Eine junge Frau kann nicht einschlafen
Schlaf

Schlafstörungen bei Jugendlichen: Wie viel Schlaf braucht ein 14-Jähriger eigentlich?

Lesedauer weniger als 9 Min

Redaktion:

Alexandra Zimmer (Medical Writer, Content Fleet GmbH)

Qualitätssicherung:

Dr. med. Ewgenia Stenmans (Neurologin, Assistenzärztin für Psychiatrie)

Schlaf-Check für Teenager: 3 wichtige Fakten

Karussell mit 3 Elementen
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Innere Uhr

In der Jugend verschiebt sich der Schlaf-Wach-Rhythmus häufig nach hinten. Das heißt: abends länger wach und morgens völlig übermüdet. Das ist keine fehlende Disziplin, sondern Biologie.
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Screen, Stress und Koffein

Schlafstörungen bei Jugendlichen entstehen oft durch einen Mix aus später Handynutzung, Schulstress, Koffein, unregelmäßigen Zeiten und psychischen Belastungen.
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Soforthilfe

Feste Aufstehzeiten, weniger Licht am Abend, Koffein-Stopp am Nachmittag und ein kurzes Abendritual bringen bei Schlafstörungen oft schnelle Entlastung.

Kurz nach Mitternacht, das Zimmer leuchtet nur noch vom Handy. Morgen wartet die Klassenarbeit und der Kopf weigert sich trotzdem, in den Off-Modus zu gehen. Genau so beginnen oft Schlafstörungen bei Jugendlichen.

Die Checkliste für besseren Schlaf bei Jugendlichen

Wenn im Bett die Gedanken kreisen und die Einschlafzeit immer weiter nach hinten rückt, kann das bei Teenagern schnell einen inneren Alarmzustand auslösen.

Keine Sorge: Bereits kleine Anpassungen an der Abendroutine können helfen, das Nervensystem wieder zu beruhigen:

  • Handy außer Reichweite: Das Ding nicht nur umdrehen, sondern wirklich weglegen. Wenn das Gehirn weiß, dass jederzeit noch eine Nachricht, ein Reel oder ein „Bist du wach?“ kommen kann, bleibt es im Alarmmodus.
  • Früher abschalten, schneller einschlafen: 60 Minuten vor dem Schlafen keine Serien, Games oder Chats mit Freunden mehr starten. Das kann bei Einschlafstörungen und verkürzter Schlafdauer ein echter Gamechanger sein.
  • Koffein mit Deadline: Getränke wie Energydrinks, Eiskaffee, Cola, Matcha oder schwarzer Tee können die Einschlafbereitschaft trotz Müdigkeit verringern – also ab Mittag besser weglassen.
  • Powernap nur mit Limit: Tagschlaf auf maximal 20 Minuten begrenzen. Aber lieber nicht mehr nach 15 Uhr hinlegen, sonst fehlt abends der „Schlafdruck“ und das Einschlafen wird schwieriger.

Gerade in stressigen Phasen wie bei Prüfungen, Wettkampfstress oder Struggle mit den Besties bringt vor allem eines Stabilität: morgens immer ungefähr zur gleichen Zeit aufstehen. Nicht auf die Minute genau, Hauptsache verlässlich genug. Der Körper liebt Rhythmus mehr als gute Vorsätze.

Die passende Abendroutine für Jugendliche

Der Tag ist eigentlich vorbei, aber der Kopf läuft weiter. Gedanken, To-dos und der Recap zum Tag halten noch wach. Genau hier hilft eine kurze Übergangsphase als Abendroutine, die dem Körper signalisiert: Jetzt ist Zeit zum Runterfahren. Oft reichen dafür schon etwa 15 bis 30 Minuten.

