Vater und Tochter im Bad beim Zähne putzen
Zahngesundheit

Kreidezähne bei Kindern: Woran Eltern sie erkennen und was jetzt hilft

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Redaktion:

Ricky Heimberg (Content Creator (Medical), TAKEPART Media + Science GmbH)

Qualitätssicherung:

Gerhard W. Koch (Zahnarzt)

Beim Zähneputzen fällt plötzlich ein Fleck auf. Nicht richtig weiß, nicht einfach gelb, eher getrübt, manchmal gelb-braun. Vielleicht sagt dein Kind auch, dass kaltes Wasser wehtut. Oder dass das Putzen an einer bestimmten Stelle unangenehm ist. Dann kann schnell die Frage entstehen: Ist das Karies oder sind das Kreidezähne? Die gute Nachricht: Auch wenn Kreidezähne bisher nicht gezielt verhindert werden können, können Eltern viel tun, um betroffene Zähne zu schützen.

Was sind Kreidezähne?

Kreidezähne sind Zähne mit deutlich weicherem Zahnschmelz. Der Zahnschmelz ist normalerweise die harte Schutzschicht über der Zahnkrone, also über dem sichtbaren Teil des Zahns. Er besteht vor allem aus Mineralsalzen wie Fluor, Kalzium und Phosphat. Bei gesunden Zähnen ist er sehr hart, hält dem Kauen harter Nahrung stand und schützt das weichere Zahninnere. Bei Kreidezähnen ist genau diese Schutzschicht gestört.

Die Zusammensetzung des Zahnschmelzes ist verändert. Diese Störung heißt Hypomineralisation.

Das bedeutet:

  • Der Zahnschmelz ist viel weicher als normal.
  • Die Oberfläche ist häufig rau.
  • Der Schmelz kann porös sein.
  • Der Zahn ist schlechter geschützt.
  • Karies kann leichter entstehen.
  • Zähne können beim Putzen oder bei warmen und kalten Speisen schmerzen.

Kreidezähne können einzelne oder mehrere Zähne betreffen.

Warum heißen Kreidezähne auch MIH?

Kreidezähne betreffen am häufigsten die bleibenden Backenzähne und Schneidezähne. Fachlich heißt die Erkrankung deshalb Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation, kurz MIH.

Das bedeutet:

  • Molaren = Backenzähne
  • Inzisiven = Schneidezähne
  • Hypomineralisation = gestörte Mineralisierung des Zahnschmelzes

Auch Milchzähne können betroffen sein. Das ist aber deutlich seltener. Wenn Milchbackenzähne betroffen sind, spricht man von Milchmolaren-Hypomineralisation, kurz MMH.

Video: Kreidezähne bei Kindern, Ursachen und Behandlung

Sie gelten als neue Volkskrankheit: Kreidezähne bei Kindern. Dabei ist die genaue Ursache gar nicht bekannt. Doch was sind Kreidezähne und welche Möglichkeiten gibt es zur Behandlung? Weitere Videos findest du bei Barmer YouTube.

 

Woran erkennt man Kreidezähne bei Kindern?

Kreidezähne zeigen sich oft an den vorderen bleibenden Backenzähnen und an den Schneidezähnen. Typische Anzeichen sind:

  • weißlich getrübte Flecken
  • gelb-braune Flecken
  • Verfärbungen auf Kauflächen oder Zahnseiten
  • kleine einzelne Flecken oder größere betroffene Flächen
  • raue oder poröse Zahnoberflächen
  • Schmerzen beim Zähneputzen
  • Empfindlichkeit bei heißen oder kalten Speisen und Getränken

Gerade während des Zahnwechsels sollten Eltern deshalb regelmäßig auf auffällige Stellen achten. Wichtig: Wenn dein Kind beim Putzen zurückzuckt oder bestimmte Zähne meidet, sollte das zahnärztlich abgeklärt werden.

Sind Kreidezähne dasselbe wie Karies?

Nein. Kreidezähne entstehen durch eine Störung des Zahnschmelzes. Karies entsteht durch Bakterien und Säuren im Zahnbelag. Aber: Kreidezähne sind deutlich anfälliger für Karies.

Der Grund ist der schwächere Zahnschmelz. Er schützt den Zahn schlechter vor Säuren, Bakterien und Belastungen. Deshalb können Kreidezähne schneller Schaden nehmen als gesunde Zähne. Für Eltern heißt das: Kreidezähne sind nicht automatisch Karies, aber sie brauchen besonders guten Schutz vor Karies.

Wie häufig sind Kreidezähne bei Kindern?

