeln und planetare Gesundheit. Dafür bietet es bundesweit eine berufspädagogische Fortbildung an, die auf die besonderen Herausforderungen der Pflege und Gesundheitsversorgung im Kontext der Klimakrise eingeht. Mindestens 2.000 Praxisanleitende sollen erreicht werden, die ihr Wissen direkt in die praktische Ausbildung tragen und so eine nachhaltige Transformation im Gesundheitswesen anstoßen.
Das Projekt wird im Rahmen des Programms „Nachhaltig im Beruf – zukunftsorientiert ausbilden“ durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und die Europäische Union über den europäischen Sozialfond Plus (ESF Plus)“ gefördert.
Begründung der Jury:
Durch die Fortbildung BBNE-Pflege können Praxisanleitende die Zusammenhänge von Klima, Nachhaltigkeit und Pflege direkt in die Pflege-Ausbildung einbringen. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe, die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit und der Berliner Bildungscampus für Gesundheitsberufe schaffen über die Schlüsselrolle von Praxisanleitenden mit Multiplikatoren-Funktion für diese Themen, Wissen und Bewusstsein bei beruflich Pflegenden. Das Verbundprojekt erreicht diejenigen, auf deren Schultern die Versorgung ruht, die maßgeblich sind für die erfolgreiche Umsetzung von Veränderung und die bei Patientinnen und Patienten ein hohes Vertrauen genießen. Das Projekt BBNE-PfleGe wird im Rahmen des Programms „Nachhaltig im Beruf – zukunftsorientiert ausbilden“ durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert.
Preisübergabe durch Kerstin Blum und Simone Schwering an das Projekt Empowerment für Diversität
„Empowerment für Diversität“ ist ein bundesweit agierendes Entwicklungsprojekt der Charité – Universitätsmedizin Berlin und weiterer 6 Partnerkliniken. Ziel ist Diskriminierung im Umgang zwischen Personal und Patienten sowie im Team zu reduzieren und Diversitätskompetenzen aufzubauen. Dafür setzt das Projekt umfassende Maßnahmen um, die sowohl individuelle Haltungen als auch institutionelle Strukturen verändern. Das Projekt leistet damit einen wesentlichen Beitrag für mehr soziale Nachhaltigkeit im Gesundheitssystem: weg von diskriminierenden Routinen, hin zu gleichberechtigtem Zugang für alle Patienten und zu einem Arbeitsumfeld, das Vielfalt anerkennt und stärkt – insbesondere für bislang benachteiligte Gruppenunter Patienten und Mitarbeitenden.
Begründung der Jury:
Damit Gesundheitsversorgung bestmögliche Ergebnisse erzielen kann, braucht es ein gutes Miteinander – zwischen den Beschäftigten im Gesundheitswesen und in ihrem Kontakt mit Patientinnen und Patienten. Mit „Empowerment für Diversität“ machen Charité und ihre Partnerkliniken darauf aufmerksam, dass dies keine Selbstverständlichkeit ist. Es macht die strukturelle Diskriminierung sichtbar, die auch im Gesundheitswesen Alltag ist, und hilft dabei, Vorurteile zu erkennen und zu überwinden.
Preisübergabe durch Simone Schwering an das Projekt Was hab’ ich
Was hab´ ich eigentlich, und was wurde im Krankenhaus für mich getan? Die offizielle Dokumentation lässt Patient:innen hierzu oft ratlos. Die „Was hab’ ich?“ gGmbH erstellt per Software automatisch einen individuellen, leicht verständlichen Patientenbrief. Dieser wird auf Grundlage von Routinedaten mithilfe ärztlich erstellter, qualitätsgesicherter Textbausteine individuell zusammengestellt – ohne Mehraufwand für das medizinische Personal. Das Projekt fördert nachweislich die Gesundheitskompetenz, insbesondere auch bei vulnerablen Gruppen und trägt so zu einer nachhaltigeren und gerechteren Gesundheitsversorgung bei.
Begründung der Jury:
Die Patientenbriefe fördern Gesundheitskompetenz praktisch und lebensnah. Und machen deutlich: Nicht nur Patient:innen müssen kompetent sein für ihre Gesundheit - vor allem muss das Gesundheitssystem verständlich sein. „Was hab´ich?“ leistet als zivilgesellschaftliche Initiative hierzu seit Jahren einen innovativen und maßgeblichen Beitrag, der es verdient hat, zum Standard in der Versorgung zu werden.
Weniger Müll im Krankenhaus, grüne Ideen in der Pflege, niederschwellige Gesundheitsangebote – herausragende Initiativen zeigen, wie die Zukunft aussehen kann.
November 2024 | Düsseldorf
Wir freuen uns, die strahlenden Sieger des Wettbewerbs bekannt zu geben! Die Nachhaltigkeits-Pioniere des Gesundheitswesens, die mit ihrer Kreativität und ihrer Tatkraft die Spitze der Transformation zu einem nachhaltigen Gesundheitswesen anführen.
Unsere lange und spannende Reise, von der Idee zu einem neuen Nachhaltigkeitspreis, über die Überzeugungsarbeit und den Startschuss, über die Vorbereitungen und die Auslobung, über die Bewerbungsphase und die Arbeit der Jury, bis hin zu einer fulminanten Abschlussveranstaltung, kommt an ihrem ersten großen Ziel an: die Ehrung der ersten Gewinner des Deutschen Nachhaltigkeitspreises Gesundheit.
Über 30 Projekte waren in einer Vorauswahl aus den erfreulich vielen Bewerbungen für einen Preis in einer der drei Kategorien nominiert worden. Jetzt hat die Jury in jeder Kategorie das Projekt ausgewählt, das den Titel "Sieger des Deutschen Nachhaltigkeitspreises Gesundheit 2025" tragen darf.
