- Lebensrevolution in Sicht? Oder doch „alles stabil“?
- Man weiß überwiegend schon irgendwie Bescheid. Zumindest so grob.
- KI macht keine Angst
- Girls Day needed
- Berufliche Zuversicht sehr branchenabhängig
- Gesundheit und Pflege als beruflicher Fels in der Brandung
- KI braucht Grenzen: Jugend setzt auf klare Regeln
- Geizig mit den eigenen Gesundheitsdaten – in der Theorie
- Ist die Jugend in Sachen KI gespalten?
Wie sehen Jugendliche das Thema künstliche Intelligenz? Was erwarten sie von KI für ihre eigene Zukunft, zum Beispiel beruflich und gesundheitlich? Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, welche Berufe als nicht KI-gefährdet angesehen werden – und ob das Thema KI polarisiert.
Lebensrevolution in Sicht? Oder doch „alles stabil“?
Mehr und mehr wird uns bewusst, wie tiefgreifend künstliche Intelligenz das Leben verändern wird. Die enormen Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz werfen viele und weitreichende Fragen auf. Je mehr Lebensspanne wir noch vor uns haben, desto mehr digitalen Wandel werden wir noch miterleben.
Deshalb haben wir Jugendliche auch 2025/26 wieder gefragt: Wie präsent ist das Thema für sie? Was erwarten sie von KI für ihr Arbeitsleben und ihre Gesundheit? Welche Ansichten vertreten sie und was wünschen sie sich von den gesellschaftlichen Akteuren?
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Man weiß überwiegend schon irgendwie Bescheid. Zumindest so grob.
Natürlich kennen praktisch alle das Thema und den Begriff KI, er ist mittlerweile schließlich lange genug ausgesprochen präsent in den Medien. Die Zahl derer, die sich zutrauen, zu erklären, was künstliche Intelligenz ist, ist stark angestiegen: Waren es 2024/25 noch 71 Prozent, so sind es dieses Jahr schon 83 Prozent. Hier zeigt sich deutlich, wie rasant die Nutzung von KI ansteigt. Nur noch 15 Prozent haben den Begriff zwar schon gehört, wissen „aber nicht so genau, was es ist“ – das waren zwei Jahre zuvor noch 31 Prozent.
Auch eine Reihe von Anwendungen von KI ist einer Mehrheit bekannt. Mittlerweile nutzen fast fünf von zehn Jugendlichen täglich oder fast regelmäßig KI – vor zwei Jahren war das erst jeder Fünfte.
Dennoch fühlen sich 27 Prozent eher nicht oder gar nicht gut zum Thema informiert – das waren im Jahr davor noch 38 Prozent. Der Anteil derer, die sich unzureichend informiert fühlen, nimmt derzeit also um jährlich etwa zehn Prozentpunkte ab. Mehr als zwei Drittel sind hingegen an mehr Informationen zum Thema interessiert – dieser Anteil ist sogar noch weiter angestiegen.
KI macht keine Angst
Obwohl die Befragten beim Thema KI also weder unwissend noch uninteressiert sind: Künstliche Intelligenz spielt als Grund für Zukunftssorgen eine sehr untergeordnete Rolle: 20 Prozent der Befragten macht KI große Sorgen. Somit sind die Sorgen im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent gestiegen. Dennoch belegt KI immer noch einen der letzten drei Plätze im Sorgen-Ranking. Große Sorgen wegen Kriegen sind mehr als dreimal so verbreitet.
Girls Day needed
Ein bedenkliches Ergebnis ist, dass Jungen weiterhin einen gewissen KI-Vorsprung vor Mädchen zu haben scheinen. Erfreulicherweise haben Mädchen bei der Nutzungserfahrung 2024 aufgeholt und liegen auch 2025 auf gleicher Höhe mit den Jungen. Doch Jungen haben nach wie vor mehr Kenntnisse, fast doppelt so viele fühlen sich sehr gut informiert. Auch ihr Interesse an weiteren Informationen zum Thema ist deutlich häufiger sehr ausgeprägt mit 31 vs. 18 Prozent. Hinzu kommt, dass sie weniger Sorgen und mehr Zuversicht über die langfristigen Auswirkungen von KI zeigen. Diesem "AI Gender Divide" sollte frühzeitig entgegengewirkt werden, damit er sich nicht zu einer ernsthaften KI-bezogenen Chancenungleichheit auswächst.
Digitale Gesundheitskompetenz erfordert beständiges Lernen. Umfassende Informationsangebote und Unterstützung für Schulen gibt es beim Barmer Präventionsangebot „Durchblickt!“.
Berufliche Zuversicht sehr branchenabhängig
Vor dem Hintergrund der mehrheitlich positiven Grundhaltung ist es beachtlich, dass dennoch insgesamt 24 Prozent der Jugendlichen ihre eigenen beruflichen Ideen oder Pläne durch KI eher gefährdet (19 Prozent) oder sehr gefährdet (6 Prozent) sehen – ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr.
In einzelnen Berufsrichtungen lag diese Zahl 2023/24 deutlich über dem Durchschnitt (seit 2024/25 nicht mehr erhoben). Wer die Berufsbereiche „Elektro“ oder „Produktion“ anstrebt, hat am meisten Respekt vor KI-Konkurrenz: 27 bzw. 24 Prozent sahen ihren Branchenwunsch als KI-gefährdet.
Allerdings sind es auch nur acht beziehungsweise sechs Prozent, die diese Bereiche anvisieren.
Am häufigsten wurde „IT, Computer“ als Berufswunsch genannt (23 Prozent). Von diesen Befragten sehen 19 Prozent ihren Berufstraum als KI-bedroht. Das liegt unter allen Berufsfeldern hinsichtlich der KI-Bedrohung im unteren Mittelfeld.
