Barmer Arztreport 2017

Neben dem Schwerpunktkapitel "Kopfschmerz" schreibt der Report wichtige Kennzahlen der ambulanten ärztlichen Versorgung in Deutschland fort. Dazu gehört die fachärztliche Behandlungshäufigkeit ebenso wie die Anzahl kontaktierter Ärzte. Daneben wird die Entwicklung der Behandlungskosten in der ambulanten medizinischen Versorgung in Deutschland dargestellt und untersucht woran die Bevölkerung am häufigsten erkrankt und worin die häufigsten Kombinationen von Diagnosen bestehen.

  • Kosten der ambulanten Versorgung: durchschnittlich 543 Euro pro Versichertem und Jahr. Bei Männern beträgt der Durchschnitt 469 Euro und bei Frauen 615 Euro
  • 93 Prozent der Bevölkerung hatte Kontakt zur ambulanten ärztlichen Versorgung
  • 78 Prozent der Versicherten besuchten mindestens einmal einen Hausarzt
  • 35 Prozent der Behandlungsfälle wurden bei allgemeinmedizinischen oder internistischen Hausärzten abgerechnet
  • im Durschnitt wurden bei jedem Versicherten je Quartal Leistungen von etwas mehr als zwei unterschiedlichen Ärzten abgerechnet
  • im Durchschnitt hat jeder Versicherte 3,41 unterschiedliche behandelnde Arzte beziehungsweise Arztpraxen aufgesucht
  • durchschnittlich 8,51 Behandlungsfälle pro Person (2015); Höchststand seit 2005
  • 10,3 unterschiedliche Diagnoseschlüssel je Person im Sinne von Erkrankungen (Erkrankungsdiagnosen)

Schwerpunktteil Kopfschmerzen

Im Jahr 2015 erhielten insgesamt 7,6 Mio. Menschen die Diagnose Kopfschmerzen.

Frauen sind mit 12,3 Prozent doppelt so häufig betroffen wie Männer mit 6,3 Prozent. Die höchste Kopfschmerzdiagnoserate findet man bei jungen Menschen im Alter von 19 Jahren. Auch sind Frauen mit 20 Prozent häufiger mit Kopfschmerzen konfrontiert als Männer mit 14 %. Besonders bei jungen Erwachsenen nehmen Kopfschmerzen alarmierende Ausmaße an. Allein im Zeitraum 2005 bis 2015 ist der Anteil der 18- bis 27-jährigen mit Kopfschmerzdiagnosen um 42 Prozent gestiegen. Über alle Altersklassen hinweg haben die Kopfschmerzdiagnosen dagegen nur um 12,4 Prozent zugenommen. Bei Kindern zwischen 3 und 12 Jahren sind die Kopfschmerzdiagnosen rückläufig.

Anteil Personen mit Kopfschmerzdiagnosen

Grafik Anteil Personen mit Kopfschmerzdiagnosen nach Geschlecht und Alter - Vorschau

Grafik Anteil Personen mit Kopfschmerzdiagnosen 2005, 2010, 2015 - Vorschau

Grafik Anteil Kinder sowie junge Erwachsene mit Kopfschmerzdiagnosen 2005 bis 2015 - Vorschau

Arzneimittelkonsum bei Kopfschmerzen

Eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Barmer belegt einen bedenklichen Tablettenkonsum, der bereits bei den Kleinsten beginnt.

Ergebnisse der Online-Befragung von Kindern und Jugendlichen (6 bis 19 Jahre), Datenerhebung: EarsandEyes, Januar 2017:

  • 13 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von 9 bis 19 Jahre hat selten oder gar keine Kopfschmerzen.
  • Etwa ein Viertel der Altersgruppe leidet etwa einmal pro Woche unter Kopfschmerzen, 4 Prozent sogar täglich. Etwa einmal im Monat haben immerhin noch 29 Prozent der 9- bis 19-Jährigen Kopfschmerzen.

Grafik Wie oft hast Du Kopfschmerzen? - Vorschau

Bei Kopfschmerzen nehmen 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von 9-19 Jahren Medikamente ein. Davon geben 42 Prozent an, meistens bzw. jedes Mal Medikamente gegen die Schmerzen zu nehmen.

Grafik Nimmst Du Medikamente gegen Deine Kopfschmerzen? - Vorschau

Grafik Wie häufig nimmst Du Medikamente gegen Deine Kopfschmerzen? - Vorschau

Die Verordnungszahlen von Migränemitteln sind laut Arztreport bei den 18- bis 27-Jährigen in der Zeit von 2005 bis 2015 um 58 Prozent gestiegen. Zugleich ist die Anzahl der Migräne-Diagnosen um mehr als 50 Prozent angewachsen. Über alle Altersklassen hinweg betrachtet sind die Diagnosezahlen von Migräne binnen zehn Jahren um mehr als 30 Prozent gestiegen, die Anzahl der Verordnungen aber längst nicht um denselben Faktor, sondern lediglich um 9,9 Prozent. Hier stellt sich schon die Frage, ob junge Erwachsene manchmal nicht zu schnell und zu viel Migränemittel bekommen.

Grafik Anteil Personen mit Mitgränemittelverordnung 2005 - 2015 - Vorschau

Grafik Anteil Kinder sowie junge Erwachsene mit Mitgränemittel-Verordnung 2005 bis 2015 - Vorschau

Weitere Auswertungen und detaillierte Hintergrundinformationen finden Sie im Arztreport 2017 (PDF, 5 MB).

Webcode dieser Seite: u000270 Autor: Barmer Erstellt am: 17.02.2017 Letzte Aktualisierung am: 20.02.2017
Nach oben