Kreidezähne gelten als neue Volkskrankheit bei Kindern. Mehr als jedes dritte zwölfjährige Kind ist mittlerweile betroffen. Die Erkrankung ist weltweit verbreitet, aber erst seit wenigen Jahrzehnten bekannt.

Eine Barmer-Analyse aus dem Jahr 2021 hat außerdem die regionale Verbreitung von MIH untersucht. Grundlage waren Krankenkassendaten von sechs- bis neunjährigen Kindern, die  bei der Barmer versichert waren. Dabei zeigte sich: In westlichen und nordöstlichen Bundesländern wurden überproportional viele Kinder mit Kreidezähnen behandelt. In Nordrhein-Westfalen war der Anteil betroffener Kinder fast doppelt so hoch wie im Stadtstaat Hamburg. Bei den Einkommensschichten zeigte sich dagegen kein auffälliges Muster. Kinder aus allen Einkommensschichten waren gleichermaßen betroffen.

Wichtig: Aus diesen Verbreitungsmustern lassen sich bisher keine sicheren Rückschlüsse auf die Ursachen ziehen.

Wie entstehen Kreidezähne?

Die genaue Ursache von Kreidezähnen ist bisher nicht eindeutig geklärt. Klar ist: Kreidezähne entstehen, wenn die Bildung des Zahnschmelzes gestört wird.

Bei den häufig betroffenen bleibenden Backenzähnen und Schneidezähnen beginnt die Entwicklung bereits im achten Schwangerschaftsmonat. Sie dauert ungefähr bis zum Ende des vierten Lebensjahres. Genau in dieser Phase kann es zu Störungen kommen, durch die sich der Zahnschmelz nicht richtig bildet.

Welche Ursachen werden diskutiert?

Die Forschung untersucht Kreidezähne bereits seit Ende der 1980er-Jahre. Eine eindeutige Ursache wurde bisher nicht gefunden.

Mögliche Faktoren, die einzeln oder zusammen eine Rolle spielen könnten, sind:

  • Infektionskrankheiten im Kleinkindalter
  • Erkrankungen der oberen Atemwege
  • Antibiotikagaben
  • Giftstoffe wie Dioxine in Lebensmitteln
  • Schadstoffe aus der Umwelt, die im Alltag aufgenommen werden können

Ein untersuchter Schadstoff ist Bisphenol A, kurz BPA. BPA wurde bis 2018 unter anderem bei der Herstellung von Plastik für Verbraucherprodukte wie Babyflaschen verwendet. Inzwischen ist BPA verboten und wurde 2018 in die Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe der Europäischen Union aufgenommen. BPA spielt vermutlich eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von Kreidezähnen. Wichtig für Eltern: Weil die Ursachen nicht eindeutig geklärt sind, gibt es derzeit keine verlässliche Möglichkeit, Kreidezähne gezielt zu verhindern.

Wann sollte mein Kind zur Zahnarztpraxis?

Eltern sollten nicht warten, bis starke Schmerzen auftreten.

Es empfiehlt sich:

  • Milchbackenzähne zwischen zwei und drei Jahren prüfen lassen
  • bleibende Zähne mit Beginn des Zahnwechsels professionell begutachten zu lassen, das ist ungefähr zwischen dem fünften und sechsten Lebensjahr sinnvoll
  • während des Zahnwechsels regelmäßig selbst auf Flecken und empfindliche Stellen achten

Eine zahnärztliche Beratung ist besonders wichtig, wenn:

  • weiße oder gelb-braune Flecken sichtbar sind
  • Zähne beim Putzen schmerzen
  • heiße oder kalte Speisen unangenehm sind
  • Kauflächen rau oder angegriffen wirken
  • das Kind bestimmte Zähne beim Putzen vermeidet

Das Ziel ist, MIH-Anzeichen möglichst früh zu erkennen.

Mein Kind hat Kreidezähne. Was passiert jetzt?

Wenn ein Kind die Diagnose Kreidezähne erhält, sollte es professionell betreut werden. Die Behandlung wird individuell geplant. Zahnärztin oder Zahnarzt, Eltern und Kind besprechen gemeinsam, welche Therapie zur Situation passt.

Die Basis ist immer:

  • gründliche Zahnhygiene
  • regelmäßige Kontrollen
  • Schutz vor Karies
  • hochkonzentrierte fluoridhaltige Präparate

Diese Präparate können in der Zahnarztpraxis aufgetragen oder für die Anwendung zuhause verschrieben werden. Welche weitere Behandlung sinnvoll ist, hängt davon ab, wie stark die Zähne betroffen sind.

