Ein junger Mann hält die eGK und ein Smartphone in der Hand

eCare

Lesedauer unter 4 Minuten

Die elektronische Patientenakte: Von der Idee zum Meilenstein der Digitalisierung

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Autor

  • Jessica Braun

Qualitätssicherung

  • Bérengère Codjo, Laura Fenger (Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Die elektronische Patientenakte bringt Bewegung in die Digitalisierung des deutschen Gesundheitssystems. Wie ist das gesetzlich geregelt? Und was wird aus bestehenden elektronischen Akten?

Das größte Digitalprojekt in Deutschland

Die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) ist eines der größten Digitalprojekte der Bundesrepublik. Bereits in den Neunziger Jahren unternahm das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) erste Schritte, um die nötige Infrastruktur im Gesundheitswesen zu schaffen.

2004 wurden mit dem GKV-Modernisierungsgesetz erste Weichen gestellt, um die einzelnen Akteure im Gesundheitswesen besser miteinander zu vernetzen. Im Fokus standen dabei die elektronische Gesundheitskarte (eGK) und mit ihr das E-Rezept. Ab 2011 wurde die eGK dann eingeführt und als Berechtigungsnachweis beim Arztbesuch etabliert.

Ein weiterer wichtiger Schritt war das 2015 verabschiedete Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen – auch E-Health-Gesetz genannt. Damit wurde den rund 140.000 Praxen in Deutschland die Frist gesetzt, sich bis zum 30. Juni 2019 an die die sogenannte Telematikinfrastruktur (TI) anzuschließen – gewissermaßen die Datenautobahn des Gesundheitssystems.

IT? TI! Das Kommunikationsnetz des Gesundheitswesens

Der Begriff Telematik ist eine Kombination der Wörter „Telekommunikation“ und „Informatik“. Als digitales Kommunikationsnetz verbindet die TI verpflichtend Ärzte, Zahnärzte und Psychotherapeuten untereinander – vor allem aber mit ihren Patienten. Ausgebaut wird dieses Netz von der Berliner Gesellschaft gematik, einem Zusammenschluss von Gesundheitsministerium, Bundesärztekammer, Apothekerverband, Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen und anderen Akteuren. Ursprünglich 2005 für die Einführung der Gesundheitskarte gegründet, sorgt dieses Unternehmen heute zum Beispiel dafür, dass die von Laboren oder Praxen erstellten Daten auch in einheitlichen Formaten vorliegen und dass alle Schnittstellen den nötigen Sicherheitsanforderungen entsprechen. Auch für die Zulassung der elektronischen Patientenakten ist die gematik zuständig.

Der Plan, diese bis Ende 2018 allen Versicherten zugänglich zu machen, ließ sich jedoch nicht umsetzen. Seit Mai 2019 gestaltet das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) die Entscheidungsprozesse deshalb effektiver. Die ePA kommt nun am 01.01. 2021. Und mit dem am 7. November 2019 durch den Bundestag beschlossenen Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) müssen auch Apotheken und Krankenhäuser Teil der TI werden. Für Hebammen und Physiotherapeuten sowie Pflege- und Rehabilitationseinrichtungen soll dies freiwillig bleiben. Ärzten, die sich weigern, sich an die TI anzuschließen, droht dagegen ein Honorarabzug. Ob Versicherte ihre elektronischen Patientenakte nutzen, bleibt ihnen jedoch selbst überlassen.

Von der eGA zur ePA: eine Lösung für alle

In den letzten Jahren entwickelten verschiedene Krankenkassen gemeinsam mit IT-Dienstleistern elektronische Akten wie „Vivy“ oder „TK-Safe“. Wie bei der ePA haben auch bei diesen Apps die Versicherten die Datenhoheit: Sie entscheiden, welche Informationen dort aufbewahrt werden und wer diese einsehen darf. Der Aufbau dieser Gesundheitsakten variiert jedoch. So speichern manche die Daten zentral, bei anderen verbleiben diese auf den Servern der Arztpraxis oder der Klinik, in der sie erhoben wurden.

Wegen dieser unterschiedlichen Standards sind die Apps nur bedingt miteinander kompatibel: Wer die Kasse wechselt, hat möglicherweise Probleme, seine Daten mitzunehmen. Und für Ärzte bestand bislang keine Verpflichtung, diese elektronischen Gesundheitsakten (eGA) zu nutzen. Das Befüllen bedeutete für sie einen zusätzlichen Aufwand. Da sie nicht dazu verpflichtet waren, blieb diese Aufgabe meist an den Nutzern hängen.

Mit der elektronischen Patientenakte soll sich dies ändern: Wünscht ein Versicherter, dass seine Behandlungshistorie in der ePA dokumentiert wird, müssen Arzt oder Klinik dem nachkommen. Aufgabe der Krankenkassen ist es nun, eine ePA zu entwickeln, die den Vorgaben der gematik entspricht. Es werden nur Akten zugelassen, die mit der neu entwickelten Telematikinfrastruktur kompatibel sind: Der gemeinsame Standard sorgt dafür, dass die Daten auch wirklich in jeder dazu berechtigten Praxis oder Klinik gelesen und bearbeitet werden können. Und die einheitlichen Sicherheitsstandards helfen, die sensiblen Daten zu schützen.

Für die Entwicklung der ePA sind die Erfahrungen mit elektronischen Akten eine wichtige Grundlage: So könnte beispielsweise die Barmer die bei Versicherten bewährten Funktionen des Gesundheitsmanagers zukünftig in ihre elektronische Patientenakte integrieren.

Versicherte im Vorteil

Die Vorteile solcher digitalisierten Gesundheitsdaten liegen auf der Hand: Versicherte haben ihre Krankengeschichte jederzeit bei sich und können diese schneller und gezielter nach notwendigen Informationen durchsuchen oder ihrem Arzt eine Zugriffsberechtigung erteilen. So kann der Arzt auf wichtige Informationen zugreifen und beispielsweise lebensbedrohliche Unverträglichkeiten schnell erkennen. Welche Daten gespeichert werden und wer diese einsehen darf, entscheiden alleine die Versicherten.

Als Anbieter der elektronischen Patientenakte stehen die Krankenkassen ihren Versicherten in allen Fragen rund um die ePA zur Seite, sind Ansprechpartner bei der Einrichtung und Nutzung. Und sie machen das Angebot zum bestmöglichen Begleiter: Zwar ist die Grundausstattung der ePA verbindlich vorgegeben, doch der Gesetzgeber lässt Raum für Innovationen. Die Krankenkassen können also eigene Funktionen bereitstellen. So wird die elektronische Patientenakte für die Versicherten noch attraktiver und nützlicher.  

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Webcode: a005274 Letzte Aktualisierung: 20.03.2020
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