Gesundheit und Pflege als beruflicher Fels in der Brandung
Auf den Plätzen zwei und drei der häufigsten beruflichen Wünsche lagen „Soziales, Pädagogik“ (21 Prozent) sowie „Gesundheit, Pflege“ (17 Prozent). Bei diesen Branchen fühlt man sich vor KI beruflich erstaunlich sicher: Bei „Soziales, Pädagogik“ sind es 15 Prozent, bei „Gesundheit, Pflege“ sogar nur 12 Prozent, die befürchten, dass KI ihnen beruflich in die Quere kommen könnte.
Damit ist „Gesundheit, Pflege“ mit Abstand der Bereich, der als am wenigsten KI-bedroht eingeschätzt wird. Sogar die beruflich noch völlig Unentschiedenen (11 Prozent aller Befragten) machen sich mit 14 Prozent mehr Sorgen vor KI-Konkurrenz.
KI braucht Grenzen: Jugend setzt auf klare Regeln
Erstaunlich ist, dass die vermeintlich freiheitsliebende Jugend beim Thema KI für klare Reglementierung votiert. 80 Prozent stimmen 2023/24 ganz genau oder eher zu, dass KI streng reglementiert werden sollte, um Risiken zu minimieren.
Zwar versprechen sich 70 Prozent schnelleren medizinischen Fortschritt durch KI ––– doch für 91 Prozent muss das letzte Wort immer bei den Ärzten bleiben, auch wenn KI eine medizinische Entscheidung unterstützt.
KI kann auch eingesetzt werden, um den Suchtfaktor von Angeboten gezielt zu steigern. Was man zum Beispiel zu Computerspielsucht wissen muss, lesen Sie hier.
Geizig mit den eigenen Gesundheitsdaten – in der Theorie
Erstaunlich zurückhaltend gibt man sich mit den eigenen Gesundheitsdaten: Weniger als die Hälfte der Jugendlichen mochten sie 2023/24 für die Entwicklung und Optimierung von KI-Modellen zur Verfügung stellen. Wir können hier angesichts der bestehenden Social-Media-Nutzungskultur getrost davon ausgehen, dass dies ein Lippenbekenntnis ist.
Apps, die Nutzerdaten zur Entwicklung von KI-Modellen verwenden, werden natürlich voraussichtlich trotzdem weitgehend ungebremst genutzt. Zumindest solange den Nutzenden die Datenaspekte nicht sehr deutlich bewusstgemacht werden.
Nutzung von KI bei Gesundheitsproblemen und Symptomen
Die Rolle von KI als Steigerung von „Dr. Google“ hat in letzter Zeit rasant zugenommen und das spiegelt sich deutlich in den Befragungsergebnissen. 28 Prozent der befragten Jugendlichen haben eine KI schon mehrmals um Rat bei Gesundheitsproblemen oder Symptomen gefragt. Jeder Fünfte hat dies bislang einmal gemacht. Ein weiteres Viertel würde das in Betracht ziehen, während das restliche Viertel diese Vorstellung ablehnt. Diese Verteilung deutet stark darauf hin, dass KI-Chatbots unweigerlich eine wichtige Rolle für niederschwellige Gesundheitsberatung spielen werden. Erfreulich ist dabei, dass nur fünf Prozent die Gesundheitstipps von der KI als „absolut vertrauenswürdig“ einschätzen, während 48 Prozent sie als „eher vertrauenswürdig“ einschätzen. 41Prozent schätzen die Tipps als „eher nicht vertrauenswürdig“ ein, sechs Prozent als „überhaupt nicht vertrauenswürdig“.
Diese Ergebnisse kann man als gesunde und angemessene Skepsis bei gleichzeitiger Offenheit lesen. Was es jetzt braucht ist eine umfassende Vermittlung von Kompetenzen, KI-Potenziale sicher und digitalkompetent für Gesundheitszwecke zu nutzen.
Nutzung von KI bei psychischer Belastung
Dieses Jahr wurde erstmals abgefragt, inwieweit die Jugendlichen KI bei psychischen Problemen nutzen oder nutzen würden. Die Zurückhaltung ist hier noch eher groß. Doch immerhin 16 Prozent der Befragten haben KI schonmal zu psychischen Problemen befragt und 19 Prozent würden es gerne mal ausprobieren. Sechs von zehn stehen dem Ganzen jedoch skeptisch oder ablehnend gegenüber.
Ist die Jugend in Sachen KI gespalten?
Was es nicht gibt ist eine Pro- und Kontra-Spaltung. Das wäre der Fall, wenn eine große Fraktion der Jugendlichen hauptsächlich Risiken, eine andere hauptsächlich Chancen sehen würde. Das zeigt sich in den Ergebnissen nicht. Stattdessen zeigt sich, dass die meisten eine ambivalente und moderate Einschätzung abgeben, wenn es um Chancen (64 Prozent Ambivalente, 2023/24 waren dies nur 55 Prozent) und um Risiken (60 Prozent Ambivalente) von KI geht.
Wir haben die erwarteten Chancen und die erwarteten Risiken separat erfragt und hierbei eine Zehnerskala verwendet. Die Chancen werden dabei praktisch gleich häufig als groß eingeschätzt (31 Prozent) wie die Risiken (32 Prozent). Im Vorjahr wurden sie noch deutlich häufiger als groß eingeschätzt (von 41 Prozent) als die Risiken (von 32 Prozent).
Digitalisierung und KI erfordern Regeln und Werte – davon sind wir bei der Barmer überzeugt. Um unserer digitalen Unternehmensverantwortung (Corporate Digital Responsibility) gerecht zu werden, haben wir uns auf acht digitale Werte verpflichtet.