Behandlung bei leichter Form

Bei einer leichten Form sind die Kreidezähne noch nicht stark geschädigt. Dann können die Kauflächen zum Beispiel mit einer Kunststoffschicht versiegelt werden. Das Ziel: Die empfindliche Zahnoberfläche wird geschützt und Karies soll möglichst verhindert werden.

Behandlung bei stärkerer Form

Wenn die Zahnstruktur bereits angegriffen ist, können Füllungen oder Kronen notwendig werden. Sie sollen helfen, die Funktion des Zahns wiederherzustellen. Je nachdem, ob die Versorgung nur übergangsweise oder dauerhaft im Zahn bleiben soll, verwenden Zahnärztinnen und Zahnärzte unterschiedliche Materialien.

Behandlung bei schwerer Form

Bei schweren Kreidezähnen kann es notwendig sein, einen betroffenen Zahn zu entfernen. Die entstandene Lücke kann anschließend durch eine kieferorthopädische Behandlung geschlossen werden. Das klingt für Eltern zunächst belastend. Wichtig ist aber: Die Entscheidung hängt immer vom Einzelfall ab und sollte individuell mit Expertinnen oder Experten besprochen werden.

Können Eltern Kreidezähnen vorbeugen?

Die Entstehung von Kreidezähnen lässt sich derzeit nicht gezielt vermeiden. Der Grund: Die Ursachen der Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation sind noch nicht eindeutig bekannt. Aber Eltern können helfen, die empfindlichen Zähne vor weiteren Schäden zu schützen.

Das ist der wichtige Unterschied:

  • Prävention: Kreidezähne gezielt zu verhindern ist derzeit nicht verlässlich möglich
  • Prophylaxe: betroffene Zähne schützen und Schäden begrenzen, bleibt daher wichtig

Was Eltern nicht aus der Diagnose machen sollten

Kreidezähne sind für viele Familien verunsichernd. Trotzdem ist wichtig: Du musst nicht selbst herausfinden, wie schwer die Zähne betroffen sind.
Du musst nicht allein entscheiden, welche Behandlung richtig ist. Und du solltest die Ursache nicht bei dir suchen. Die Ursachen sind bislang nicht eindeutig geklärt. Entscheidend ist deshalb nicht Schuld, sondern frühes Erkennen und konsequenter Schutz.

Entscheidungshilfe: Was tun, wenn du Kreidezähne vermutest?

Du siehst weiße oder gelb-braune Flecken

Beobachte die Stelle nicht nur, sondern lass sie zahnärztlich prüfen – besonders während des Zahnwechsels.

Dein Kind hat Schmerzen beim Putzen

Vereinbare einen Termin in der Zahnarztpraxis. Schmerzempfindlichkeit kann ein Hinweis auf Kreidezähne sein.

Heiße oder kalte Speisen tun weh

Auch das sollte abgeklärt werden, weil Kreidezähne empfindlich auf Temperatur reagieren können.

Kreidezähne wurden diagnostiziert

Dann braucht dein Kind professionelle Betreuung, gute Mundhygiene und je nach Schweregrad eine passende Therapie.

Du willst Schäden begrenzen

Achte besonders auf Plaque-Reduktion, sorgfältiges Putzen, weniger Zucker und zahnärztlich empfohlene Fluorid-Präparate.

Häufige Fragen zu Kreidezähnen

Kreidezähne sind Zähne mit deutlich weicherem Zahnschmelz. Die Oberfläche ist oft rau oder porös. Dadurch sind die Zähne schmerzempfindlicher und anfälliger für Karies.
MIH steht für Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation. Gemeint ist eine Mineralisierungsstörung des Zahnschmelzes, die häufig bleibende Backenzähne und Schneidezähne betrifft.
Typisch sind weißlich getrübte oder gelb-braune Flecken auf Kauflächen oder Zahnseiten. Auch Schmerzen beim Putzen oder bei heißen und kalten Speisen können Hinweise sein.
Nein. Kreidezähne entstehen durch eine Störung des Zahnschmelzes. Sie sind aber deutlich anfälliger für Karies, weil der Schmelz schwächer ist.
Mehr als jedes dritte zwölfjährige Kind ist mittlerweile betroffen.
Ja, aber deutlich seltener. Wenn Milchbackenzähne betroffen sind, spricht man von Milchmolaren-Hypomineralisation, kurz MMH.
Milchbackenzähne sollten zwischen zwei und drei Jahren geprüft werden. Die bleibenden Zähne sollten mit Beginn des Zahnwechsels, etwa zwischen fünf und sechs Jahren, professionell begutachtet werden.

Literatur und weiterführende Informationen

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