Auch alle Finalisten und Nominierten können natürlich nach wie vor weiter unten auf der Webseite nachgelesen werden.
Die Gewinner in den drei Kategorien sind:
Thomas Diekamp, Referent für Klimaschutz bei AWO Bundesverband e.V., empfängt den DNP Gesundheit von Prof. Dr. med. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer
Die Arbeiterwohlfahrt mit 18.000 Einrichtungen und 300.000 Beschäftigten will noch vor dem Jahr 2040 klimaneutral werden und verfolgt dieses Ziel mit einem umfänglichen und konkreten Ziel- und Maßnahmenplan. Seit 2018 leistet sie bereits mit dem Projekt "klimafreundlich pflegen" Pionierarbeit in der Pflege. Entstanden ist ein ganzheitliches Konzept zur Etablierung betrieblichen Klimaschutzes in stationären Pflegeeinrichtungen, das die Emissionsbereiche Gebäudeenergie (Heizung und Strom), Mobilität, Ressourcen, Reinigung & Wäsche, Sonstiges (z. B. Abfälle, Verbrauchsmaterialien) und Verpflegung abdeckt. Das Projekt sucht den aktiven Austausch mit den Einrichtungen und vernetzt die verantwortlichen Akteure miteinander. Die wissenschaftliche Begleitung zeigt eine deutliche Wirkung, die aktiv im Gesundheitswesen kommuniziert wird.
AWO Bundesverband e.V.
Johannes Bauernfeind, Vorstandsvorsitzender bei AOK Baden-Württemberg, nimmt den DNP Gesundheit von Eckart von Hirschhausen in Empfang (Foto: Dariusz Misztal)
Als erste Krankenkasse in Deutschland hat die AOK-Gemeinschaft unter Federführung der AOK Baden-Württemberg gemeinsam mit dem IWW Rheinisch-Westfälisches Institut für Wasserforschung sowie mit Unterstützung des Umweltbundesamts in einer bisher einmaligen Form eine Studie zur ökologischen Nachhaltigkeit in der Antibiotikaversorgung initiiert und durchgeführt. Ziel ist es, Anreize für die umweltgerechte Produktion von Antibiotika durch ein freiwilliges Bonuskriterium im Rahmen der Vergabe von Arzneimittel-Rabattverträgen für die pharmazeutischen Unternehmen zu schaffen.
AOK Baden-Württemberg
Melanie Eckert, Co-Founder und Co-CEO von Krisenchat, nimmt den DNP Gesundheit von Nina Ruge in Empfang (Foto: Schuchrat Kurbanov)
Die mentale Belastung bei Kindern und Jugendlichen ist durch die Folgen der Corona-Pandemie und der planetaren Krisen deutlich gestiegen. krisenchat wurde im Mai 2020 gegründet und ist das meistgenutzte psychosoziale Online-Beratungsangebot für Menschen unter 25 Jahren in Deutschland - rund um die Uhr, anonym und kostenlos. Durch eine innovative und pragmatische Nutzung technischer Kanäle erreicht das gemeinnützige Angebot mehr als 1 Mio. Menschen pro Quartal und hat bereits 130.000 Beratungen durchgeführt. Über 350 psychologisch ausgebildete Krisenberaterinnen und Krisenberater sowie 90 Angestellte begleiten und unterstützen Hilfesuchende, von denen 88% krisenchat weiterempfehlen würden. Über 65% geben an, noch mit niemandem über ihr Problem gesprochen zu haben. Damit füllt krisenchat eine Lücke in der Versorgung junger Menschen.
Wie es zum Deutschen Nachhaltigkeitspreis Gesundheit kam und warum Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen jetzt so wichtig ist.
„Jeder Mensch hat irgendwann Kontakt mit dem Gesundheitswesen. Man vertraut seinen Beschäftigten, ob Ärztin, Pflegefachkraft oder Therapeut. Wird die Stahlindustrie grün, bekommt kaum einer das mit. Aber wenn in Arztpraxen, Apotheken und Kliniken Klimaschutz zum Thema wird, wenn Krankenkassen und die Gesundheitswirtschaft sich für Nachhaltigkeit stark machen, hat das Sichtbarkeit und Strahlkraft. Deshalb zeigen und fördern wir mit diesem Preis die Leuchttürme im Gesundheitswesen – für Wirkung auch über unseren Sektor hinaus“, sagt Dr. Eckart von Hirschhausen, Gründer der Stiftung Gesunde Erde - Gesunde Menschen.
„Nachhaltigkeit kommt unmittelbar der Gesundheit der Menschen zugute. Mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis Gesundheit wollen wir Beispiele fördern, die sich auf diesem Gebiet positiv hervortun. Wir brauchen viele solcher Initiativen mit Vorbildcharakter, die zum Nachahmen animieren.“
Prof. Dr. med. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer
„Das Gesundheitswesen ist der Spiegel unserer Gesellschaft. In ihm zeigen sich die Bindungskraft unserer sozialen Werte, die Tragfähigkeit unseres wirtschaftlichen und ökologischen Modells und die Bereitschaft, uns bei der Zukunftsgestaltung nicht von Risiken und Komplexität aufhalten zu lassen. Mit dem neuen Preis wollen wir inspirierende Projekte an der Schnittstelle zwischen Nachhaltigkeit und Gesundheit sichtbar machen und dadurch möglichst viele Akteure zu ambitionierten Lösungen ermutigen.“
Stefan Schulze-Hausmann, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V.