Sinnvoll ist:

  • Reize reduzieren: Licht dimmen, Laptop schließen, Benachrichtigungen stummschalten. So kann sich der Kopf besser auf Ruhe einstellen.
  • Im Bett entspannen: Buch aufschlagen, Hörspiel hören oder ruhige Musik wählen. Ein paar langsame, bewusste Atemzüge unterstützen zusätzlich beim Abschalten.
  • Wärme nutzen: Warm duschen oder baden kann beim Einschlafen helfen, weil der Körper danach in den Ruhemodus übergeht. Auch warme Socken sind für manche ein echter Gamechanger.
  • Gedanken auslagern: Wenn Grübeln über Aufgaben, Prüfungsstress oder unangenehme Situationen den Kopf beschäftigt, kann es helfen, diese Gedanken aufzuschreiben. Ein Journal kann dabei unterstützen, das Gedankenkarussell zu stoppen.

Schon mit diesen wenigen, regelmäßig wiederholten Schritten können Jugendliche deutlich schneller einschlafen.

So viel schlafen Teenager

Wie viel Schlaf brauchen 14- bis 16-Jährige? Viele Teens vergleichen sich mit einer Freundin, die mit sechs Stunden auskommt, oder mit einem Kumpel, der am Wochenende zwölf Stunden schläft. Solche Vergleiche sind jedoch wenig aussagekräftig. Es gibt keine konkrete Angabe, wie viel Schlaf Jugendliche brauchen, denn der Schlafbedarf ist individuell.

Diese Richtwerte mit etwas Spielraum nach oben und unten geben Orientierung:

  • 6 bis 13 Jahre: In der Regel sind neun bis elf Stunden passend.
  • 14 bis 17 Jahre: Häufig liegt der Bedarf bei rund acht bis zehn Stunden.
  • Ab 18 Jahren: Für viele sind etwa sieben bis neun Stunden ausreichend.

Wichtig ist nicht nur die Zahl der geschlafenen Stunden, sondern das eigene Feeling. Tagsüber ständig müde, unkonzentriert oder schnell reizbar? Vermutlich nicht ausreichend geschlafen.

Warum sich der Schlafrhythmus bei Jugendlichen nach hinten verschiebt

Das Gefühl, morgens kaum leistungsfähig zu sein und abends plötzlich konzentriert und produktiv zu werden, kennen viele Jugendliche. Das hat nichts mit mangelnder Disziplin zu tun.

In der Pubertät wird der Schlaf-Wach-Rhythmus oft deutlich nach hinten geschoben. Das Schlafhormon Melatonin wird später ausgeschüttet, auch die Körpertemperatur sinkt zur Nacht später ab. Das ist Biologie und ein ganz normaler Teil von Entwicklung und Wachstum.

Jugendlicher liegt im Bett und schaut auf sein Handy

Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren brauchen typischerweise acht bis zehn Stunden Schlaf pro Nacht. 

In dieser Lebensphase zeigt sich häufig eine Chronotyp-Verteilung zwischen den sogenannten Lerchen und Eulen. Viele Jugendliche sind biologisch „eulenhaft“ unterwegs. Heißt: später müde, später fit, später wieder wach. Wenn ein früher Schulstart dazukommt, kann sich das schnell anfühlen wie ein Leben im falschen Takt.

Warum Teenager schlecht schlafen

Ein- und Durchschlafstörungen treten bei Jugendlichen relativ häufig auf. Viele Teenager haben Schwierigkeiten damit, abends abzuschalten, oder sie wachen nachts immer wieder auf. Wichtig: Es gibt fast nie nur einen Auslöser.

Häufig ist es ein Mix aus Alltagsstress, ungünstigen Routinen und körperlichen oder psychischen Themen:

  • Mental Load: Prüfungsdruck, Konflikte, Zukunftssorgen, Liebeskummer oder soziale Medien können für ständiges Kopfkino sorgen.
  • Mediennutzung: Viel Bildschirmzeit am Abend kann den Schlaf-Wach-Rhythmus nach hinten verschieben.
  • Timing-Falle: Späte Mahlzeiten, Trainingseinheiten und koffeinhaltige Getränke können das Einschlafen erschweren.
  • Schlafblockade: Wer sich im Bett unter Druck setzt, um zeitig einzuschlafen, erreicht oft genau das Gegenteil.

Treffen mehrere Faktoren zusammen, können sich Schlafstörungen bei Teenagern deutlich verschlimmern. Bestehen sie über längere Zeit, lohnt es sich, nach dem psychischen Zustand zu schauen, denn Schlaf und Stimmung hängen eng zusammen.

Welche Schlafstörungen bei Jugendlichen gehen vorbei?

Nicht jede auffällige Nacht ist ein Hinweis auf eine ernsthafte Störung. Einige Erscheinungen kommen bei Kindern und Jugendlichen öfter vor und verschwinden mit der Zeit wieder. 

  • Albträume: Sie kommen meist in der zweiten Nachthälfte. Wenn Albträume häufig wiederkehren, können Strategien wie Aufschreiben oder Umdeuten beruhigen.
  • Nachtschreck: Für andere sieht das heftig aus: Schreien, Panik, Angst. Der Nachtschreck passiert vor allem in der ersten Schlafhälfte. Betroffene sind schwer zu wecken und erinnern sich danach oft nicht daran.
  • Schlafwandeln: Beginnt eher im ersten Drittel der Nacht. Beim Schlafwandeln können Menschen erstaunlich komplexe Dinge tun, obwohl sie nicht wirklich wach sind.

Wenn sie sehr oft auftreten oder stark belasten, besser genauer hinschauen.

Schlafprobleme trotz Routine: Was kann im Körper dahinterstecken?

Manchmal sind die Ursachen von Schlafstörungen nicht nur Stress und zu viel Bildschirmzeit. Auch bei Jugendlichen können gesundheitliche Ursachen den Schlaf beeinflussen. Dann hilft normale Schlafroutine nicht mehr und es lohnt sich, ärztlich nachzuschauen:

  • Schlafapnoe: Lautes Schnarchen plus Atemaussetzer sind keine Kleinigkeit. Der Schlaf wird dadurch oberflächlich, der Körper bekommt zu wenig Sauerstoff. Und morgens können Kopfschmerzen auftreten.
  • Narkolepsie: Hier geht es nicht um „Ich bin halt müde“, sondern um extreme Tagesschläfrigkeit und plötzliches Einschlafen, teils sogar beim Essen, Lesen oder im Unterricht.
  • Zähneknirschen (Bruxismus): Nächtliches Knirschen kann die Zähne schädigen und den Schlaf durch kleine Weckreaktionen unruhig machen. Stress, Ängste oder eine Kieferfehlstellung können die Ursache sein.
  • Restless Legs: Wenn Beine abends kribbeln, ziehen, brennen oder sich nur durch Bewegung beruhigen lassen, könnte das Syndrom der unruhigen Beine dahinterstecken. Das erschwert oft das Ein- und Durchschlafen.
  • Kleine-Levin-Syndrom: Ist sehr selten, aber wichtig zu kennen. Betroffene schlafen in Episoden extrem viel, teils 16 bis 18 Stunden pro Tag. Das gehört immer medizinisch abgeklärt.

Wann ärztliche Hilfe sinnvoll ist

Schlafprobleme sollten medizinisch untersucht werden, wenn sie länger als vier Wochen bestehen, öfter als dreimal pro Woche auftreten oder den Alltag deutlich beeinträchtigen. Das gilt auch, wenn Schnarchen, Atemaussetzer, starke Ängste oder extreme Müdigkeit am Tag dazukommen.

Erste Anlaufstelle ist die kinder- und jugendärztliche Praxis oder die Hausarztpraxis. Je nach Bedarf geht es weiter zur HNO-Praxis, in ein Schlaflabor, zur Neurologie oder Psychotherapie. Bei Verdacht auf Schlafapnoe oder Narkolepsie ist so eine Abklärung besonders wichtig.

Häufige Fragen und Antworten zu Schlafstörungen bei Jugendlichen

Als Schlafstörungen gelten Probleme beim Einschlafen oder Durchschlafen, die über einen längeren Zeitraum auftreten. Bei Teenagern ist das kein seltenes Phänomen, viele haben regelmäßig damit zu kämpfen. Oft fällt es ihnen schwer, abends zur Ruhe zu kommen, oder sie wachen nachts wiederholt auf. 
Die Gründe für Schlafprobleme sind meist vielfältig und wirken oft zusammen. Psychischer Druck durch Klausuren oder Klassenarbeiten, Beziehungsprobleme oder Zukunftsängste hält das Gehirn nachts auf Trab. Zu viel Bildschirmzeit am Abend bringt den natürlichen Rhythmus durcheinander. Auch spätes Essen, Sport zur falschen Zeit und Energydrinks können den Körper unnötig aktivieren. In der Pubertät verschiebt sich außerdem die innere Uhr biologisch nach hinten, sodass Jugendliche von Natur aus später müde werden.
Betroffene Jugendliche fühlen sich tagsüber oft erschöpft und wie benebelt. Die Konzentrationsfähigkeit lässt deutlich nach und die Stimmung ist gereizter. Manche brechen regelrecht ein und können beispielsweise kaum noch dem Unterricht folgen. Wichtig zu wissen: Solche Symptome zeigen, dass der Körper nicht genug Erholung bekommt.
Zu wenig Schlaf führt schnell zu einem spürbaren Energieverlust im Alltag. Betroffene sind weniger aufnahmefähig, schlechter gelaunt und generell erschöpfter. Nachts arbeitet der Körper intensiv: Er verarbeitet Gelerntes, reguliert Stresshormone und unterstützt Wachstumsprozesse. Gerade in der Pubertät ist ausreichend Schlaf besonders wichtig für die körperliche Entwicklung, das Gedächtnis und die emotionale Stabilität. Langfristig kann chronischer Schlafmangel diese wichtigen Entwicklungsprozesse beeinträchtigen.
Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren brauchen typischerweise acht bis zehn Stunden Schlaf pro Nacht. Ab 18 Jahren pendelt sich der Bedarf meist bei sieben bis neun Stunden ein. Allerdings sind diese Werte nur Richtwerte, denn der tatsächliche Bedarf ist individuell verschieden. Von einer behandlungsbedürftigen Störung ist die Rede, wenn die Probleme über vier Wochen anhalten, mindestens dreimal wöchentlich auftreten oder die Leistungsfähigkeit massiv eingeschränkt ist. Wie man sich tagsüber fühlt, ist oft aussagekräftiger als die reine Stundenzahl.
Langes Scrollen am Abend verschiebt den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus deutlich nach hinten. Das Gehirn bleibt in Alarmbereitschaft, solange das Handy griffbereit liegt und jederzeit Nachrichten eintreffen könnten. Fachleute empfehlen, etwa eine Stunde vor dem Schlafengehen auf Serien, Games und soziale Medien zu verzichten. Das Smartphone sollte nicht nur umgedreht, sondern außer Reichweite liegen.
Schlafhygiene bezeichnet Gewohnheiten und Verhaltensweisen, die gesunden Schlaf fördern. Besonders wirksam sind feste Schlafens- und Aufstehzeiten, die dem Körper Struktur geben. Abends dann das Licht dimmen, Bildschirme meiden und ab nachmittags auf Koffein verzichten. Eine kurze Abendroutine, etwa 30 Minuten mit Musik, einem Buch oder einer warmen Dusche, signalisiert dem Körper den Übergang zur Nachtruhe. Kreisende Gedanken aufzuschreiben, kann den Kopf ebenfalls entlasten und das Einschlafen erleichtern.
Ärztliche Hilfe ist angebracht, wenn Schlafprobleme länger als vier Wochen bestehen oder häufiger als dreimal pro Woche auftreten. Auch wenn die Leistungsfähigkeit tagsüber stark nachlässt, sollte das abgeklärt werden. Warnsignale sind zudem lautes Schnarchen mit Atemaussetzern, ausgeprägte Ängste und extreme Müdigkeit am Tag. 

Literatur und weiterführende Informationen

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